Weiden in der Oberpfalz
17.10.2018 - 13:38 Uhr

Beklemmendes Spiel zwischen Sein und Schein

Berliner Kriminaltheater gelingt großartige Adaption von Sebastian Fitzeks „Die Therapie“

Mit dem Psychothriller "Die Therapie" nach dem Bestseller von Sebastian Fitzek eröffnete das Berliner Kriminaltheater am Dienstagabend die aktuelle Theatersaison der Kulturbühne Weiden Bild: stg
Mit dem Psychothriller "Die Therapie" nach dem Bestseller von Sebastian Fitzek eröffnete das Berliner Kriminaltheater am Dienstagabend die aktuelle Theatersaison der Kulturbühne Weiden

Was ist Fiktion und was ist Realität? Werden die Protagonisten immer irrer oder klarer im Kopf? Wer ist eigentlich Therapeut und wer Patient? Der Psychothriller „Die Therapie“ nach dem Bestseller von Sebastian Fitzek zum Auftakt der aktuellen „Kulturbühne“-Saison in der Max-Reger-Halle Weiden ist keine leichte Kost. Es ist ein Theaterstück, das zum Mitdenken einlädt, das falsche Fährten legt, immer wieder neue Wendungen offenbart. Das kleine Ensemble vom Berliner Kriminaltheater sorgt für einen grandiosen Theaterabend, der auf jeden Fall mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.

Josy, die 12-jährige Tochter des bekannten Psychiaters Viktor Larenz, verschwindet unter mysteriösen Umständen spurlos. Es gibt keine Zeugen, auch eine Leiche wird nie gefunden. Jahre später wird Viktor von der „Bunten“ um ein Interview gebeten. Er zieht sich auf eine einsame Insel – etwas Klischee muss sein - zurück, in der Hoffnung, dort endlich wieder zu sich finden und sich der Geschichte endgültig stellen zu können. Unerwartet bekommt er Besuch von der Jugendbuchautorin Anna Spiegel, die unter Wahnvorstellungen leidet und ihn bittet, sie zu therapieren. Sie behauptet, Visionen von einem Mädchen zu haben, das spurlos verschwunden sei. In ihren Berichten erkennt Larenz deutliche Parallelen zu Josy. Haben ihre Halluzinationen etwas mit dem Verschwinden des Mädchens zu tun? Nach erstem Zögern beginnt Larenz die Therapie mit Anna – und das Ergebnis für die Zuschauer ist verblüffend und verstörend zugleich.

Die Inszenierung von Wolfgang Rumpf hat kammerspielartigen Charakter, getragen wird es von den beiden Hauptdarstellern Thomas Gumpert als Larenz sowie Esther Esche in der Rolle der Anna Spiegel. Die Bühne ist nur spärlich ausgestattet, ein kleiner Tisch, zwei Plexiglas-Stühle, ein Stehpult mit einem Laptop als Verbindung nur Außenwelt. Im Hintergrund hängen schmale weiße Vorhänge, die parallel zum verzwickten und verschlungenen Inhalt auf der Bühne auch für einen optischen Labyrinth-Charakter sorgen. Mit verschiedenen multimedialen Kniffen – eine Videoeinspielung zu Beginn und kurz vor Ende des Stückes, Telefonate von Larenz mit dem befreundeten Privatdetektiv Kai in Berlin und immer wieder die Klänge von „Somewhere over the rainbow“, die die Anwesenheit von Josy suggerieren – wird eine ganz besonders beklemmende Atmosphäre geschaffen. Vielleicht für manchen Zuschauer etwas gewöhnungsbedürftig, aber richtig gut umgesetzt.

Ein solches Stück kann natürlich nur funktionieren, wenn die Protagonisten gut miteinander können. Dies ist über den gesamten Abend spürbar, Gumpert und Esche geben ein glänzend aufspielendes Paar ab, das auch die inneren Kämpfe der Hauptpersonen authentisch auf die Bühne bringt. Thomas Linke als Inselbewohner Patrick Halberstaedt ergänzt das überzeugende Ensemble.

Was ist echt? Was scheint nur echt zu sein? Was ist Fantasie? Wer therapiert wen? Die Hauptpersonen unternehmen eine Achterbahnfahrt in ihr Inneres. Dem Zuschauer dämmert es mit der Zeit: Hier stimmt etwas nicht. Was hat Larenz zu verbergen? Die Auflösung der rätselhaften Geschichte überrascht und die Nachrichtensprecherin aus dem Off setzt dem noch eines drauf. Viel Applaus für ein Stück, dessen Ende für manche Zuschauer beim Verlassen der Halle zusätzlichen Diskussionsstoff liefert. Ein spannender Theaterabend der besten Sorte.

Mit dem Psychothriller "Die Therapie" nach dem Bestseller von Sebastian Fitzek eröffnete das Berliner Kriminaltheater am Dienstagabend die aktuelle Theatersaison der Kulturbühne Weiden Bild: stg
Mit dem Psychothriller "Die Therapie" nach dem Bestseller von Sebastian Fitzek eröffnete das Berliner Kriminaltheater am Dienstagabend die aktuelle Theatersaison der Kulturbühne Weiden
Mit dem Psychothriller "Die Therapie" nach dem Bestseller von Sebastian Fitzek eröffnete das Berliner Kriminaltheater am Dienstagabend die aktuelle Theatersaison der Kulturbühne Weiden Bild: stg
Mit dem Psychothriller "Die Therapie" nach dem Bestseller von Sebastian Fitzek eröffnete das Berliner Kriminaltheater am Dienstagabend die aktuelle Theatersaison der Kulturbühne Weiden
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Mit dem Psychothriller "Die Therapie" nach dem Bestseller von Sebastian Fitzek eröffnete das Berliner Kriminaltheater am Dienstagabend die aktuelle Theatersaison der Kulturbühne Weiden
 
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