Augustinus-Gymnasium macht Gottesdienst zum "Wahlfach"

Für zig Schülergenerationen war es am Schuljahresende eine wichtige Frage: Wie schwänze ich den Abschlussgottesdienst. Am Augustinus-Gymnasium ist es damit künftig vorbei.

Am Augustinus-Gymnasium sind Schulanfangs- und -schlussgottesdienst kein Bestandteil des Unterrichts mehr
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die Schüler des Augustinus-Gymnasiums haben am letzten Schultag erstmals auch ganz offiziell die Wahl: Den Schulgottesdienst besuchen oder es bleiben lassen. In einem Elternbrief informiert die Schule, dass der Gottesdienst in der Josefskirche nicht mehr Teil des Unterrichts ist.

Schulschluss ist am Freitag, 26. Juli, nach der Zeugnisvergabe um 9.15 Uhr. Im Anschluss gibt es eine ökumenische Feier in St. Josef auf freiwilliger Basis. Wer will, kann teilnehmen und selbst hingehen. Ganz ähnlich gestaltet sich der Start ins neue Schuljahr: Am zweiten Schultag, 11. September, beginnt der Unterricht erst um 8.45 Uhr. Um 8 Uhr ist in St. Michael der Anfangsgottesdienst angesetzt. Nur die Fünftklässler gehen mit ihren Lehrkräften gemeinsam von der Schule zur Kirche. Alle andere können selbstständig zum Gottesdienst gehen oder sich - laut Infoschreiben - ebenfalls um 8 Uhr am Sekretariat einfinden. Dann begleitet sie ein Lehrer zur Michaelskirche.

Schulleiter Ulrich Winter glaubt nicht, dass diese Veränderung größere Proteste nach sich ziehen wird. Die Anpassung sei mit Lehrer-, Schüler- und Elternvertretern im Schulforum abgesprochen. Auch die Leiter des Fachbereichs Religion waren eingebunden. Diese kümmern sich um die ökumenischen Feiern und hätten der Änderung zugestimmt. Dass dadurch nun wohl deutlich weniger Schüler zur Kirche gehen, erwartet auch Winter. "Aber die Schüler sind dann freiwillig dort und werden entsprechend mitfeiern." Bisher mussten Aufsichten für Ruhe sorgen.

Mit der neuen Regel setze die Schule eine Praxis um, die anderswo üblich sei. Laut Gesetz ist die Schule angehalten, Schüler und Lehrer in der Ausübung ihrer Religion zu unterstützen und den Besuch eines Schulgottesdiensts zu ermöglichen. Anderseits sei Religion Privatsache, niemand sollte gezwungen werden. "Mit der bisherigen Regel hat sich die Schule in einem Graubereich bewegt." Die Schultradition habe dies gerechtfertigt. Nun liege eine klare Regel vor, mit der alle leben können, sagt Winter, der selbst katholisch ist und an den Feiern teilnehmen will.

Ausdrücklich habe die Neuregelung nichts mit Rücksicht auf nicht-christliche Schüler zu tun. 75 Prozent der AGW-Gymnasiasten seien katholisch, 15 evangelisch, gut 5 ohne Bekenntnis. Der Rest der Schülerschaft setzt sich aus Muslimen und orthodoxen Christen zusammen.

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