An Weber führt kein Weg vorbei

Der EVP-Vorsitzende im Europäischen Parlament greift nach den EU-Sternen. Mit Manfred Weber bewirbt sich ein noch junger, aber erfahrener CSU-Politiker für die Nachfolge von Jean-Claude Juncker.

Rainer Meier, Vizepräsident der EUCDA, zusammen mit dem frisch gekürten Spitzenkandidaten der EVP, Manfred Weber.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Die Geheimratsecken sind etwas ausgeprägter geworden, und so manch graues Haar schimmert allmählich durch. Doch mit 46 Jahren ist Manfred Weber ein noch immer junger, aber erfahrener Mann in europäischen Angelegenheiten. Seit 2014 ist der CSU-Politiker Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volksparteien (EVP) im Brüsseler EU-Parlament. Beobachter bescheinigen ihm, die Reihen geschlossen zu halten. Selbst Abgeordnete aus eher schwierigen Staaten wie Ungarn habe Weber in die gesetzgeberischen Aufgaben eingebunden.

Der Lohn: Weber wurde am Donnerstag zum Spitzenkandidaten der Europäischen Volksparteien gewählt. Nach den Europawahlen im Mai 2019 könnte er sogar EU-Kommissionspräsident werden. Der Christsoziale, der auch dem Vorstand seiner Partei angehört, ist keiner, der polarisiert. Ein besserwisserisches "Mia san mia"-Gehabe, wie es Parteispitzen in Bayern und zuletzt im Bund pflegten, scheint nicht sein Stil.

Landjugend spricht Englisch

Weber spricht über seine Arbeit wie einer, der für seine Themen brennt; der sich trotz schwieriger Umstände seine Ideale bewahrt hat. Der einstige Vorsitzende der CSU-Zukunftskommission weiß um die Probleme im EU-Konstrukt. Doch lässt er gerne einfließen, dass auch Konrad Adenauer und Charles de Gaulle mit der Idee einer europäischen Union etwas gewagt hätten, was damals mit Sicherheit nicht die Mehrheit der Bevölkerung gut gefunden habe. In einem Bewerbungsvideo für die Wahl in Helsinki berichtet er auf Englisch, wie er einst bei der katholischen Landjugend zum ersten Mal erlebt habe, was es bedeutet, für eine Idee einzustehen.

Der aus Niederhatzkofen in Niederbayern stammende Weber weist auf den ersten Blick die klassische CSU-Karriere auf. Aus seiner Zeit in der katholischen Landjugend und als Trompeter im kirchlichen Bläserkreis hat er nach eigenen Worten viel fürs Leben gelernt. Dass so einer früh zur führenden bayerischen Partei stößt, ist in diesen Gefilden fast selbstverständlich. Von 2003 bis 2007 war er Landesvorsitzender der Jungen Union Bayern; dem Bayerischen Landtag gehörte er von 2002 bis 2004 an.

Doch dann entschied sich Weber bewusst für einen anderen Weg. Mit 32 Jahren wurde er EU-Abgeordneter - ganz nach dem von Franz Josef Strauß geprägten Satz: "Bayern ist unsere Heimat, Deutschland unser Vaterland, Europa unsere Zukunft." Bereits 2006 war er innenpolitischer Sprecher der Fraktion der Europäischen Volksparteien (EVP-ED) und Mitglied des Fraktionsvorstands, den er endgültig ab 2014 übernahm.

So viel Freude ihm die Arbeit für Europa auch macht, so sehr bekundet er auch seine Heimatverbundenheit, inklusive katholischer Identität. Das Bewerbungsvideo zeigt ihn in seiner Heimatkirche in Wildenberg. Unter dem Stichwort Glaube heißt es auf seiner Website: "Der wöchentliche Gottesdienstbesuch ist für mich keine Pflicht, sondern eine Bereicherung." Zudem gehört er dem Landeskomitee der Katholiken in Bayern und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) an. Den Vorsitz für den Freundeskreis der Benediktinerabtei Rohr hat Weber ebenfalls inne. "Für jemanden, der als Christ Politik macht, ist diese Orientierung fundamental", bekräftigt er.

Zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird dem Diplom-Ingenieur für Physikalische Technik ein guter Draht nachgesagt. Weber ist einer, der Brücken bauen will. Der Name Manfred kommt übrigens aus dem Alemannischen und bedeutet soviel wie "Mann des Friedens". Kein ganz schlechter Ansatz für Europa.

EVP-Spitzenmann Manfred Weber und der Oberpfälzer JU-Bezirkschef Christian Doleschal.

Stolze Oberpfälzer

"Jeder hat heute gespürt", kommentiert Rainer Meier den klaren Sieg von Manfred Weber, "die Zustimmung der Regierungschefs ist so enorm, da führt kein Weg an ihn vorbei." Der frühere CSU-Abgeordnete aus Altmugl (Landkreis Tirschenreuth) reiste als Vizepräsident der EUCDA, der europäischen Dachorganisation der Arbeitnehmer-Union, stimmberechtigt nach Helsinki.

Nicht stimmberechtigt, sondern im Kreis einer 25-köpfigen JU-Truppe, die Manfred Weber unterstützte, ist Christian Doleschal in die finnische Hauptstadt geflogen: "Das war schon ein Gänsehautgefühl", beschreibt der Spitzenkandidat der Oberpfälzer CSU für die Europawahl Webers Triumph, der als erster Bayer Chancen hat, Europas mächtigster Politiker zu werden. Der JU-Bezirksvorsitzende aus Brand zeigt sich vom Auftritt Webers beeindruckt: "Er war heute extrem stark." Auch wenn er Favorit gewesen sei, bei einem Ergebnis von fast 80 Prozent sei er jetzt auch gesetzt für den Posten des Kommissionspräsidenten. "Ein historischer Tag", freut sich Doleschal. Nach Walter Hallstein (CDU), der 1958 auf einer Außenministerkonferenz in Paris zum Präsidenten der ersten Kommission der EWG gewählt worden war, ist er erst der zweite Deutsche, der an der Spitze einer gewandelten EU stehen könnte.

"Eine blendende Rede", attestiert auch Meier. "Er will die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene verbessern, fordert ein einheitliches Sicherheitskonzept, eine gemeinsame Verteidigung, ein Europa, das weltoffen ist aber auch stark gegenüber den USA und China - nur zusammen können wir uns wirtschaftlich behaupten", fasst er zusammen. Genauso fasziniert habe Meier der Auftritt von Kanzlerin Angela Merkel: "Alle haben sich erhoben und Beifall geklatscht", schildert Meier die standing ovations für die scheidende CDU-Vorsitzende. "Wahrscheinlich ein Symbol dafür, was diese Frau für Europa geleistet hat, und ein Signal an Deutschland, dass sie noch Kanzlerin bleiben soll." Meier leitet aus dieser Zustimmung für die deutschen Vertreter ab: "Es ist auch ein Appell an Deutschland als stärkste Wirtschaftsmacht Europas, den Führungsauftrag wahrzunehmen."

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