Grotesker Abend zwischen Reger, Debussy und Ravel

Die Weidener Max-Reger-Tage präsentieren einen rasanten Kammermusikabend an Geige und Klavier mit Tianwa Yang und Nicholas Rimmer.

Tianwa Yang (Violine) und Nicholas Rimmer (Klavier) spielen groteske Stücke in der Max-Reger-Halle.
von Reinhold TietzProfil

Tianwa Yang (Violine) und Nicholas Rimmer (Klavier) bedeutet sie viel, die Musik, die beide am Dienstagabend im Gustav-von-Schlör-Saal in der Max-Reger-Halle vortragen. Mit Leidenschaft setzen sie sich mit den drei Sonaten auseinander, die sie an diesem Abend vortragen werden. Das hört - und sieht man.

Alle gespielten Stücke entstammen der Epoche des großen Wandels. Von strenger Form der Sonate, hin zu einer freien Darstellungsform. Letzteres passt vollkommen zum ersten Stück des Abends, der "4. Sonate für Violine und Klavier C-Dur" op. 72 von Max Reger. Das "Allegro con spirito" hetzt die Violine schon in den ersten Takten geistreich durch alle Lagen, was die Instrumentalistin unter Einsatz körperlicher Gesten und großer Töne sichtbar und hörbar tadellos bewältigt. Ruhig dazustehen beim Spielen ist Tianwa Yangs Sache nicht, das beweist sie den ganzen Abend lang.

Aber auch Nicholas Rimmer haut zuweilen von ganz oben das Forte in die Tasten. Das Motto des Abends, "Grotesque", bezieht sich aber wohl nicht darauf, sondern auf die Freizügigkeit der Töne, die alle drei Sonaten aufweisen. Dementsprechend wirken die ungeheuren Gefühlausbrüche in Regers Sonate sehr glaubhaft, egal, ob sie im anschließenden "Prestissimo" rasend vorbeiziehen oder im "Largo con gran espressione" eine riesige Melodie vorbringen.

Das abschließende "Allegro con brio" ist ebenso von unterschiedlichen Geschwindigkeiten und verschiedenen Gefühlsregungen bestimmt. Erwähnen sollte man noch, dass Reger seine Kritiker währenddessen beleidigt, indem er die Tonmotive "Schafe" und "Affe" in das musikalische Geschehen einbaut. Das allein würde schon das Motto des Abends rechtfertigen.

Später erklingen impressionistische französische Sonaten wie das letzte Werk von Claude Debussy, seine "Sonate für Violine und Klavier g-moll" mit ihren drei charakteristischen Sätzen. Das "Allegro vivo" beschert der Violine eine intensive Melodie nach der anderen. Noch rascher und ein wenig tänzerisch zieht das "Interméde. Fantastique et léger" vorüber. Seine virtuosen Anforderungen ermöglichen den Musikern überzeugende Darstellungen von technisch schweren wie musikalisch mitreißenden Begebenheiten.

Auch das "Finale" ist "Trés animé", also ebenso schnell und lebhaft. Zum Schluss ertönt die "Sonate für Violine und Klavier G-Dur" von Maurice Ravel. Zunächst tönt das "Allegretto" mit seinen melodischen wie heroischen Klängen. Der mit "Blues" bezeichnete Mittelsatz führt "Moderato" eine Melodie in vielfacher Klanggestaltung (auch im Pizzikato der Geige) vor, das Finale setzt in einem "Perpetuum mobile" in fast wahnsinnigem Tempo diese Stimmung fort. Die grandiose Virtuosität beider Interpreten vermittelt die meisterhaften Gedanken des Komponisten. Mit großem Beifall geht ein intensiver Abend voll Musikgenuss zu Ende.

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