Corona-Impfung: Leser fragen, Experten antworten

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Wie arbeiten Impfstoffe? Wie oft muss geimpft werden? Welche Nebenwirkungen treten auf? Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben Fragen zur Corona-Schutzimpfung am Leser-Telefon von Oberpfalz-Medien beantwortet.

Impfung gegen das Coronavirus.
von Externer BeitragProfil

Das Interesse an wissenschaftlichen Fakten und persönlicher Beratung zur Corona-Schutzimpfung war groß am vergangenen Donnerstag beim Lesertelefon von Oberpfalz-Medien und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Ein Überblick über die Fragen der Leser und die Antworten des Expertenteams:

Ich bin 86 Jahre alt, hatte im Dezember Corona, aber nur mit leichten Symptomen. Soll ich mich trotzdem impfen lassen?

Aufgrund der anzunehmenden Immunität nach der durchgemachten Infektion und zur Vermeidung überschießender Nebenwirkungen sollte erst etwa sechs Monate nach der Genesung geimpft werden. Eine Rolle spielt auch, dass gegenwärtig nur begrenzt Impfstoff zur Verfügung steht.

Sollte man sich vor der Impfung testen lassen, ob man vielleicht gerade Corona hat oder schon hatte?

Nein, es ist nicht notwendig, vor der Corona-Schutzimpfung eine aktuelle Infektion ohne Symptome oder eine unbemerkt durchgemachte Infektion auszuschließen. Nach den bisher vorliegenden Daten gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Impfung in diesen Fällen eine Gefährdung darstellt.

Lassen sich die Impfstoffe an die Mutation anpassen, falls sie nicht mehr so gut wirken?

Ja, sowohl die neuen Impfstoffe mit Boten-RNA als auch die Vektor-Impfstoffe können schnell an Mutationen angepasst werden. Der Einfluss der aufgetretenen Virusvarianten auf den Impfschutz wird ständig in wissenschaftlichen Studien untersucht. Wissen sollte man auch: Wenn ein Virus mutiert, heißt dies nicht automatisch, dass das die Wirksamkeit des Impfstoffs beeinflusst. So bieten Impfstoffe gegen Viruserkrankungen beispielsweise gegen Masern oder Röteln auch noch Jahrzehnte nach ihrer Entwicklung einen wirksamen und langanhaltenden Schutz vor den Erregern. Bei anderen Erkrankungen wie der Grippe hingegen ändern sich die Virus-Stämme oft und in einem solchen Ausmaß, dass die Zusammensetzung der Impfstoffe jährlich aktualisiert werden muss.

Die meisten Leute, die ich kenne, haben Covid-19 recht gut überstanden. Warum soll man sich wegen der paar Symptome impfen lassen?

Die Erkrankung Covid-19 kann sehr unterschiedlich verlaufen: ohne Krankheitsanzeichen, mit leichten Krankheitszeichen oder als schwere Infektionen mit Lungenentzündung und Beeinträchtigung weiterer Organe. Sie kann zum Lungen- und Multi-Organversagen bis zum Tod führen. Ein Teil der Covid-19-Patienten hat sich auch Wochen oder Monate nach Beginn der Erkrankung noch nicht wieder erholt und leidet weiterhin unter schweren Allgemeinsymptomen. Daten aus England deuten darauf hin, dass etwa 40 Prozent der Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, längerfristige Unterstützung benötigen. Bei etwa zehn Prozent der mild Erkrankten dauerten die Symptome länger als vier Wochen.

In welchem Abstand müssen die einzelnen Impfstoffe geimpft werden?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt für die Boten-RNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna einen Abstand von drei beziehungsweise vier bis sechs Wochen und für den Vektor-basierten Impfstoff von AstraZeneca einen Abstand von neun bis zwölf Wochen.

Kann bei der zweiten Impfung ein andere Impfstoff genutzt werden?

Nein, eine begonnene Impfserie muss mit demselben Impfstoff abgeschlossen werden.

Wegen Darmkrebs muss ich mich demnächst einer Chemotherapie unterziehen. Könnte ich davor geimpft werden, obwohl ich erst 76 bin?

Es ist Aufgabe der Verantwortlichen in den Bundesländern, Einzelfälle, die nicht ausdrücklich im Stufenplan der Stiko genannt sind, dort angemessen einzuordnen. Dies betrifft auch Menschen, die zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr oder nicht mehr gleich wirksam geimpft werden können, wie zum Beispiel bei unmittelbar bevorstehender Chemotherapie. Sprechen Sie über die Situation mit ihrem behandelnden Arzt.

Kam es bei den Prüfungen der Impfstoffe bei den Probanden zu Gesichtslähmungen?

Bei der Erprobung der Impfstoffe der Hersteller BioNtech und Pfizer sowie Moderna haben vereinzelt Teilnehmer von vorübergehenden Lähmungserscheinungen im Gesicht berichtet. Ob das im ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung steht, wird jeweils weiter untersucht.

Ich habe gehört, dass mit dem Impfstoff Corona-Viren in den Körper geschleust werden. Ist das so?

Nein, die neuen Impfstoffe enthalten lediglich Teile der Erbinformation des Virus. Ein Entstehen von kompletten, vermehrungsfähigen Viren ist ausgeschlossen. Die neu gebildeten, ungefährlichen Virus-Schnipselchen (Virus-Proteine) aktivieren aber das Immunsystem. Falls eine geimpfte Person später in Kontakt mit dem Coronavirus kommt, erkennt das Immunsystem den Krankheitserreger und bekämpft ihn.

Ich bin Blutspender. Aber jetzt habe ich Sorge, dass ich mich mit Corona infiziert habe, ohne davon etwas zu merken. Sollte ich lieber nicht spenden, um andere Menschen nicht zu gefährden?

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Coronaviren durch Blut übertragbar sind. Um eine Versorgung mit einer ausreichenden Menge an Blutkonserven auch während der Pandemie zu ermöglichen, weist das Paul-Ehrlich-Institut ausdrücklich darauf hin, dass spendewillige Personen, die mindestens in den letzten zwei Wochen keinen Kontakt zu Corona-Infizierten hatten und keine erkältungs- oder grippeähnlichen Symptome aufweisen, weiterhin Blut spenden sollen.

Wo kann ich mich melden, wenn ich nach der Impfung Probleme bekomme?

Sollten Sie eine Nebenwirkung vermuten, können Sie dies sowohl Ihrem Arzt als auch dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) oder Ihrem örtlichen Gesundheitsamt melden. Die Meldung beim PEI kann entweder über die "SafeVac"-App oder online auf www.nebenwirkungen.bund.de erfolgen.

Sind die Impfzentren darauf vorbereitet, dass es zu schweren allergischen Reaktionen auf die Impfung kommen kann?

Ja, die Impfzentren verfügen über eine Notfallausstattung zur Behandlung schwerer, mitunter lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen. Beim Aufklärungsgespräch vor der Impfung werden Allergien erfragt. Sind Allergien gegenüber Inhaltsstoffen des Impfstoffs bekannt, wird nicht geimpft. Kam es in der Vergangenheit zu allergischen Reaktionen nach einer Impfung, wird die Nachbeobachtungszeit auf 30 Minuten verlängert. Bei anderen, weniger starken Allergien, zum Beispiel auf Nahrungsmittel oder Insektengifte, kann in der Regel geimpft werden. Auf jeden Fall sollte jegliche Art von Allergie im Aufklärungsgespräch angegeben werden.

Infos zur Coronalage in der nördlichen Oberpfalz im Newsblog

Oberpfalz

Infos zur weltweiten Coronalage im Newsblog

Deutschland und die Welt
Info:

Informationen über Impfung

  • Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu Virus und Schutzimpfung auf www.infektions schutz.de/coronavirus/
  • Weitere Hinweise auf www. corona-schutzimpfung.de
  • Bundesweite Servicenummer: 116117
  • Beratungstelefon der BZgA unter der kostenlosen Rufnummer 0800/2322783 montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr

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