Einsteigen beim Nahverkehr

Der Personennahverkehr in der nördlichen Oberpfalz soll attraktiver werden. Was die Landräte fordern, hören die Busunternehmer der Region gern. Allerdings wünschen sie sich etwas andere Schwerpunkte.

Der Busbahnhof in Weiden ist ein Zentrum im Ton-Tarif
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die Busunternehmer der Oberpfalz begrüßen die Ankündigung der Landräte, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in der Region zu stärken. "Wir sind gerne bereit, uns bei der Weiterentwicklung einzubringen", sagen Wolfgang Wies und Alfred Meller als Sprecher der Tarifgemeinschaft Oberpfalz-Nord (Ton) bei Oberpfalz-Medien. 30 Busunternehmen haben sich bei Ton zusammengeschlossen, alle bedienen Buslinien auf den Straßen im Norden und der Mitte der Oberpfalz.

Allerdings sehen Wies und Meller zunächst andere Ansatzpunkte für eine Stärkung des ÖPNV als die Landräte: Für den Weidener Busunternehmer Wies muss ein solcher Versuch bei der grundsätzlichen Einstellung zum ÖPNV beginnen. Gerade wenn es um den Berufsverkehr geht, werde der Linienbus kaum als Alternative wahrgenommen. Dabei ließe sich hier der größte Effekt erzielen. "Manche Familien könnten sich das Zweitauto sparen", sagt Wies. Tatsächlich gebe es aber kaum Interesse. Wies verweist auf Unternehmen, die sich weigern, Arbeitszeiten um wenige Minuten an den ÖPNV anzupassen. "Diese Unternehmen zahlen lieber hunderte Euro im Jahr an Eltern, damit die ihre Kinder zur Arbeit fahren." Auch bei den Jobtickets gebe es keine Entwicklung. "Die Verkäufe stagnieren seit Jahren", sagt Wies. Versuche, die Taktung der Busse in der Region mit der Wirtschaft zu koordinieren, scheitern bisher am mangelnden Interesse.

Ton-Tarif

Wies sieht wie Meller hier mehr Handlungsbedarf als bei der Tarif-Vereinheitlichung, die die Landräte bei ihrem jüngsten Treffen in Schwarzenfeld ins Spiel gebracht hatten. Wies und Meller verweisen darauf, dass es einen solchen einheitlichen Tarif bereits gibt: Mit der Ton-Gründung im Jahr 2011 habe der Zusammenschluss auch einen Einheistarif vorgestellt. Der Tarif Oberpfalz-Nord ermögliche, dass ein Fahrgast schon heute beispielsweise in Tirschenreuth ein Ticket kaufen kann, das ihn bis Oberviechtach bringt - obwohl er auf dem Weg mehrfach Umsteigen muss, auch in Busse verschiedener Linienbetreiber. Hierfür haben die 30 Ton-Unternehmen die Oberpfalz zwischen Waldsassen und Burglengenfeld in 407 Waben eingeteilt. Der Preis einer Fahrt hängt davon ab, wie viele Waben durchfahren werden.

Meller betont, dass es auch bei diesem System Handlungsbedarf gibt. "Man kann hier sicher noch einiges verbessern." Der Leiter der Weidener RBO-Niederlassung nennt beispielsweise die Abstimmung des Tarifs mit den beiden großen Verkehrsverbunden aus Regensburg und Nürnberg. Auch Verhandlungen und Koordination mit den Anbietern im Schienenverkehr seien für den kleinen Tarifverbund schwer. Hier könnte die Vermittlung durch übergeordnete Stellen hilfreich sein. "Es ist stimmt aber nicht, dass man bei null beginnen müsste", betont Meller. Der Tarif Oberpfalz-Nord biete eine gute Grundlage.

Guter Zeitpunkt

Wies sagt weiter, dass ein einheitlicher Tarif alleine den Nahverkehr nicht stärkt. "Was hilft das, wenn die Fahrt trotzdem viel zu lange dauert." Aktuell "subventioniere" der Schulbusverkehr die öffentlichen Linien. "Ohne Schulkinder würde sich kaum eine Linie tragen", erklärt Wies, deshalb sei der Fahrplan auch an den Schulzeiten orientiert. Denn die meisten Oberpfälzer Linien werden von Privatunternehmen auf eigene Rechnung betrieben. Soll der Personennahverkehr ausgebaut werden, müsste sich dies wohl ändern. Es gehe dann um politische Entscheidungen, bei denen sich die Politik auch finanziell einbringen müsste.

Für Wies ist gerade der richtige Zeitpunkt für einen solchen Vorstoß. Schließlich ist "die Verkehrswende" ein großes Ziel der Bundes- und Landespolitik. Ministerpräsident Markus Söder habe mehrfach Initiativen angekündigt. In Großstädten wie Regensburg soll es ein Jahresticket für 365 Euro geben. Wie eine Förderung im ländlichen Raum aussehen kann, ist offen. Für Wies und Meller ist aber schon jetzt klar, wenn sich an der Einstellung zum ÖPNV nichts ändert, ist eine Verkehrswende in der Oberpfalz kaum umzusetzen.

Alfred Meller (links) und Wolfgang Wies
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