Was ist eigentlich die Metropolregion Nürnberg?

Metropolregion. Gehört haben das viele Oberpfälzer schon mal. Oder gelesen. Aber was steckt eigentlich dahinter? Unser Interview mit Geschäftsführerin Christa Standecker über ein nur scheinbar abstraktes Gebilde.

Dr. Christa Standecker, Geschäftsführerin der Europäischen Metropolregion Nürnberg
von Siegfried BühnerProfil

Zu ihrem 13. Wissenschaftstag lädt die Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMR) am 19. Juli nach Weiden in die Max-Reger-Halle, 600 Teilnehmer werden erwartet. Der Tag rückt die Metropolregion ins Bewusstsein der Menschen in der nördlichen Oberpfalz. Die wissen zwar, dass sie irgendwie dazu gehören, aber können oft keine Antwort auf die Frage geben, was die Metropolregion genau ist. Über die Rolle der EMR in der nördlichen Oberpfalz sprach unsere Redaktion mit Metropolregion- Geschäftsführerin Christa Standecker

ONETZ: Der Wissenschaftstag soll die Metropolregion sichtbarer machen, denn viele Nordoberpfälzer scheinen bisher wenig davon zu wissen. Wie kann man die Metropolregion auch nach der Veranstaltung ins Bewusstsein rücken?

Christa Standecker: Sie haben sicher nicht unrecht. Das Wissen über die Metropolregion ist in der Bevölkerung nicht sehr verbreitet. Allerdings haben sich seit der Gründung 2005 Netzwerke ausgebildet, an denen die Oberpfälzer bestens informiert mitarbeiten und Nutzen daraus ziehen. Das gilt zum Beispiel für "Original regional aus der Metropolregion". Dort geht es darum, Regionalprodukte durch gemeinsames Marketing und Großauftritte zu bewerben. Fünf Oberpfälzer Initiativen mit rund 250 Anbietern von Regionalprodukten sind dabei.

ONETZ: Gibt es weitere Beispiele?

Christa Standecker: Nehmen Sie das "Medical Valley Center Weiden" an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Weiden. Das "Medical Valley Metropolregion Nürnberg" ist der deutsche Spitzencluster für Medizintechnik. Er hat sicherlich seinen Schwerpunkt in Erlangen, breitet sich aber seit seiner Anerkennung 2007 in die Region aus. Oder nehmen Sie das Netzwerk der Bildungsmanager. Wir können durch eine Förderung des Bundesforschungsprogramms sieben Experten zur Verfügung stellen, die die Kommunen beim Aufbau eines regionalen Bildungsmanagements beraten. Weiden und Neustadt/WN sind im Netzwerk aus 25 Kommunen dabei.

ONETZ: Wie lassen sich diese positiven
Effekte der Metropolregion noch besser bekanntmachen?

Christa Standecker: Das ist eine vielschichtige Frage. Wichtig ist eine regelmäßige Berichterstattung über die Metropolregion, was oft daran scheitert, dass die Redaktionen unserer Regionalzeitungen an ihrem klassischen Verbreitungsgebiet ausgerichtet sind. Sie sind schlicht nicht darauf eingerichtet, über den Gesamtraum zu berichten. In meiner Nürnberger Heimatzeitung kann ich aber in den letzten Jahren beobachten, wie sich Jahr um Jahr der Radius der Freizeit- und Wochenendtipps vergrößerte - bis tief in die Oberpfalz.

ONETZ: Könnte es sein, dass die Oberpfälzer etwas Berührungsängste mit dem Namen haben?

Christa Standecker: Metropolregion Nürnberg ist kein emotionaler Begriff, der Heimatgefühle erzeugen möchte, und die Fürther, Erlanger, Schwabacher tun sich da sicher nicht leichter als die Oberpfälzer. Es ist eine Marke, die unsere Region im überregionalen und internationalen Wettbewerb sichtbar macht und positioniert.

ONETZ: Welche Verbindungen gibt es zwischen Nürnberg und der Oberpfalz?

Christa Standecker: Für die nördliche und mittlere Oberpfalz ist Nürnberg ohne Zweifel historisch immer besonders wichtig gewesen. Wenn man an die Zeit der Industrialisierung denkt und den Zustrom aus der Oberpfalz bis in die Wirtschaftswunderzeit mit Bussen von Grundig, Quelle, Siemens und AEG, die tief in die Oberpfalz hinein Beschäftigte tagtäglich nach Nürnberg gebracht haben. Diese Menschen haben übrigens die Sprache der Nürnberger so stark verändert, dass der Nürnberger Dialekt sprachwissenschaftlich nicht mehr zu den fränkischen Dialekten zählt.

ONETZ: Wird in der Metropolregion den besonderen Themen der ländlichen Räume wie zum Beispiel ÖPNV oder Gesundheitsversorgung ausreichend Platz gegeben?

Christa Standecker: Bei allen Projekten und Veranstaltungen der Metropolregion Nürnberg legen wir großen Wert auf Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Landräte und Bürgermeister haben im Rat der Metropolregion die gleiche Stimmkraft wie Oberbürgermeister der großen Städte. Auch in der Öffentlichkeitsarbeit versuchen wir stets alle ins Spiel zu bringen. Was etwa die Bewerbung von Einzelveranstaltungen auf unseren Online-Kanälen betrifft, nehmen wir Veranstaltungen auf, die metropolregionsweite Strahlkraft haben.

ONETZ: Waren Veranstaltungen wie die Weidener Literaturtage oder die Konzerte der Internationalen Orchesterakademie auch auf der Internetseite der Metropolregion angekündigt?

Christa Standecker: Wegen der Fülle des kulturellen Reichtums in der Metropolregion, sind wir auf die Zulieferung der Inhalte von unseren Experten aus den Foren der Metropolregion angewiesen. Im Fall der Weidener Kulturtage wäre das dann z.B. das Forum Kultur, das uns auf diese Veranstaltung hinweist. Denn auch das ist ein Grundprinzip der Zusammenarbeit. Man muss und kann sich selber einbringen als Kommune, Unternehmen, Wissenschaftseinrichtung etc. Das ist eine große Gestaltungschance, die man aber auch wahrnehmen muss.

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