Auftakt Max-Reger-Tage: Nuancierte Striche schaffen Großes

Anders und kleiner als gewohnt, aber nicht weniger hochklassig: Das gilt für die Max-Reger-Tage im Corona-Jahr. Die Eröffnung in der Kirche St. Josef mit Tanja Tetzlaff und Florian Donderer ist bereits das erste musikalische Glanzlicht.

In der Weidener Josefskirche eröffneten Tanja Tetzlaff und Florian Donderer am Donnerstagabend das diesjährige "Max-Reger-Wochenende".
von Holger Stiegler (STG)Profil

Die Weidener Kulturamts-Leiterin Petra Vorsatz macht bei der Begrüßung am Donnerstagabend keinen Hehl aus ihrer Freude – darüber, dass die Max-Reger-Tage trotz Corona zumindest in abgespeckter Variante als „Max-Reger-Wochenende“ stattfinden und darüber, dass das Konzert in dem Gotteshaus gut besucht ist. Das Ehepaar Tanja Tetzlaff (Violoncello) und Florian Donderer (Violine) präsentiert sich 70 Minuten lang als würdige Interpreten des Auftaktkonzerts, ihr Können beweisen sie sowohl als Duo wie auch als Solisten.

Eine besondere "Ohrenweide" ist das Max-Reger-Stück des Programms – nämlich die Suite für Violoncello solo, op. 131c/2 in d-Moll. Verfasst gegen Ende seines Lebens, ist doch die ganz eigene Handschrift Regers unverkennbar genauso wie der ihm ureigene emotionale Ausdruck. Will man die innere Seele eines Instruments entdecken – nun, der 1. Satz der Suite bietet dafür reichlich Möglichkeiten. Spieltechnisch hält das gesamte Werk sicherlich die ein oder andere Barriere sowie manche Verästelung bereit, die aber allesamt von einer Könnerin wie Tanja Tetzlaff galant gemeistert werden. Ihr nuancierter Strich schafft Großes, das den Zuhörer dazu stimuliert, Regers Werk – so weit es noch nicht geschehen ist – sich zu erarbeiten.

An Virtuosität ebenbürtig ist Florian Donderer, der als Solist die bekannte Chaconne aus Johann Sebastian Bachs Partita II in d-Moll (BWV 1004) interpretiert. Wer meint, dass sich das Thema dieses Satzes immer wieder auf die ein oder andere Weise wiederholt, der hat Recht. Nachdem Bach die Partita kurz nach dem Tod der Ehefrau komponiert hatte, wird in der Wissenschaft viel über Tod und Auferstehung hineininterpretiert. Ohne Zweifel macht Donderer allerdings klar, dass die rund 15-minütige Chaconne zur herausragenden Streicherliteratur gehört. Durch seine Art der Darbietung – übrigens auch mit ganzem „Körpereinsatz“ – bestätigt sich die Einschätzung des „Bachianer“ Johannes Brahms: „Die Chaconne ist mir eines der wunderbarsten, unbegreiflichsten Musikstücke!“

Die überzeugenden Solostücke machen im Zusammenspiel mit den anderen Programmteilen des Abends deutlich, dass die aparte Kammermusikbesetzung Violine/Violoncello bei Tanja Tetzlaff und Florian Donderer in den allerbesten Händen liegt. Ein gleichberechtigter Höhepunkt im Programm ist das Duo für Violine und Violoncello von Erwin Schulhoff, einem großen Komponisten der Moderne, dessen Leben in einem Nazi-Lager sein Ende fand. Schon die Eröffnung des 1. Satzes fesselt vom ersten Ton an und leitet zu einer Reise durch vielfältige Ausdrucksregionen der Musik ein. Die Kongenialität hat zwei Bezugspunkte – zum einen den Komponisten, der in allen vier Sätzen – darunter im 2. Satz ein fulminantes Zigeunertanzlied (Zingaresca) - die klangfarblichen und spieltechnischen Ressourcen der beiden Instrumente ausgeschöpft, zum anderen die beiden Musiker, die aus dem Werk ein Ereignis machen und das vielfältige Auf und Ab zu einem harmonischen Ganzen subsummieren.

So anspruchsvoll das Programm ist, so weit entfernt sind Tetzlaff und Donderer, sich von den Schwierigkeiten der Stücke überwältigen zu lassen. Stattdessen spielen sie lebendig mit Feuer und mit Enthusiasmus, der ansteckt. Und bei allem Temperament vermögen sie aber auch die leisen Töne glänzend zu vermitteln – was auch für den tschechischen Komponisten Bohuslav Martinu und sein Duo für Violine und Violoncello gilt. Zum Schluss gibt es kräftigen Applaus für die beiden Künstler.

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