Erkenntnisse aus einer sonderbaren Welt

Mit einem urplötzlichen, kraftvollen wie spannungsgeladenen Bild beginnt ein Stück, dass doch eigentlich "Supergute Tage" heißen soll, gleichzeitig aber einen furiosen Auftakt zum Saison-Abschluss der Kulturbühne Weiden bildet.

Mit dem Stück „Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“ endete die Saison 2018/19 der Kulturbühne Weiden. Die Verantwortlichen bieten auch für die Saison 19/20 interessante Inszenierungen an.
von Autor HLLProfil

Ein durchdringender Schrei im Dunkeln. Plötzlich grelles Licht. Ein Hund, wie auf einer Opferbank aufgebahrt und durchbohrt von einer Mistgabel. Unausgesprochen sofort die Frage: Wer hat das getan? Ein weiteres Licht fällt auf das Geschehen, wenn man den vollständigen Titel betrachtet und darauf, in wessen Lebensumgebung sich das soeben ereignete abspielt: "Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone" ist die Bühnenadaption des Erfolgsromans von Mark Haddon, in der Theaterfassung von Simon Stephens.

Ein Hauptverdächtiger

Dieser Christopher Boone, ein 15-jähriger Junge, ist zunächst einmal Hauptverdächtiger im Mordfall um den Nachbarshund Wellington. Gleichzeitig ist er auch ein Außenseiter. Ein hochbegabter Teenager auf dem autistischen Spektrum, welcher in seiner sonderbaren Welt zwar sämtliche Hauptstädte und Primzahlen nennen kann, jedoch mit seiner Außenwelt nicht kommunizieren darf oder nur schwerlich möchte.

Doch eben dieses Hindernis muss der detektivische Christopher überkommen, will er den wahren Täter ausfindig machen. In der Inszenierung von Thomas Ladwig macht sich nun David Lau als störrischer, manchmal nur schwer erträglich rechthaberischer Jugendlicher daran, den Fall nicht ganz ungleich seines Vorbildes Sherlock Holmes zu lösen.

Hindernisse gibt es viele: hysterische wie neugierige Nachbarn, ein missbilligender Polizist oder etwa der aufbrausende alleinerziehende Vater (Jens Schnarre), der zwar wohlmeinend scheint, aber ebenfalls noch ein ganz anderes Geheimnis vor seinem Sohn verbirgt.

Und doch, aller Erschwernisse zum Trotz, einschließlich seiner persönlichen Barrieren, macht sich David Lau als Christopher unermüdlich auf, das Geflecht aus Lügen aufzulösen - mal schreiend, erschöpft, neunmalklug oder träumend. Auf seiner innerlichen Reise ist er dabei nicht immer allein: ob real oder vielleicht nur als Traumgespinst begleitet ihn Miriam Haltmeier fürsorgend als Lehrerin, Therapeutin oder gar fast allwissende Erzählerin und wirkt in Zeiten der Not mit beruhigender Stimme auf den stöhnenden, sich mitunter ausgeliefert fühlenden Teenager ein.

Abenteuerlicher Ausbruch

Das Geschehen gipfelt in Christophers abenteuerlichen Ausbruch und mühseliger Flucht nach London, dem Geheimnis um seine Mutter (Anke Fonferek) auf der Spur sowie einer wichtigen Erkenntnis: dass man alles schaffen kann, wenn man nur an sich glaubt.

Nach einem spannenden, superguten Abend bleibt nur noch eines offen: die nicht minder spannungsvolle Erwartung, was die kommende Spielzeit der Kulturbühne Weiden bringt.

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