Flüchtling in bürgerlichen Nöten

Der Nigerianer Diallo ist vor Gewalt und Tod aus seiner Heimat geflüchtet. Als ihn die gut situierten Hartmanns bei sich aufnehmen, drängt sich ihm langsam die Frage auf, wer hier eigentlich die größeren Probleme hat.

von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

Mit der schwungvollen Komödie "Willkommen bei den Hartmanns", die heute Abend Premiere feiert, bringt das Landestheater Oberpfalz (LTO) einen anspruchsvoll-witzigen Stoff auf die Bühne in der Regionalbibliothek. Im Ensemble von Regisseur Till Rickelt sind auch drei LTO-Neulinge. Bei den letzten Proben geben Mona Fischer, Jana Dütsch und Dirk Arlt Einblicke in ihr Seelenleben.

ONETZ: Wie fühlen Sie sich so kurz vor der Premiere?

Dirk Arlt: Ein bisschen müde, denn die letzten Tage waren sehr anstrengend. Aber es kribbelt auch. Das Stück muss jetzt raus.

Jana Dütsch: Hin- und hergerissen. Ich freue mich, bin aber ein bisschen wehmütig, dass der Probenprozess vorbei ist. Ich hatte sehr viel Freude beim Experimentieren.

Mona Fischer: Ich freu mich eigentlich immer sehr auf Premieren. Und gleichzeitig finde ich sie ganz, ganz schrecklich. Meistens sind alle sehr aufgeregt, das steckt mich dann spätestens vor Ort total an.

ONETZ: Was ist das Besondere an diesem Stoff als Komödie?

Fischer: Ich finde das Stück clever und humorvoll. Weil es zum Nachdenken anregt. Es werden einige Klischees bedient, die mir im Alltag aber immer wieder begegnen. Vielleicht werden Gedanken, Ängste oder Verhaltensweisen gezeigt, bei denen man sich ertappt fühlt und die ein Umdenken bewirken.

Dütsch: Das Stück entfaltet seine Tiefe und Eindringlichkeit, die es durch die Flüchtlingsproblematik, traumatisierte Opfer oder Burnout hat, beim genauen Zuhören oder auch in der Nachreflektion daheim.

ONETZ: Gibt uns das Stück angesichts der nötigen Integration der Flüchtlinge und drohender neuer Migrationswellen eine Botschaft mit auf den Weg?

Dütsch: Die Botschaft lautet meiner Meinung nach: Verschließt euch nicht hinter festgefahrenen Lebens- und Sichtweisen. Öffnet euch neuen Impulsen, anderen Kulturen und Denkweisen. Ich glaube, dabei gibt es nichts zu verlieren, nur etwas zu gewinnen.

Arlt: Und es zeigt auch, dass Schwarz-Weiß-Denken wenig hilfreich ist. Besonders bei etwas, das nicht erst seit 2015, sondern schon immer Thema war. In den verhärteten Diskussionen geht mir vieles – auf beiden Seiten – zu weit.

Fischer: Stimmt. Es gibt nicht „die Flüchtlinge“ per se. Es gibt geflüchtete Menschen. Jeder bringt seine Geschichte mit und jede ist anders. Die verallgemeinerte Angst, die aus der Pauschalisierung hervorgeht, verhindert eine Begegnung und ein Miteinander. Schlechte Menschen mit falschen Absichten gibt es überall. Aber auch die guten.

ONETZ: Ihre Verwandlung in Diallo ist erstaunlich. Wie ist es, als Frau einen männlichen Flüchtling zu spielen?

Fischer: In der Rollenarbeit habe ich das Geschlecht erst mal in den Hintergrund gestellt und mich mit dem Menschen beschäftigt. Er hat Schreckliches erlebt und sich dennoch seinen Charme, seine Lebensfreude und sein gutes Herz bewahrt. Für jemanden wie mich, der behütet und frei in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, war das die größte Herausforderung. Aber zugegeben: Ein männlicher Kollege hätte nicht zu den äußerlichen Tricks greifen müssen. (lacht)

ONETZ: Wie sind Heike und der Vater?

Dütsch: Ich hatte die letzten 20 Jahre als Regieassistentin eher den beobachtenden Part. Die Sozialarbeiterin Heike ist das Gegenteil: Heike beobachtet nicht, Heike stürmt ungebremst, unreflektiert, laut und lebendig drauf los. Und genau das war für mich immer wieder die Schwierigkeit. Dieses Level zu halten, ist eine Herausforderung.

Fischer: Heike ist meine heimliche Lieblingsfigur. Die ist so herrlich verrückt und abgedreht. So etwas würde ich auch gerne mal spielen. Aber ich mag auch die Figur des Herrn Hartmann sehr.

Arlt (lächelt): Wie er mit seiner Eitelkeit ringt, hat fast etwas Slapstickhaftes. Im Kinofilm ist der Vater, finde ich, wie weitere Charaktere zu eindimensional. In der Theaterfassung ist er vielschichtiger.

ONETZ: Worauf dürfen sich die Theaterfans besonders freuen?

Arlt: Es ist kein Mitmachstück, aber die vierte Wand wird aufgebrochen. Der ganze Raum wird zum chaotischen Hartmann-Universum.

Dütsch: Freuen dürfen sich die Zuschauer auf einen lustigen, aber auch berührenden Abend.

Fischer: Auf mich. Nein, Spaß. Ganz ehrlich. Einfach auf alles. Ich glaube, das wird ein toller Theaterabend!

Info:

Weitere Termine: 7./8./19./20./21. und 22. März; Beginn: 20 Uhr, außer 8. März (18 Uhr);

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice: 0961/85-550, 09621/306-230 09661/8729-0

sowie www.nt-ticket.de

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