Bei Friseuren herrscht Unmut über Ladenöffnung

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Oberpfälzer Friseure sind verunsichert: Haareschneiden - oder besser nicht? Den Mindestabstand von 1,5 Metern zum Kunden jedenfalls können Friseure nicht einhalten. Sie können sich selbst schlecht schützen - und kritiseren das.

Eine Friseurin mit Mundschutz schneidet einem Kunden in Brüssel die Haare. Die Menschen in Belgien sollen 19 Tage lang zu Hause bleiben, um eine weitere Verbreitung des Coronavirus zu vermeiden. Der Friseursalon kann jeweils nur mit einem Kunden geöffnet bleiben. In Bayern bleibt es bislang den Friseuren selbst überlassen, ob sie ihren Salon öffnen oder nicht.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Erlaubt ist der Gang zum Friseur in ganz Bayern weiterhin. Allerdings soll jeder Salonbesitzer selbst entscheiden, ob er öffnet oder nicht. Die bayerische Friseurinnung hatte am Montag zunächst die Schließung aller Salons angekündigt - nur wenige Stunden später ruderte man allerdings zurück. Vonseiten der Friseure hagelt es dafür nun Kritik.

In jedem Salon herrschen derzeit Regeln, über die das bayerische Kabinett am Montag entschieden hatte: 1,5 Meter Abstand zwischen den Kunden ist verpflichtend, in Wartebereichen dürfen sich maximal zehn Personen aufhalten. "Das ist hirnrissig", findet der Weidener Frisörmeister Peter Schiml. "Ich komme meinen Kunden so nah, da ist ein Mindestabstand kaum einzuhalten." Viele seiner Mitarbeiter sind schon zu Hause, er selbst hält noch die Stellung. Er fragt sich: "Wenn ich jetzt freiwillig schließe - bekomme ich dann finanzielle Unterstützung?"

Der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks stellte am Dienstag auf seiner Homepage klar, dass Salons keinen Anspruch auf Kostenerstattung haben, wenn eine Ladenschließung angeordnet würde. Hier ist zu lesen: "Vor allem in den sozialen Netzwerken hält sich hartnäckig das Gerücht, eine Zwangsschließung sei mit einer Entschädigung verbunden. Seitens des Ministeriums wurde klargestellt, dass die Entschädigung § 56 des Infektionsschutzgesetzes auf Fälle von Quarantäne und Tätigkeitsverbot bezogen sei."

Silke Prediger vom Salon Hairzlich in Mantel (Kreis Neustadt/WN) hat ihren Salon auf eigene Faust geschlossen - nicht nur zum Schutz ihrer Kunden, sondern auch, um ihre zwei Mitarbeiterinnen zu schützen. Gerade jetzt, wo viele ihrer Kunden zu Hause seien, habe sie viele Terminanfragen bekommen: Kunden hatten ihr erzählt, jetzt, wo sie sowieso zu Hause bleiben müssten, hätten sie Zeit für einen Friseurbesuch. "Aber eineinhalb Meter Abstand können wir nicht einhalten - wir arbeiten teils 30 Zentimeter vom Gesicht unserer Kunden entfernt." Das ist ihr zu riskant: "Man denke nur ans Augenbrauen zupfen, Wimpern färben oder Bart trimmen."

Dass Prediger auf finanzielle Hilfen bauen kann, bezweifelt sie. "Den Salon zu schließen war ja meine eigene Entscheidung. Aber da ist mir Gesundheit wichtiger als Geld."

Trotzdem fordert die Innung die Salons dazu auf, sich "aktiv auf das mögliche Schließen des Salons vorzubereiten", ob freiwillig oder verordnet. "Eine schöne Frisur ist für viele wichtig, jedoch in keinster Weise überlebensnotwendig", appelliert Silke Prediger. Deshalb bleiben die Türen ihres Salons bis Ende März geschlossen.

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