21.01.2020 - 17:19 Uhr
WaldsassenDeutschland & Welt

Wo Jazz auf den Orient trifft

Mit dem "Harrycane Orchestra" landet das Kunsthaus einen Volltreffer an Exotik pur

Harrycane Orchestra lässt die Kunsthausbühne zum musikalischen Kunstwerk werden.
von Ulla Britta BaumerProfil

Für Tarkan Yesil war’s ein Heimspiel. Der Sänger vom "Harrycane Orchestra" hat sich schon lange einen Auftritt in Waldsassen, wo er zur Schule ging ist, gewünscht. Am Samstag ging sein Traum in Erfüllung und damit auch der Traum von einem außergewöhnlichem Abend für viele Jazz-Freunde. Volles Haus im Kunsthaus: Tarkan Yesil war fraglich ein Zugpferd, unter den Gästen befanden sich seine ehemalige, über 80 Jahre alte Grundschullehrerin, Realschulfreunde und Bekannte aus Waldsassen.

Yesil, jetzt in Augsburg Musiklehrer und Mitgründer des "Harrycane Orchestra", hat die Freunde aus den Augen verloren, nicht aber seine Liebe zur Musik, die dem Publikum einen Abend der Superlative bescherte. Und das war das zweite Zugpferd: zum ersten Mal Jazz im Kunsthaus. Dann aber gleich eigenwillig extravagant: Die Herzen der Jazzfans schlugen schneller und schneller.

Das "Orchestra" zu beschreiben ist, als würde man fremde Sphären aus dem Weltall beschreiben wollen. Was in dieser Musik, gespielt Joe T. Aykut (Oud/Cümbüs), David Kremer (Piano/Keyboards), Giuseppe Puzzo (Kontrabass),

Tarkan Yesil (Gesang, Percussion), Harry Alt (Drums), Kay Fischer (Saxophon/Klarinette), vor sich geht, ist eine Reise ins Wunderland eines Orients, der aus Jazz gemacht ist. Harry Alt, Schlagzeuger und Komponist, schreibt diese Musik,verbindet die Liebe zu orientalischen Melodien und arabischer Rhythmik mit der Leidenschaft der Jazz-Improvisation. Was heraus kommt, ist unbeschreiblich guter Jazz, handgemacht und orientalisch verfeinert.

Tarkan Yesil besingt diese Leidenschaft in türkischer Sprache. Jedes Bandmitglied bearbeitet sein Instrument (oder seine Stimme), als gelte es, die Welt zu retten. Was für die Band nicht abwegig ist, sondern Philosophie.

So und ähnlich klingt es, wenn die Band ihr Publikum mit Songtiteln wie „Wonderland“, „Care in vain“ oder schlicht und einfach „Water“ in Sphären entführt, die nicht von dieser Welt sein können. Im Kunsthaus, wo am Samstag selbst die Stehplätze rar wurden, wippen die Köpfe der Zuhörer von „Jazz meets Orientals“ geradezu meditativ. Manchmal nahm die Musik dem Zuhörer den Atem, manchmal ließ man sich fallen und entrückte in diesem kosmischen Klangkörper wie in einem Kokon der Realität. Wo Raum war, breitete sich diese Musik aus.

Soli und Zusammenspiel sind aus Meisterhänden gesponnen. Die Formation wird begeistert beobachtet und beklatscht vom glücklichen Publikum. Tarkan Yesil, man kann es dem ehemaligen Stiftländer nicht verdenken, will gar im Kunsthaus sein bisher schönstes Konzert bestritten haben. Großen Applaus und eine Zugabe für einen großen Abend.

Das Publikum klatscht respektvoll, aber durchwegs kräftig, Applaus für die Darbietungen auf der Bühne.
Harrycane Orchestra in Aktion ist auch ein Augenschmaus der Superlative.
Szenen wie aus einem Kunstgemälde.
Glücklich für alle Beteiligten, Bandmitglieder wie Publikum, geht der extravagante Jazz-Abend zu Ende.
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