Müsste man die bekannteste und beliebteste Operette von Johann Strauss (Sohn) nennen, dann würde es wohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben zwischen "Die Fledermaus" und "Der Zigeunerbaron". Es ist also ein echter Klassiker, den die Johann-Strauss-Operette-Wien am Donnerstag beim Gastspiel in der Oberpfalz serviert. Die Besucher werden handlungsmäßig mitgenommen auf eine Reise in die Geschichte: Das Geschehen spielt 1741 in der Gegend um Temesvár, als 25 Jahre nach der Schlacht bei Belgrad Sándor Barinkay in die Heimat seines damals verstoßenen Vaters zurückkehrt.
Die elterlichen Güter sind besetzt vom reichen Schweinezüchter Kálmán Zsupán und Sándor verliebt sich zunächst in dessen Tochter Arsena, die ihn wegen seines verlorenen Titels verspottet. Dann trifft er auf die wunderschöne Saffi, die er ungeachtet ihrer Zigeunerherkunft heiratet und sich damit noch mehr Spott der "feinen Gesellschaft" einhandelt.
Streit ums Geld
Als Barinkay den Schatz findet, wegen dessen Unterschlagung sein Vater ins Exil musste, entbrennt ein großer Streit um das Geld, in dem schließlich ans Licht kommt, dass Saffi die Tochter des damals geflohenen türkischen Paschas ist und zu ihrem eigenen Schutz bei den Zigeunern als Pflegetochter aufwuchs. Barinkay zieht in den Krieg, um seine Ehre wiederherzustellen und Saffi würdig zu sein. Nach seiner Rückkehr wird er zum Baron geadelt, erhält seine Güter zurück und findet nun endlich sein Glück mit Saffi.
In der Operette bilden sich mehrere Pärchen heraus: Da sind zum einen Sándor und Saffi, zum anderen Arsena und deren Verehrer Ottokar. Nun kann man den männlichen Darstellern Kenichiro Takashima als Sándor und Marco Ascani als Ottokar wirklich nicht vorwerfen, dass sie keine guten und wohlklingenden Stimmen hätten. Es ist allerdings schwer, sich gegenüber den weiblichen Pendants Irena Krstestka (Saffi) und Anita Tauber (Arsena) zu behaupten. Sie sind es, die herausragen mit wunderbar voluminösen Stimmen, die auch bei den anspruchsvollen Passagen nicht schwanken.
Mit Temperament, Leidenschaft und Schauspielkunst gelingt beiden eine eindrucksvolle Darstellung ihrer Partien. Ein besonderes Kompliment hat Giorgio Valenta verdient, der den Schweinezüchter Zsupán mit viel Verve, Selbstverliebtheit und auch Tollpatschigkeit darstellt - und auch gesanglich durchwegs überzeugt. Martin Ganthaler gibt einen unterhaltsamen und ziemlich versnobten königlichen Kommissär Conte Carnero, während Dieter Kschwendt-Michel als Graf Homonay gesanglich etwas blass bleibt. Insgesamt weiß das Ensemble allerdings zu überzeugen und begeistert das Publikum.
Durchzogen ist die Operette mit bekannten und ins Ohr gehenden Melodien wie "Ja, das Schreiben und das Lesen", "Wer uns getraut", "So elend und so treu", "Schatzwalzer" und dem "Einzugsmarsch". Dirigentin Petra Giacalone hat ihr Orchester sehr gut im Griff, den Instrumentalisten gelingt die Mischung der facettenreichen "Zigeunermusik" mit den klar wienerisch angehauchte Polka- und Walzerklänge. Regisseurin Andrea Schwarz hat bei ihrer Arbeit weitgehend auf Experimente verzichtet, sondern sich für eine "traditionelle" Inszenierung mit historischen Gewändern entschieden, ganz wie es das Publikum offensichtlich mag.
Rosa Schweinchenkostüm
Ein witziges Gimmick ist die Verkleidung der Ballettdamen in ein rosa Schweinchenkostüm, als Zsupán zu seiner ersten Arie ansetzt. Es ist allerdings nicht alles perfekt: Bei einigen Darstellern hapert es schon deutlich an der Verständlichkeit, wenn sie in der aus ihrer Sicht Fremdsprache Deutsch zu singen beginnen. Schade eigentlich, denn die Magie der Musik bleibt dadurch ein Stückweit auf der Strecke. Und dass der Oberhusar mit einem aufgemalten (!) Bärtchen auf der Bühne erscheint ist ebenso fragwürdig wie die mit knallig-bunten Glitzersteinen besetzte Schatzkiste, die entdeckt wird.
Einen ausgezeichneten Eindruck hinterlässt das Ballettensemble zur Choreographie von Harald Baluch. Das Bühnenbild ist unaufdringlich gehalten, deckt aber die Orte des Geschehens gut ab. Zum Schluss gibt es den kräftigen Beifall des Publikums für das Ensemble - und als Zugabe den "Radetzkymarsch" für die Besucher.













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