Lachen, das im Halse stecken bleibt - dafür ist Timur Vermes mittlerweile Spezialist. Nach der Wiederauferstehung Hitlers in "Er ist wieder da" liegt mittlerweile sein neuer Roman vor: "Die Hungrigen und die Satten". Diese erneut bitterbös geratene Satire stellte er auf den 33. Weidener Literaturtagen bei einer Lesung in der Buchhandlung Stangl & Taubald vor. Vermes strahlt eine enorme Dynamik aus, wenn er da vorne auf dem Podest sitzt und Auszüge aus seinem Werk nicht nur einfach so liest, sondern auch mit viel Gestik und Mimik untermalt. Dies verleiht dem Abend seine ganz besondere Wirkung.
Den Rahmen der Geschichte erläutert Vermes: Angesiedelt ist die Handlung des Buches in einer nahen Zukunft - etwa fünf Jahren. Inzwischen gibt es viele gesamteuropäische Maßnahmen, um Zuwanderung nach Deutschland und Europa zu verhindern. Es existiert eine "Obergrenze" und die EU bezahlt die nord- und mittelafrikanischen Staaten dafür, dass sie jeden aufhalten, der Richtung Europa will - "sogar in Libyen, auch wenn man gar nicht so genau weiß, wer gerade regiert". Die Migration gibt es zwar weiterhin, ist aber mittlerweile so kostspielig geworden, dass sie sich nur noch wenige Menschen leisten können. Alle anderen landen in riesigen, überfüllten Lagern und richten sich dort ein.
Für Starmoderatorin Nadeche Hackenbusch, besser bekannt als "Engel im Elend", genau die richtige Location, um dort mit ihrer Fernsehshow aufzuschlagen. Im Schlepptau: Das People-Society-Magazin "Evangeline" mit seiner herzerwärmend schreibenden Journalistin Astrid von Roell. Herrlich pointiert und mit allen Klischees gewaschen präsentiert Vermes den Artikel "Hoffnung für Afrika" der Magazin-Reporterin, in der sich Versatzstück an Versatzstück reiht - ganz große Satire.
Kann hier im Publikum noch gelacht und geschmunzelt werden, könnte der Schritt zum nächsten Kapitel nicht krasser sein: "Mojo der Blaue" wird vorgestellt. Jener übernimmt die Organisation, wenn sich 150 000 Menschen - medial begleitet - in Richtung Europa aufmachen. Alles muss effektiv sein, auch die Versorgung mit Trinkwasser und Essen - alle 15 Kilometer. Mojo hat viele Handlanger. Wer nicht spurt und Loyalität missen lässt, dem wird eine schmerzliche Lektion erteilt. Oder er wird gleich exekutiert. "Gehört zum modernen Management", stellt Mojo dann fest.
Ebenfalls angelesen werden Szenen zwischen dem Bundesinnenminister und seinem Staatssekretär, in dem es um die richtige Reaktion auf den Migranten-Marsch geht. Dass es sich hierbei um einen Vorschlag handelt, der es in sich hat, macht Vermes am Ende der Veranstaltung auf die Frage eines Zuschauers hin in persönlichen Anmerkungen deutlich. Demnach werde sich die Thematik Migration und Flüchtlinge sicherlich nicht von selbst reparieren.
"Wir können uns in Deutschland nicht um die Frage herumdrücken", so der Autor. Man müsse sich auch von der Vorstellung lösen, "dass in Deutschland alle weiß sind und Müller heißen". Bildung, Ausbildung und Integration seien möglich, wenn man - zugegebenermaßen - viele Milliarden in die Hand nehme und nicht auf die "Heulsusen" der AfD höre.













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