Auch Filzkleider machen Leute

Oft sind sie nur Souvenirs oder Dekoration: Decken, Mäntel, Schuhe oder Hüte aus Wolle durch Filzen. Aber der Stoff hat es als besonderer Träger nicht nur in die Hochkunst geschafft. Eine Ausstellung im Kunstverein beleuchtet dies.

Maria Weber, Barbara Eichhorn und Barbara Westerath beweisen mit ihren Exponaten, auf welche kreative Weise Filz gestaltet werden kann.
von Helmut KunzProfil

„Stoff ist auch immer Lesestoff und das Kleidungswesen durchzieht mit vielen Beziehungsfäden das gesamte Leben auf Erden von Anfang an“, betont Wolfgang Herzer bei der Ausstellungseröffnung „In Hülle und Fülle“. Die Textilkunst von Barbara Eichhorn, Maria Weber und Barbara Westerath zeigt, dass Kleider auch Leute machten.

Filz habe es als besonderer Träger kultureller Bedeutungslehre nicht nur in die Hochkunst geschafft. Gerade in seiner heute flächengreifenden Renaissance als Volkskunst und im Freizeit-, Hobby- und Selbstfindungbereich zeige der Stoff, was er alles so drauf habe. Dieses Material verbinde Ästhetik.

Für Herzer ist Filz menschheitsgeschichtlich ebenso bedeutsam, wie die Erfindung des Faustkeils. Der Höhlenmensch hatte endlich eine Allwetterkleidung. Und die Mongolei sei heute noch Hochburg funktioneller Filzkultur. Dies alles brächten die drei Künstlerinnen mit ihren Exponaten unter einen Hut.

Die Troika hat das Filzen von der Pike auf gelernt. Die Künstlerinnen besuchten die Filzschule in Oberrot bei Schwäbisch-Hall und waren bei vielen Filzertreffen in Südtirol und anderen Kursen gelehrig. Über viele Jahre hinweg. Maria Weber hatte erste vor einem Jahr einen dreitägigen Meisterkurs in Montbrun-Bocage am Fuße der französischen Pyrenäen besucht. Das Arbeitsthema: Seads und Seadpots. Alle drei sind Mitglied im deutschlandweiten Filz-Netz-Werk.

Natürlich fragen sich die Besucher in den Räumen des Kunstvereins, wie die Farbabstufungen wohl entstanden sind, mit denen dieser Filz den Betrachter verzaubert. Das geschieht durch hauchdünne, übereinanderliegende, unterschiedlich farbige Filzschichten, die in einem durchlässigen Trägergewebe aus Seide, Baumwolle oder Polyester verankert sind. Wie die Arbeit von Barbara Westerath zeigt, ist nicht alles Gold was glänzt. Aber alles könnte mit Gold zu tun haben.

Herzer erinnerte an die griechische Mythologie, an das Goldene Vlies oder das Fell des Chrysomeles. Hintergrund all dieser Fabeln: Im Westen des heuigen Georgiens wurden Schaffelle verwendet, um Goldstaub aus den Flüssen zu waschen.

Den Künstlerinnen geht es darum, auf die kulturhistorischen Wurzeln des Werkstoffs hinzuweisen und die mannigfaltigen ethnologischen Variationen vom Filzprozess bis zum endgültigen Filzprodukt bekannter zu machen. Barbara Eichhorn wohnt im fränkischen Heroldsbach und arbeitete ursprünglich als Kinderkrankenschwester, ehe sie das Filzfieber packte. Neben ihrer Werkstatt wirkt sie als Dozentin von Filzkursen.

Die gelernte Handelsassistentin Barbara Westerrath wohnt in Altdorf und beschäftigt sich filztechnisch mit Blumenmotiven. Maria Weber ist gelernte Sozialpädagogin und Erzieherin, die ihre pädagogische Profession in ihr bildnerisches Tun einfließen lässt. Die Weidenerin kämpfte aktiv im WAA-Widerstand. Seit nunmehr 25 Jahren leitete sie die Keramik-Werkstatt im Maria-Seltmann-Haus. Alle drei Künstlerinnen machen mit ihren Arbeiten ihr Publikum auf erstaunliche Art mit dem Gestaltungspotenzial des Faser- und Flächenmaterials Filz bekannt, das seinen Ursprung in der wilden Tierwolle hat.

Info:

Service

Die Ausstellung „In Hülle und Fülle – Textilkunst“ von Barbara Eichhorn, Maria Weber, Barbara Westerath ist bis 10. November beim Kunstverein Weiden (Ledererstraße 6) zu sehen. Öffnungszeiten: Sonntag 14 bis18 Uhr, Donnerstag bis Samstag 21 bis 24 Uhr. Eingang durch das Vereins-Lokal „Neues Linda“.

www.kunstvereinweiden.de

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