14.11.2019 - 17:54 Uhr
WaldsassenDeutschland & Welt

Verbunden mit dem Universum

Der renommierte Grafiker Jiri Jun aus Chodau ist ein Philosoph, der seine Ansichten über Gott und die Welt mit der Feder zeichnet. Er möchte die Kunst wie einen Schatz davor bewahren, nur als Zierde für die Wand degradiert zu werden.

Künstler im Dialog: Der tschechische KünstlerJiri Jun (re.), der Meister der Federzeichnungen, erklärt dem Ikonenmaler Tom Brankovic aus Schönkirch seine aufwendige wie komplizierte Technik.
von Ulla Britta BaumerProfil

Sich in die Kunst hinein bewegen und beim Blick auf geometrische Figuren die Schönheit begreifen: Dieses Erlebnis erfahren derzeit die Besucher, die das Kunsthaus in Waldsassen besuchen. Der tschechische Künstler Jiri Jun aus der Partnerstadt Chodov/Chodau zeigt auf drei Ebenen aufwendige Federzeichnungen, die einerseits an Werke alter Meister erinnern. Andererseits lassen sie den Blick in die Seele eines alten Meisters zu, der niemals nur einen einzigen Pinselstrich einzig um des Striches Willen auf eine Leinwand gesetzt hat.

Der 77-Jährige, der mit der Feder mehrere tausend Mal Strich um Strich auf der Leinwand setzt, ist auch ein Meister der Geduld und ein Perfektionist.

Rein oberflächlich betrachtet ist es Geometrie, was dem Betrachter auf Juns Werken entgegenblickt. Doch die sehr tief reichende Aussagekraft liegt hinter dem technischen Blickwinkel. Diese Geometrie trägt Namen wie „Korsett der Madam Toyen“, „Am Anfang“, „Versöhnungskreuze“ oder „Verschiebung“.

So dürfen Juns Werke auch verstanden werden. Eine unglaubliche Konzentration steckt dahinter, verbunden mit dem unglaubliche Drang, Kunst als Botschaft zu versenden. Jiri Jun fühlt sich bei der Arbeit mit dem Universum verbunden, möchte das Gute vom Bösen klar abtreten. Erklärungen gibt es zur Wahl der Motive keine. Die kurzen Namen der Werke und die Darstellungen stets in unterschiedlichen Grautönen lassen Raum genug für Interpretationen.

Stets steckt der Wunsch des Künstlers nach dem ehrliche Dialog mit dem Betrachter. Bequem war Jiri Jun nie. Der Meister, geboren im tschechischen Svetla, wollte als junger Mann Kunst studieren, was ihm aber aus politischen Gründen verweigert wurde. Deshalb wählte der gelernte Porzellanmaler eine Ausbildung in einer Kunstgewerbeschule zum Werbegrafiker. In Jahrzehnten verfeinerte er seine Arbeiten bis zur Perfektion. Juns Werke verlangen dem Besucher räumlichen wie geistigen Abstand ab. Wer sich darauf einlässt, erfährt den Kreis auf der Leinwand als Kugel oder die dunklen Schatten als dreidimensionalen Kelch. Um sich seiner Kunst nähern zu können, erfordert es den räumlichen Schritt, der einen geistigen Schritt zurück weckt. Verwunderung und Ehrfurcht für das Erlebnis Kunst gehen damit einher. Jiri Jun nennt solche Betrachtungsweisen, von ihm bewusst hervorgerufen, den Trialog zwischen Kunst, Betrachter und Künstler. Erst wenn sich alle drei Komponenten verstehen würden, habe die Kunst alles erreicht, sagt Jiri Jun.

Hintergründe

Jun, der seine Arbeiten in über 30 Einzel- und 60 Gemeinschaftsausstellungen gezeigt hat, ist international unterwegs: Ausstellungen in Tschechien, Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Ungarn, Norwegen, Polen, Österreich, Rumänien, Slowenien, in der Slowakai und in den USA. Jährlich fertig er etwa zwölf Federzeichnungen. Dafür benötigt er pro Bild 300 Federn und drei Kartuschen Tusche. Jiri Jun bekam für sein künstlerisches Schaffen zahlreiche Auszeichnungen und Preise, unter anderem den "Best Quality Award Pilsen".

Die Ausstellung kann bis 8. Dezember im Kunsthaus Waldsassen jeweils Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden.

Künstler Jiri Jun ist in Tschechien sehr bekannt für seine außergewöhnliche Ausdrucksweise. Fürs Kunsthaus bedeutet seine Ausstellung einw eiteres Glanzlicht in der Reihe der Best-Off-Präsentationen.
Verblüfft und mit Ehrfurcht vor diesen Arbeiten betrachten die Künstlerkolegen aus Waldsassen im Kunsthaus die Werke von Jiri Jun.
Federzeichnung "Korsett für Madame Toyen".
Federzeichnung "Knoten".
Federzeichnung "Verschiebung".
Federzeichnung "Am Anfang".
Auf allen drei Ebenen des Kunsthauses Waldsassen können die Werke von Jiri Jun besichtigt werden. Die sehenswerte und Ausstellung sollte nicht versäumt werden.
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