50 Jahre Mondlandung: Weidens größter Raumfahrt-Fan erinnert sich

Hat die Mondlandung vor 50 Jahren das Leben der Menschheit verändert? Das von Stefan Schmitt sicher. Der Weidener ist nicht nur Sammler, sondern lebendes Raumfahrt-Lexikon. Und er kann herrlich erzählen.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Kein kleiner Schritt - für Stefan Schmitt war die Mondlandung ein großer Sprung. Am 20. Juli 1969 betrat zum ersten Mal ein Mensch den Erdtrabanten. Er löste beim damals 17-jährigen Schmitt eine Leidenschaft aus, die in den 50 Jahren nicht abkühlte. Bis zum Rente war der Weidener als Redakteur bei den Oberpfalz-Medien beschäftigt, seine Freizeit gehört der Raumfahrt.

Es gibt wenig, was Schmitt zum Thema nicht weiß. Als Mitglied im Verein "Deutsche Raumfahrtausstellung" brachte er sich ein bei der Planung das Raumfahrer-Museums im sächsischen Morgenröthe-Rautenkranz, dem Heimatort von Sigmund Jähn. Den ersten Deutschen im All kennt Schmitt persönlich, wie die zehn anderen deutschen und viele internationale Raumfahrer. Schmitt besitzt rund 15 Gegenständen, die im All um die Erde gekreist sind. Und er kann wunderbar über seine Passion erzählen. Zu jedem Sammelstücke gibt es eine Geschichte, zu jeder Mission eine Anekdoten, die so nicht in den Büchern stehen.

Die Schöpfungsgeschichte

Ihren Anfang nahm diese Euphorie mit der Mondlande-Mission Apollo 11, strenggenommen geht sie gut ein halbes Jahr weiter zurück. Weihnachten 1968 steuerte Apollo 8 erstmals den Mond an. Zur Vorbereitung aufs große Ziel sollte das Schiff sich in die Mondumlaufbahn begeben. Das gelang an Heiligabend. "Unser Fernsehgerät stand im Esszimmer, die Bescherung war im Wohnzimmer", erzählt Schmitt. Immer mehr habe sich sein Interesse weg von den Geschenken hin zur Übertragung verschoben.

"Meine 88-jährige Großmutter und ihre Schwester haben mit uns gefeiert", erinnert er sich. Schweigend saß er neben den Frauen und starrte auf verschwommene schwarz-weiß Bilder von der Mondoberfläche, die das Schiff zur Erde sandte, während die Astronauten den Beginn der Schöpfungsgeschichte vorlasen. "Aus heutiger Sicht war das unspektakulär." Für die Damen war es unverstellbar.

Genau wie für den 16-Jährigen Stefan. "Die vier Jahre davor war ich im Internat. Vom Tagesgeschehen haben wir dort nichts mitbekommen." Entsprechend heftig ergriff ihn das Raumfahrtfieber. "Danach ging es ja Schlag auf Schlag." Anfang März testete Apollo 9 in der Erdumlaufbahn Manöver für die Mondlandung, Mitte Mai wiederholte Apollo 10 die Prozedur in der Mondumlaufbahn. Die Welt fieberte Apollo 11 entgegen. Das ging so weit, dass ein Oberpfälzer Schützenverein ein Bild der drei Mondfahrer auf die Medaillen der Vereinsmeisterschaft prägen ließ. Natürlich besitzt Schmitt ein Exemplar dieses Ausdrucks kollektiver Raumfahrtbegeisterung.

Bedingt erfolgreich

Die Mondlandung selbst erwies sich allerdings nur bedingt als Erfolg - jedenfalls für Stefan Schmitt. Nach dem Aufsetzen um 21.16 Uhr deutscher Zeit sollten Neil Armstrong und Buzz Aldrin einige Stunden ruhen. "Deshalb bin ich auch ins Bett gegangen." Die Astronauten funkten dagegen zur Erde, dass sie ohnehin nicht schlafen könnten. Während sich der 17-Jährige also exakt an den Ablaufplan hielt, zogen die Astronauten ihren Mondspaziergang vor, ohne den Fan in der Oberpfalz zu informieren. So verpasste Schmitt Armstrongs kleinen Schritt und den großen Sprung für die Menschheit um 3,56 Uhr deutscher Zeit.

Es sollten anderthalb Jahre dauern bis er endlich eine komplette Mondlandung samt Spaziergang miterleben konnte. Bei Apollo 12 im November 1969 war die Kamera defekt, es gab keine Bilder. Apollo 13 musste wegen einer Explosion an Bord abgebrochen werden. Der Vorfall und das Zitat "Houston, wir haben ein Problem" sind heute Filmgeschichte. Zu diesem Zeitpunkt war die deutsche Raumfahrtbegeisterung längst abgeebbt, Schmitt war zu einem einsamen Fan geworden.

Wegen der Übertragung von Apollo 13 gab es beim Sender Protestanrufe, weil die geplante Sendung 'Verschollen im Weltall' ausfiel. "Beinahe hätte der Titel auch zu Apollo 13 gepasst", sagt Schmitt. Die Mission Apollo 14 im Januar 1971 fiel dann in die Unterrichtszeit. "Ich bin zum Schulleiter gegangen und habe nur gesagt: 'Ich muss das sehen'." Schmitt muss überzeugend gewesen sein, denn der Pädagoge ließ ihn in der Lehrerwohnung der damaligen Handelsschule in Weiden vor das TV-Gerät.

Zweifelhaftes Abo

Es war einer der letzten Höhepunkt vor einer Durststrecke. Nach Apollo 17 im Dezember 1972 stellte die Nasa das Mond-Programm ein. Es folgte das Skylab, ein Vorläufer der ISS-Raumstation. 1975 gab es die Kopplung eines amerikanischen Apollo-Schiffs mit einer sowjetische Sojus. Mitten im kalten Krieg eine Sensation. Danach war es bis Anfang der 1980er vorbei mit der amerikanischen Raumfahrt. Ohnehin sei es schwer gewesen an Informationen zu gelangen. "Erste Quelle war die Tageszeitung", sagt Schmitt. Weil ihm das nicht genug war, schrieb er Briefe an die US-Botschaft. Um hin und wieder ein Bild vom sowjetischen Programm zu erhalten, abonnierte er das Magazin "Sowjetunion heute", ein Propagandablatt, das die Westdeutschen vom Kommunismus überzeugen sollte. "Da war ich schon Geheimnisträger bei der Bundeswehr", erinnert sich ein schmunzelnder Schmitt. Das Abo lief dann auch über den Namen seiner damaligen Frau.

Dank des Internets falle es heute wesentlich leichter, sich zu informieren. Seit der Grenzöffnung habe sich sein Fokus ohnehin etwa auf die russische Raumfahrt verschoben. Bei Treffen in Morgenröthe-Rautenkranz kann sich Schmitt nicht nur regelmäßig mit Raumfahrern austauschen, er trifft Gleichgesinnte. "Ich habe lange geglaubt, dass meine Begeisterung einmalig ist." Bei den Treffen stelle er nun fest, dass er im Vergleich zu anderen fast schon zurückhaltend ist.

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