Funky Jazz aus dem Norden

Donnerstag noch ein Auftritt in Wien. Innerhalb von neun Stunden über die Autobahn in die Bundeshauptstadt gebrettert. Freitag ein Konzert in Berlin. Samstag Station in Weiden gemacht.

Zum Finale des Weidener Jazzherbstes noch einmal ein Leckerbissen mit der schwedischen Formation "Beatfunktion" im "Bistrot Paris".
von Helmut KunzProfil

Wer jetzt glaubte, die Kilometerfresser-Truppe zeigte Ermüdungserscheinungen, lag völlig falsch. Der Jazz-Zirkel verabschiedete sich am Samstagabend im vollbesetzten Weidener „Bistrot Paris“ vom Weidener Jazzherbst mit einem taufrischen, skandinavischen Zuckerl in die Winterpause. Das Gastspiel der schwedischen Jazz-Funk-Combo „Beat Funktion“ bildete mit ihrem temperamentvollen Bläsersatz und den üppigen Arrangements einen willkommenen Kontrast zum Klassik-Jazz. In die Geschichte ging die Funk-Jazz Band ein, weil sie es als erste schwedische Formation mit ihrem Afrika-Album bis an die Spitze der amerikanischen und kanadischen Jazz-Charts schaffte und bei den Kritikern ganz vorne lag.

Zu Hause kaum Auftritte

Wie der Band der Sprung in den nordamerikanischen Musik-Olymp gelang, das verrieten die sechs Schweden auf musikalischem Weg. Mit atmosphärisch aufgelockerten Improvisationen, zu denen sich der Zuhörer einen Tag inmitten der afrikanischen Savanne mit Elefanten, Löwen und anderen Tieren vorstellen musste. Kaum zu glauben, dass der Gruppe in ihrem Heimatland Schweden – der Prophet zählt nichts im eigenen Land - kaum Auftritte ermöglicht werden, weil dieser Musiktypus im Land der Mitternachtssonne augenscheinlich nicht ankommt bei den Leuten. Wie dumm auch: Zu funky für Jazz-Clubs, und zu jazzig für die schwedische Pop-Szene.

Wie die Crusaders

Ihre ersten beiden Alben waren gesangslastig. Heute erinnert die Band stark an die legendären „Crusaders“ aus den Siebzigern und Achtzigern. Sie agiert als instrumental ausgerichtetes Kollektiv mit Musikern aus der Crème de la Crème der schwedischen Szene. Jan Eriksson am Schlagzeug, Karl Olandersson an der Trompete, Pal Johnson am Bass, Olle Thunström am Tenorsaxofon. Dazu der von keinem Geringeren als Quincy Jones gepriesene „Sub-Five“-Gitarrist Johan Öljen und Moderator Daniel Lanth am Keyboard.

Dass der Chef zu den besten Keyboardern Skandinaviens zählt, bewies Lanth mit seinen unglaublich bedacht vorgetragenen, fast vorsichtig aufgebauten Soli voller Intensität. Seine Mitmusiker, allen voran der Trompeter Olandersson und der wunderbar mit Obertönen spielende Tenorsaxofonist Thunström besaßen, wie Lanth selbst, an vielen Stellen ein atemberaubendes Gespür für die vielen Schattierungen des Leisen.

Mitreißender Rhythmus

Die Weidener Jazz-Freunde erlebten einen Abend mit mitreißenden, funkigen Rhythmen und Elementen der Extraklasse. Wäre Platz zum Tanzen gewesen, „Beatfunktion“ hätte sie von den Sitzen gerissen. Am Freitag erscheint übrigens das neue Konzeptalbum „Roots“, eine mythologische Rückkehr zu den Wurzeln als Sextett.

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