Fingerakrobaten am Kontrabass

"Internationaler Meisterkurs" überrascht bei Sommerserenade im Alten Rathaus in Weiden

Sunhee Kim-Nußbeck am Klavier begleitet (von links) Hyo Sun Kim und Ji-Jeong Kim am Kontrabass.
von Siegfried BühnerProfil

"Wir wollen bei dem heutigen Konzert alle Facetten aufzeigen, die mit dem Kontrabass gespielt werden können" sagt Veit-Peter Schüßler zu Beginn des Konzerts der jungen Musiker aus dem "16. Internationalen Kontrabass-Meisterkurs". Seit Jahren leitet der Musikprofessor und Kontrabass-Solist Schüßler zusammen mit seiner Assistentin, der Musikhochschul-Dozentin Huyn Joo Oh, die zehntägige "International Masterclass Kontrabass" in Pleystein.

Keine Unsicherheit

Was die jungen Künstler aus sechs Nationen im ausverkauften Rathaussaal den Zuhörern bieten, ist Extraklasse musikalischer Instrumentalkunst. In keinem einzigen Fall ist bei den acht auftretenden Interpreten irgendeine Unsicherheit eines Nachwuchskünstler zu bemerken. Wie angekündigt spannen sie den musikalischen Bogen von der Klassik bis zur Moderne und zeigen, welche völlig unterschiedliche Ausdrucksformen mit dem zweitgrößten aller existierenden Streichinstrumente möglich sind. Alle zehn Programmteile des Abends werden am Klavier von Sunhee Kim-Nußbeck begleitet. Beethovens Romanze für Violine in F-Dur "adaptiert für Kontrabass" gehört ebenso zum Programm wie die zeitgenössische Komposition "Bass Trip" des estländischen Komponisten Peteris Vasks einschließlich des dazu gehörenden Gesangsteils. Gespielt auf der Violine zählt Beethovens Werk zu den Ohrwürmern für Klassikfans.Anders klingt dagegen die Kontrabass-Interpretation dieses Werks des jungen Niederländers Reinout Hekel. Der große Resonanzkörper des Kontrabass verwandelt den hellen Violinton in weiche und sonore Schwingungen. Für den Interpreten stellt sich die Herausforderung, die Griff-Folge der Violine auf die große Fläche des Griffbretts eines Kontrabasses zu übertragen. Hekel meistert diese an Fingerakrobatik heranreichende Aufgabe mit Bravour.

Flötenartige Melodien

Besonders viel Beifall erhält die Südkoreanerin Hyo Sun Kim für ihre Interpretation der Fantasia Lucia di Lammermoor. Giovanni Bottesini komponierte dieses Instrumentalstück für Kontrabass in Anlehnung an die gleichnamige Donicetti-Oper. Die Künstlerin zeigt, dass aus einem Kontrabass nicht nur die tiefen, manchmal sogar etwas dumpf wirkenden Klänge strömen, sondern auch helle fast flötenartige Melodien. Dazu muss sich die Musikerin tief über ihr Instrument beugen um die Saiten bis nahe an den Steg zu verkürzen.Die Erinnerung an die Sopranistin in der italienischen Oper liegt bei den hellen Tönen sehr nahe.

Dass es beim Kontrabass auch so etwas wie ein Pizzicato, also ein Zupfen gibt, beweist unter anderem Siyu Wang aus China bei der Interpretation der Sonata für Arpeggione von Franz Schubert. An jiddische Musik erinnert die Südkoreanerin Jihae Han bei der Interpretation der "Meditation Hebraique" des Komponisten Ernest Bloch. Diese Künstlerin spielt auch zusammen mit ihrer Landsmännin Ji-Jeong Kim zum Abschluss und Höhepunkt des Konzertabends die "Passione Amorosa" von Giovanni Bottesini. Soli und Duett der Kontrabassistinnen wechseln immer wieder. Das Flair der italienischen Oper erfüllt das Alte Rathaus. Als jüngster Interpret des Abends wird Lorenz Weighart aus Deutschland vorgestellt. Mit dabei sind auch Zhouyao Zhang aus China und Sungin Park aus Südkorea. Für die Teilnehmer gibt es großen Applaus.

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