Vom feurigen Flamenco begeistert

„Carbonara“, „Deja Vu“ oder „Das Blech“: Diese Spliff-Hits sind zu Klassikern geworden. An der Gitarre spielte damals Potsch Potschka. Jetzt hat er mit "Gitarra Pura" ein neues Projekt - und kommt zu zwei Konzerten in die Oberpfalz.

„Gitarra Pura“ nennt sich das Projekt von Frank Müller-Brys (links) und Potsch Potschka. Der Ex-Spliff-Gitarrist kommt mit Flamenco-Musik für zwei Konzerte in die Oberpfalz.
von Autor MFGProfil

Potschka ist ein Urgestein der aufregenden Ära, als in heimischen Gefilden die sogenannte „Neue Deutsche Welle“, kurz NDW genannt, das Ding der Stunde war. Wenn auch nur für wenige Jahre in den 80ern. Nena, Trio, Markus oder Hubert Kah waren die nationalen Heroen der Stunde, um nur die Spitze des Erfolgs-Eisbergs zu nennen. Und dann gab es Spliff. Deren Gitarrist war Potschka zwischen 1980 – 1985.

Doch Potschkas Kreativ-Karriere hat noch einige Höhepunkte mehr zu bieten: In den 70ern Mitstreiter der Polit-Rockband Lokomotive Kreuzberg, im selben Jahrzehnt bei der Nina-Hagen-Band an Bord. Im Anschluss eben jene Spliff, die sich mit Hit-Singles wie „Carbonara“, „Deja Vu“ oder „Das Blech“ für immer ins Gedächtnis der einheimischen Musik-Kommune eingebrannt haben sollten.

Nach der Trennung von Spliff siedelte Potschka zunächst nach Spanien über, gründete dort die unterschiedlichsten Ethno-Bands, die von der Aufmerksamkeit her weitgehend jenseits der Öffentlichkeit stattfanden. Unter anderem Froon, Potschka/Perxon oder Vamos. 2001 schließlich das Klassische Gitarren-Duo „Gitarra Pura“, das bis heute existiert. Potschkas musikalischer Mitstreiter dort ist der in Sachsen geborene Komponist, Dirigent und Gitarrist Frank Müller-Brys. Die beiden so unterschiedlichen Charaktere – und längst Freunde – liefen sich erstmals 1996 über den Weg. Jetzt sind sie einmalmehr gemeinsam live zu bestaunen, spielen ein konzentriertes Potpourri aus lateinamerikanischen und jazzigen Klängen, das sich als Basis streng der Klassik verbunden fühlt. Jetzt kommt Potschka für zwei Konzerte in die Oberpfalz.

ONETZ: Woher kommt diese Vielschichtigkeit in Ihrem musikalischen Wirken?

Potsch Potschka: Das kann ich schwer beurteilen. Bei mir ging kreativ schon immer alles Hand in Hand. Nach dem Ende von Spliff musste ich mich musikalisch erst mal neu erfinden. Ich wollte so was wie „Welt-Musik“ machen, offen für alles sein. Das habe ich einfach mal getan.

ONETZ: Welchen Stellenwert hat Gitarra Pura bei ihren diversen Projekten?

Unbedingt einen hohen! Zwar habe ich gerade einige ziemlich heftige Rock-Projekte hinter mir. Doch Gitarra Pura stellt enorm hohe Ansprüche an mich. Vor allem an mich als Akustik-Gitarrist. Ich übe Tag für Tag zumindest zwei Stunden auf der Klampfe, um meinen eigenen hohen Qualifikationen gerecht zu werden. Und den Erwartungen meines grandiosen Kreativ-Partners Frank.

ONETZ: Was bedeutet die Gitarre für Sie?

Speziell meine sehr alte, sehr teure spanische Akustik-Gitarre ist eine wirklich enge Freundin von mir, die mir jede Menge abverlangt. Sie ist ein seltenes Stück. Extrem anspruchsvoll. Und fordert mich immer wieder aufs Neue heraus.

ONETZ: Woher kommt Ihr Bezug zu Latino-Klängen?

Ich mag ein nüchterner Franke sein. Aber mich hat der feurige Flamenco schon als Jugendlicher völlig begeistert. Diese Obsession ist nie verschwunden. Jene Musik ist mir merkwürdiger Weise auch näher als jeder Rock-Sound. Sie berührt meine Seele nachhaltig. Wobei Rhythmus und Harmonie bei mir gleichberechtigt Hand in Hand gehen. Los geht es beim Komponieren zwar mit dem Beat, die Melodie folgt auf dem Fuß.

ONETZ: Sind Sie ein musikalischer Weltenbummler?

Dank meiner Mutter kam ich zur Klassik, habe einige Jahre lang intensiv Cello geübt. In meiner „Rocker-Phase“ bin ich dem Schlagzeug verfallen, später der elektrischen Gitarre. Und irgendwann habe ich mich mit afrikanischen und arabischen Klängen beschäftigt, was ich bis heute tue. Musik ist Musik. Man muss sie als Kreativer unvoreingenommen an sich heran lassen.

ONETZ: Was ist live von Ihnen und Ihrem Kompagnon zu erwarten?

Wir spielen Lieder aus unseren beiden gemeinsamen Alben. Wobei die Improvisation beim Vortrag keine Rolle spielen wird. Ich bin ja kein authentischer Flamenco-Typ. Gehöre eher der klassischen Ecke an. Frank sowieso. Wir werden alles konzentriert auf den Punkt bringen.

ONETZ: Wenn man seit Jahren als „lebender Kult-Musiker“ definiert wird – wie geht man damit um?

Da müffelt es schon ziemlich. (lacht) Aber klar schmeichelt einem so eine Auszeichnung auch. Wobei ich mich selbst und meine Arbeit all die Jahrzehnte hinweg wesentlich kritischer betrachte als meine Fans das tun. Die haben glänzende Augen, wenn sie meinen alten Stoff hören. Ich hingegen kriege dabei manchmal kalte Füße vor Schreck.

Info:

Service

"Gitarra Pura“ spielen am Donnerstag, 21. März (20 Uhr), in Weiden bei „Klein & Kunst“ (Max-Reger-Halle, Untergeschoss) und am Samstag, 23. März (20 Uhr), in Burglengenfeld (Keller No. 10).

Karten für das Konzert in Weiden beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0, www.nt-ticket.de und an der Abendkasse

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