Der Berliner „Almost Charlie“-Sänger Dirk Homuth bekommt seine Texte aus einer Fernbeziehung, die seit 2003 hält. Sein amerikanischer Kollege, der Lyriker Charlie Mason, gibt die Lyrics an Dirk weiter, der sie vertont. Wer sich damit anfreundet, will mehr. Der 51-jährige Sänger bricht mit seiner wunderbar-groovigen Stimme die Herzen seiner Zuhörer im Kunsthaus. Steht er auf der Bühne, darf man sich hineinträumen in Songs, deren zarte Texte im Ton wie im Wort Sogwirkung entfachen.
Singender Poet
Manche hören in „Almost Charlie“ die Beatles heraus. Das mag richtig sein. Aber wer „Almost Charlie“ erstmals wahrnimmt, mag davon irritiert sein. „Almost Charlie“ ist anders. In dieser Musik voller Emotionen steckt der Eigensinn einer Musikrichtung, die erst erfunden werden muss. Dirk Homuth hat in Waldsassen Drummer Steffen Schlosser und Bassist Sven O. Mühlbradt dabei. Beide sind begleitend unentbehrlich. Wobei der singende Poet auch allein kann. Dirk Homuth singt Lieder aus dem Album „A Different Kind Of Here“ . Mansons Lyrik erzählt vom „Shadow Boy“ und davon, dass sich das Glück mitunter versteckt hält in den kleinen Dingen.
Freies Spiel der Klänge
„Typewriter“ hat einen ungewöhnlichen Text – aus der Sicht einer Schreibmaschine. „Was ist das für ein Gefühl, sich von Dingen trennen zu müssen, die man nicht mehr braucht?“ Dirk Homuth beantwortet diese Frage mit einem neuen Song. Noch sind der frische Text und die frische Musik nicht getrocknet. Wird’s gelingen? Das Publikum macht Mut. Für musikalische Experimente ist das Kunsthaus wie geschaffen. Keiner der Zuhörer erwartet hier Perfektes. Es ist die gute Kleinkunst-Musik, das Flair, das familiäre, das dem Kunsthaus die Gäste ins Haus spült.
Drei Songs weiter hat „Almost Charlie“ hat das Warming-Up hinter sich, der Abend wird immer besser. Diese transatlantische Co-Produktion fängt seine Zuhörer mit der Extravaganz für das freie Spiel der Klänge ein. Eigenwillig ist die Musik des Berliners und des Texters aus Amerika. „Gold“ wird als Best-Of der Band gehandelt. Aus dem Album singt Dirk „I’ll still be missing you“, „2 black eyes“ und mehr. Bravo-Rufe werden laut bei „Go a little easy“, Dirks Solo. Das sei neu und nicht „easy“ für ihn, schmunzelt der Sänger. Es wird zu seiner stärksten Nummer des Abends.
All den „Supermännern“, sagt er später, habe man auch ein Lied geschrieben. Denn die ganze Welt sei voll von „Supermen“. Als sei es zu viel des Guten, entschuldigt sich Homuth beinahe für die tiefe Melancholie im Song mit der gescheiterten Liebe. Dem Publikm soll’s recht sein. Es hält diesen geballten Weltschmerz aus. Dirks einfühlsame Stimme lässt in „Empty heart“ dieses warme Bauchgefühl zurück, das Melancholie manchmal auszulösen vermag. Der Abend neigt sich dem Ende zu: „Wollt ihr eine melancholische oder eine stimmungsvolle Zugabe?“ Beides, ruft das Publikum den drei Musikern zu und es bekommt beides.
















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