Geht Melanie Burger auf Pirsch, hat sie als Werkzeug nur ihre kleine Kamera dabei. Die 21-jährige Konnersreutherin ist leidenschaftliche Fotografin. An und für sich ist das nichts Außergewöhnliches. Dennoch ist sie, die ihre Fotos erstmals im Kunsthaus zeigt, keine gewöhnliche Fotografin. Was in akribischer „Kleinarbeit“ und einer ungewöhnlichen Geduld entsteht, sind Kunstwerke der Fototechnik. Sie setzt sich von den Hobby- und Handyfotografen dadurch ab, dass ihre gestochen scharfen Aufnahmen nicht mehr bearbeitet. Die Konnersreutherin ist nur eine von mehreren jungen Leuten, die erstmals im Kunsthaus Waldsassen (KuWa) ausstellen. Sehr zur Freude der „alten Hasen“, die sich mit der Jugend deutlich verjüngen. Denn Melanie hat sich auch gern bereit erklärt, Vereinsmitglied zu werden. Frischer Wind weht damit in der aktuellen Ausstellung, in der 45 Künstler 82 Werke präsentieren. Das Erdgeschoss ist besetzt von den Bildungseinrichtungen (Grundschule Waldsassen Kooperationspartner, Mädchenrealschule Waldsassen, Kinderhort Waldsassen), die als Partner vom „KuWa“ Schützenhilfe bekommen: Einmal im Jahr ist Ikonenmaler Tom Brankovic aus Schönkirch in den Schulen, um die Kinder in den schönen Künsten zu unterrichten.
Autodidakt ist auch Karl Heinrich. 19 Jahre jung, malt er seit seiner Kindheit Landschaften, Bäume, Traumwelten ohne jede Vorlage in Öl und Acryl. Die erfahrenen Künstler sind angenehm darüber überrascht, was sich in den letzten Jahren im Stiftland entwickelt hat. Nach kurzer Zeit seit der Gründung ist das Kunsthaus dort angekommen, wo es sich hin bewegen wollte: Die Künstlergilde deckt Generationen in den Altersklassen von 10 bis 89 Jahren ab. Das ist nicht selbstverständlich in Zeiten des demografischen Wandels, wo die kreative Jugend oft in die Ballungszentren abwandert.
Da steht das Kunstwerk von Hans-Georg Schulze (89), ein Turbokarpfen in Bronze, neben den ersten Malversuchen eines jungen Wiesauers. Mit den Dicks aus Mitterteich ist eine komplette Künstlerfamilie an der Ausstellung beteiligt. Die Söhne Levi und Moses Dick treten individuell und selbstbewusst in die Fußstapfen der Künstler-Eltern Inge und Carsten Dick.
Aus dem Begriff „Nachwuchskünstler“ längst herausgetreten ist Dominik Franke, ein junger Mann, der mit Öl auf Leinwand und Bleistift glänzt. Der frische Wind ist es, der über den gereiften Künstlern aus langjähriger Erfahrung weht und der diese Gemeinschaftsausstellung zu einem Hingucker macht. Junge Kunst ergänzt sich wunderbar mit Werken der Meister. Zu sehen gibt es Skulpturen und Objekte, Malereien in Öl, Acryl, Bleistift oder Aquarell. Sehenswert sind auch die Holzarbeiten von KuWa-Vorsitzenden Wolfgang Horn oder die Metallarbeiten von Regina Zrenner. „Junge“ Kreativität kommt aber auch von alten Meistern: Ikonenmaler Brankovic präsentiert moderne Malerei und erstmals eine Skulptur.
Service
- Ausstellung: Gemeinschaftsausstellung des Kunsthauses Waldsassen. Bis 4. August
- Ort: Kunsthaus Waldsassen, Kunstgasse 1, 95652 Waldsassen
- Öffnungszeiten: samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr. Am Sonntag, 7. Juli (Bürgerfest), kann die Ausstellung ab 13 Uhr besucht werden
- Sonderführungen ab 8 Personen sind auch unter der Woche möglich. Terminvereinbarungen über Ulla Britta Baumer, (Telefon 01 71 / 994 96 67).




















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