09.03.2020 - 18:05 Uhr
WaldsassenDeutschland & Welt

"Nick & June" im Kunsthaus Waldsassen: Wo Musik wie Honig zerfließt

Mit der Band "Nick & June" aus Nürnberg bot das Kunsthaus Waldsassen einen von bisher vielen außergerwöhnlichen Musikabenden. "Nick & June" wurde gefeiert, bei vollem Haus.

Einige Songs sangen Nick und June unplugged.
von Ulla Britta BaumerProfil

Eineinhalb Jahre hat die Band "Nick & June" pausiert. Nach nahezu 500 Konzerten diente die Auszeit neuen Songs und einer neuen Selbstfindung für den weiteren Karriereweg. Sozusagen zu einer Weltpremiere sind die Nürnberger am Samstag nach Waldsassen ins Kunsthaus gekommen, um alte Songs mit neu komponierten Liedern zu vermischen - für einen wunderschönen Musikabend, getränkt mit der melancholischen Musik, die besonders dunklen Nächten gut zu Gesicht steht.

Vor vollem Haus begrüßt Kunsthaus-Vorsitzender Wolfgang Horn die Musiker. Die kleine Bühne ist vollgestopft mit Instrumenten: Mitgebracht haben die Multitalente drei Gitarren, Bass, Ukulele, Glockenspiel, Synthesizer, ein vormittelalterliches Keyboard, Pecussion, Melodica und ein seltenes Baritonhorn, und auch ein Schlagzeug - versteht sich. Alles kommt zum Einsatz für einen Abend, an dem Indie-Pop zu einem Kunstwerk wird.

June ist eine feinfühlige Sängerin, die ihr Stimme auf eine Weise einsetzt, die gleichermaßen berührt wie Aufmerksamkeit erregt.

Musik, die in der Seele schmerzt

"Nick & June", das Duo, das Paul am Schlagzeug begleitet und dem Yoshi als langjähriges Bandmitglied angehört, hat eigenwillige Indie-Popmelodien entwickelt, die berühren und manchmal in der Seele wehtun. Dabei arbeiten Nick & June mit Sphären wie aus dem Weltall, was auch volle Aufmerksamkeit und musikalischen Einsatz der Technik fordert.

Zwei bisher veröffentlichte Alben, 500 Konzertauftritte, zehn Millionen Streams, Musik für Langstreckenflüge und ein Song als Filmmusik sprechen für sich. Die zartfühligen Lieder der Nürnberger knacken die Charts, schmücken jetzt das Kulturradio um Mitternacht genauso wie das TV-Abendprogramm, laufen im Kino und auf Überseeflügen in der Airline. Das Publikum bekam sperrige Titel wie "Home is where the Heart hurts Part 1" oder "London City, Boy, it's killing me" aus den ersten beiden Alben vorgesetzt - und sie waren gut.

Neues wollte Nick nicht vorher ankündigen. "Sonst merkt ihr sofort, was noch nicht gut läuft. Wir verändern die Songs teilweise noch. Sie sind nicht fertig." Nick gefällt es, sich hier im Kunsthaus ausprobieren zu dürfen mit seiner Band - für neue Wege. Er fühlt sich wohl in Waldsassen und mancher technische oder musikalische Schnitzer wird gern verziehen.

Die Band "Nick & June" fesselte am Samstagabend mit neuen Songs und Liedern aus den beiden bisherigen Alben

Schöngeistige Unnahbarkeit

Mit "November Boy" beginnt der Abend, steigert sich in der zweiten Hälfte nach der Pause musikalisch zu aufregenden Einblicken in die Gedankenwelt jener Musiker, die sich die Regeln der Musik zu eigen machen, um Eigenwilliges daraus zu formen. Nick & June sind auch fürs Auge ein Kunstwerk. June, die bildhübsche Sängerin und Bassgitarristin, hat dieses feine Auftreten; nicht nur eine schöngeistige Unnahbarkeit, die nicht jedem Star auf der Bühne gegeben ist, fasziniert an ihr. Nur wenigen Sängerinnen ist diese Stimmqualität gegeben. Nick ist der lässige Boy, der mit wenigen Worten durchs Programm führt, seine Texte ins Mikrofon haucht und dabei wie nebenbei Frauenherzen erobert. Titel wie "Rain in June", "You are the Voice" oder "Little Things" beschreiben das Leben, die Liebe, eben all das, was es wert ist, in Musik gefasst zu werden.

Die Arrangements lassen in ihrer Eigenwilligkeit aufhorchen. Mitunter ist es düster-schön, dann wieder reicht die Melodie bis in kosmische Sphären. Musik zerfließt wie Honig. Von filigran bis poetisch beschreibt die Fachpresse diesen Indie-Pop, der feinfühliger nicht sein könnte. Mit "Annie Hall" aus dem Album 2017 und "After Hours" geht der Abend zu Ende. Die Fans lassen sich die Alben von Nick und June signieren und freuen sich auf das dritte Werk.

Nick und June setzen ihre Stimmen eigenwillig ein, was den Indie-Pop z ueinem neuen Erlebnis macht.
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