Nach Feierabend Fortbildung zum Erzieher

Not macht erfinderisch. In diesem Fall ist es der Erziehermangel, der die Fachakademie für Sozialpädagogik zu einem in der Oberpfalz einmaligen Angebot treibt. Sie bietet die Möglichkeit, sich in Teilzeit zum Erzieher ausbilden zu lassen.

Neue Wege geht Karlheinz Binner, Leiter der Caritas- Fachakademie für Sozialpädagogik.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Die Teilzeitausbildung lässt es zu, in den Studienjahren im Beruf zu bleiben: Der Unterricht findet im Selbststudium, abends und samstags statt. Akademie-Leiter Karlheinz Binner im Interview.

ONETZ: Warum tun Sie das?

Karlheinz Binner: Zwei Gründe: Das eine ist der Erziehermangel, der sich in den nächsten Jahren noch verstärkt. Zum anderen wollen wir neue Zielgruppen erschließen, die an einer Vollzeitausbildung nicht teilnehmen können.

ONETZ: An wen richtet sich das Angebot?

Karlheinz Binner: Eigentlich sind es drei Zielgruppen: Die erste Gruppe, die schon in einem sozialpädagogischen Erstberuf ist und sich verändern möchte. Etwa Kinderpfleger oder Lehrer ohne Anstellung. Die zweite Gruppe sind Leute, die schon einen Beruf haben, aber umsatteln wollen und in dieser Zeit weiterarbeiten und ihren Verdienst nicht möchten. Die dritte Gruppe sind Wiedereinsteiger, die noch in der Familienphase mit Kindern gebunden sind.

ONETZ: Erklären Sie doch grob den Ablauf.

Karlheinz Binner: Insgesamt erstreckt sich die Ausbildung über vier Jahre. Das hört sich lang an, aber das erste Jahr ist ein Vorkurs, der komplett zuhause gelernt ist und von uns mit fünf Treffen begleitet wird. Ab dem zweiten Jahr ist Unterricht an der Schule dienstags und donnerstags am Abend und einmal im Monat am Samstag. In den Schulferien ist kein Unterricht. Nach drei Jahren wird die ganz normale Prüfung abgelegt. Das letzte Jahr ist dann das Berufspraktikum, aber da verdient man schon was.

ONETZ: Sie sind dann aber sehr darauf angewiesen, dass die Leute das daheim auch schaffen. Gibt es dazu Erfahrungswerte?

Karlheinz Binner: Das System gibt es bei einer Fachakademie in Rottenbuch. Da sind wir darauf gestoßen. Die machen das seit zehn Jahren ganz erfolgreich. Man muss ungefähr 20 Prozent rechnen, die nicht zu Ende machen, weil es zu anstrengend wird. Das ist was für Menschen, die sich gut organisieren können und von ihrer Ausbildung her im guten Bereich liegen.

ONETZ: Welche Perspektiven haben Absolventen?

Karlheinz Binner: Der Erzieherberuf ist sehr vielfältig: das geht von Krippen in den Bereich Jugendarbeit und Heilpädagogik. Und es ist von der Anstellungschance her krisensicher auf viele Jahre, weil wir so viele brauchen.

ONETZ: Am Wochenende fällt im Anzeigenteil auf, wie viele Kindergärten Mitarbeiter suchen. Der Erziehermangel ist angekommen?

Karlheinz Binner: Der ist da. Angefangen hat das mit dem Rechtsanspruch auf Krippenplätze. Jetzt ist zu erwarten, dass Rechtsanspruch zu Nachmittagsbetreuung an Grundschulen kommt. Der Bedarf ist groß. Man rechnet in Deutschland mit 300 000 zusätzlichen Erzieherinnen.

ONETZ: Viele sagen: Da verdienst ja nichts. Ist das wirklich so?

Karlheinz Binner: Das kann man mittlerweile nicht mehr sagen. Wer nach Tarif bezahlt wird, verdient im Augenblick 2800 Euro brutto. Das ist im Vergleich, gerade im ländlichen Bereich, nicht schlecht. Die Steigerung : Erzieherinnen, die eine Einrichtung leiten, kommen auf 5500 oder 5700 Euro. Vor zwei , drei Jahren gab es den großen Tarifkampf. Da ist viel rausgekommen. Bei Männern, die im Schichtdienst im Heimbereich arbeiten, kommen dazu noch Zulagen. Man ist im Erzieherberuf zudem ganz nah dran, dass die Vollzeitausbildung vergütet wird.

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