Corona und die taumelnde Wirtschaft: Gewaltige Fehler im System

Die deutsche Wirtschaftsgeschichte nach dem 2. Weltkrieg ist eine einzige Erfolgsgeschichte. Da kann doch innerhalb von drei Wochen nicht alles zusammenbrechen, meint unser Redakteur Josef Maier.

Jede Menge Geschäfstaufgaben in der Coronakrise werden nicht ausbleiben.
von Josef Maier Kontakt Profil
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Dieses System ist gut, in Teilen sogar sehr gut. Die soziale Marktwirtschaft hat über Jahrzehnte sehr vielen in diesem Land Wohlstand gebracht. Deutschland hat - Meckerer gibt es immer - eine Infrastruktur, die weltweit vielen Vergleichen standhält. Uns geht's doch gut.

Seit mehr als 70 Jahren wird in diesem Land geackert und geschuftet. Mehr als 840 Monate, mehr als 3600 Wochen. Und da schaffen wir es nicht einmal, in der Coronakrise einige Wochen stillzuhalten, um Leben zu retten?

Was ist schiefgelaufen in diesem System? Noch Mitte März überschlugen sich die Nachrichten mit Sensationsmeldungen. Einstellige Zuwachsraten in Unternehmen? Pah! Zwei- und dreistellige! Man glaubte, viele Firmen konnten wegen des dicken Geldbeutels hinten in der Hose kaum noch laufen. Steuertöpfe quollen über und über. Das ist drei Wochen her.

Es war alles ein Trugschluss: Große Teile der Wirtschaft sind anscheinend auf Kante genäht. Das Von-der-Hand-in-den-Mund-Leben gewinnt in diesen Tagen eine ganz neue Bedeutung. Fast 500 000 Anträge auf Kurzarbeit sind es mittlerweile. Paradox ist dabei, dass gerade der verhasste Staat, der immer so vieles blockiert, jetzt alles retten soll.

Was ist schiefgelaufen in einem System, in dem Großkonzerne drohen, sie zahlen keine Miete mehr, und ankündigen, ohne Kredite könnten sie ohnehin nicht überleben? Das sind Giganten, die machen keine Millionengewinne, die machen Milliardengewinne.

Was ist schiefgelaufen in einem System, in dem so mancher aus dem medizinischen Pflegepersonal, der uns - salopp gesagt - derzeit den Hintern rettet, abends vorm Supermarkt genau in die Geldbörse guckt und schaut, was er sich leisten kann? Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, heißt es immer. Ist es vielleicht nicht doch eine in Teilen zementierte Machtgesellschaft. Modern ist das alles nicht.

Jetzt ist sicher nicht die Zeit, Systemfehlern genau auf die Spur zu gehen. Jetzt geht es darum, vor allem auch jenen das Leben zu sichern, die dieses Land aufgebaut haben. Nach der Krise ist aber eine der wichtigsten Fragen: Was ist in den letzten 70 Jahren schiefgelaufen? Eine solche Fehlentwicklung können wir uns künftig nicht mehr erlauben.

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