„Fremdvertraut“. Dieses Wort muss für "Coconami" erfunden worden sein. Die beiden Japaner, die in München leben, machen Musik, die irgendwie jeder kennt, aber dann doch wieder nicht. Im Kunsthaus Waldsassen stellen Miyaji und Nami am Samstag ihr neue CD "Saikai" vor. Eine Oberpfalz-Premiere, die in keine Schublade weltweit passt. Nami hat eine zauberhafte Stimme, heißt es. Das stimmt nicht. Nami hat eine Ausnahmestimme. Zauberhaft ist zu wenig, die zierliche Japanerin mit den wachen Augen verzaubert.
Ein regelrechter „Instrumentenfuhrpark“ liegt auf einem Stehtisch, am Boden, hinter und vor den Musikern. Instrumente, die sonst nur selten auf Konzerten zum Einsatz kommen:: Melodika, Maultrommel, Kazoo, Fingerklavier, Kindersaxofon aus Plastik. Die Zigarrenbox-Gitarre nimmt Miyaji - neben der Ukulele - am liebsten zur Hand. Er spielt ihr zu, überlässt ihr das Feld.Unschönes von dieser Welt wegsingen, das wollen "Coconami". Bissig ist der Humor, der bestens ankommt beim Publikum und das sich äußerst überrascht zeigt. Nami singt auf Deutsch, Englisch, Japanisch. „Waghalsig, schwerelos und ein wenig windschief“ hat die Presse über "Coconami" geschrieben. Treffer!
Manchmal schwebt die Musik wie ein zarter Schleier. Dann beschreibt Nami den deutschen und japanischen Perfektionismus. Das Kind, seine Leistungen, das Geld, das Haus ist abgezahlt: „Kein Grund für Sorgen“. Aber oh Gott: In der Zeitung steht "Aale können Herpes kriegen." Nami lässt die Botschaft offen, jeder fasst sich an die eigene Nase. Man mag die Augen nicht von diesem Paar lassen, so wunderlich-fremd ist dieser Auftritt. „Liesel Karlstadt hat Chinesich gesungen. Ich singe auf Japanisch“, sagt Nami. „Zipi zap“, „wischi wasch“, kakadu kadadu“. Die Zuschauer lachen sehr amüsiert, aber leise. Laut passt hier irgendwie nicht zu diesen zarten Künstlern.
Nami und Miyaji machen aus der Musik ein Kunstwerk. Songs von den Ramones, Johnny Cash (auf deutsch) oder Adriano Celentano werden zerlegt und fein wieder zusammengesetzt. Zum Duo gesellt sich vereinzelt auch Ken: "Ich bin Schuster aus Berlin und hab mit Musik nichts am Hut." Er ergänzt den „Chor“, spielt Saxofon und singt vom "Sonnenbrand".
In ihren Lieder geht es um Senioren, die Liebe, Beziehungskrisen und Alltagsprobleme: skurrile Geschichten, ebenso skurril interpertiert. "Coconami" sind ein musikalisches Gesamtkunstwerk, das man eigentlich nicht beschreiben kann, sondern live erleben muss. Kein Lied, keine Bewegung gleicht der anderen. Bis zur letzten Sekunde bleibt die Spannung. Vier Zugaben sind drin, das Publikum holt Nami, Miyaji und Ken unter großem Applaus wieder und wieder zurück auf die Bühne. Die neue CD "Saika" geht nach dem Auftritt gut weg - "Coconami" muss man sich einfach ins Haus holen.
















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