Gewaltige Klangcollagen und sanfte Töne: Jamie Safts „New Standard Trio“ beim Jazz-Zirkel-Weiden

Sie wollen den Jazz mit neuen Standards bereichern. Jamie Safts "New Standard Trio" lässt sich nicht in Schubladen pressen: Jazz, Rock, Pop, Avantgarde, Filmmusik - alles ist möglich. Am Samstag waren sie zu Gast im Bistrot Paris.

Das „New Standard Trio“ mit Jamie Saft (Hammondorgel und Klavier) , Steve Swallow (Elektrobass) und Bobby Previte (Schlagzeug) ließ sich im Bistrot Paris stilistisch nicht festlegen.
von Louis ReitzProfil

Auf der Bühne drei Männer, die drei Generationen angehören: Pianist Jamie Saft (Jahrgang 1971), Schlagzeuger Bobby Previte (Jahrgang 1951) und am Bass Steve Swallow (Jahrgang 1940). Ihre Biografien könnten kaum unterschiedlicher sein. Da steht Steve Swallow für den modernen Jazz. Bobby Previte ist geprägt von der Rock-Ära der 70er-Jahre und Jamie Saft ist ein Wanderer zwischen allen Musikwelten.

Nicht nur optisch steht am Samstagabend im Weidener Bistrot Paris die altehrwürdige Hammondorgel mit dem legendären Leslie-Tonkabinett im Mittelpunkt der Bühne. Doch wer swingenden Mainstream-Jazz der Machart Jimmy Smith oder Jimmy McGriff erwartet, liegt daneben. Jamie Saft bevorzugt einen spröden Sound mit langanhaltenden Akkorden und liegenden Basstönen, eine Spielweise, die eher an Rocklegenden wie Keith Emmerson oder Procul Harum erinnert.

Jamie Saft (Hammondorgel und Klavier)

Blubbernde Basslinien

Erinnerungen an die psychedelische Phase der Rockmusik mit ihren unendlich langen Klangeruptionen werden wach. Dazu liefert Bobby Previte mit harten Trommelschlägen den passenden Hintergrund.Steve Swallow zeigt sich von allem unbeeindruckt. Gemütlich blubbern seine Basslinien im Hintergrund, unaufdringlich und doch präsent. Auch solistisch lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. Er bleibt stets im Metrum, sein fünfsaitiger Elektrobass liefert perlende Melodielinien ohne Extravaganzen.

Zwischen Flügel und Orgel

Steve Swallow (Elektrobass)

Jamie Saft wechselt auch innerhalb der einzelnen Stücke zwischen Flügel und Orgel. Da stehen unter die Haut gehende Bluesphrasen neben schweren Akkorden, mal wird es exzessiv laut, dann wird man in die intime Atmosphäre eines Gospel-Gottesdiensts versetzt. Das Ausgangsmaterial holt sich das Trio aus allen möglichen Vorlagen, die aber nun einen völlig neuen Charakter erhalten. Über längere Strecken wirkt die Musik auch belanglos, man wartet auf ein charakteristisches Thema, oft entsteht der Eindruck eines Soundtracks zu einem Film, der leider nicht abgespielt wird.

Zum musikalischen Höhepunkt des Abends wird eine Einleitung von Bobby Previte auf dem Schlagzeug. Hier offenbart er seine phänomenale Technik und sein musikalisches Feingefühl. Es beginnt mit Snare Drum und Hi-Hat, wobei alle Nuancen der kleinen Trommel voll ausgelotet werden, faszinierend und spannend. Max Roach lässt grüßen. Bei einer Nummer im eigenwilligen Funk-Latin-Groove seht Previte während des ganzen Stücks im Mittelpunkt, Orgel und Bass liefern nur den Background und Akzente zu seinen virtuosen Einlagen.

Zum Schluss geht es deutlich in Richtung "Great American Songbook". "Alfie", ein Filmklassiker, aus der Feder von Burt Bacharach und das schmachtende "Moonlight in Vermont", mit dem Frank Sinatra einst die Frauenherzen höher schlagen ließ, werden als wohltuende Zugaben auf originell eigenständige Weise interpretiert. Ein Abend mit Ecken und Kanten und musikalischen Wechselbädern geht zu Ende.

Bobby Previte (Schlagzeug)

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