Hedwig Bollhagen im internationalen Keramikmuseum Weiden

Sie verblüfft und begeistert - bis heute: Hedwig Bollhagen. Das Internationale Keramikmuseum widmet der Frau, die zu den bedeutendsten Keramikerinnen gezählt wird, nun eine Ausstellung.

Sie mögen überaus spärlich gestreut sein, aber es gibt sie doch: Anlässe gefüllt mit so vielen Superlativen, so dass man kaum noch weiß, womit beginnen. "Wir wollen eine der bedeutendsten Keramikerinnen in den Fokus rücken", sagt Stefanie Dietz, Leiterin des Internationalen Keramikmuseums zur Ausstellungseröffnung von "Hedwig Bollhagen und die HB Werkstätten".

Untertitelt mit "Musterstücke und Serienobjekte" beheimatet das Keramikmuseum eine Werkschau, die laut Dietz "fast nicht mehr zu toppen" sei. Zudem sei das Zusammentreffen mit dem Jubiläumsjahr des Bauhauses eine glückliche Fügung, schließlich habe die 1907 geborene Hedwig Bollhagen, deren Bedeutung gerade aus dem Bereich der seriell produzierten Keramik resultiert, im engen Umfeld der Kunstschule gewirkt. In Zusammenarbeit mit der Neuen Sammlung München sowie den Bollhagen-Werkstätten in Marwitz mit ihrem Geschäftsführer Alexander Grella hätte sich somit eine der größten Ausstellungen der letzten Jahrzehnte ergeben. Um der Reihung von Höhepunkten schließlich weiter Genüge zu tun, erklärt Oberbürgermeister Kurt Seggewiß in seiner Ansprache, dass nach über einem Jahr der Vertragsgestaltung verkündet werden dürfe: "Es geht weiter mit dem Keramikmuseum", auch in den nun folgenden Jahrzehnten.

In diesem Sinne schließt Angelika Nollert, Direktorin der Neuen Sammlung München, im Blick auf über 5000 Jahre Kulturgeschichte und keramischer Leistung als "Spiegel der Menschheit" an, wie doch die Identifikation eines Ortes somit gestärkt werde, nicht zuletzt auch durch die Arbeit des Weidener Fördervereins "Die Keramischen". Zurückkommend zu Hedwig Bollhagen und ihrem Wirken fast das gesamte 20. Jahrhundert hindurch, stellt Nollert heraus, dass beginnend vom Bauhaus-Formenschatz zur Gestaltung von Alltagssituationen das Leben der Keramik-Künstlerin auch als Spiegel deutscher Geschichte dienen könne, gipfelnd in der Frage: "Was kann gestalterisch beigetragen werden, um den Alltag handhabbarer zu machen?" Im Gegensatz zum damals vorherrschenden Gestaltungskonsens eines "überbordenden, belastenden Dekors" stehe bei Bollhagen die Freigeistigkeit im Mittelpunkt, und daher: "Ihr Formenreichtum fasziniert bis heute."

Auf Spurensuche begibt sich auch Josef Strasser, Hauptkonservator der Neuen Sammlung, indem er Lebensstationen der Künstlerin nachzeichnet. Von ihren "Wanderjahren" bis zur schließlichen Übernahme der Werkstätten in Marwitz bei Berlin und dem Wunsch, "einfache, schöne, schlichte Sachen zu machen", eben in der Form von Serienkeramik und Gebrauchsgeschirr. Und dies in einer Gestaltungsform "außerhalb der Zeit", denn bis heute hätten ihre Werke nichts von ihrer Ästhetik eingebüßt.

Abschließend unterstreicht Thomas Kühn im Namen der "Keramischen" nochmals den Einfluss, welcher von Hedwig Bollhagens enthusiastischem Schaffen ausgehe, denn eine ganze Reihe von Elementen, in den Marwitzer Werkstätten geschaffen, "begegnen uns auch im heutigen Design". Von dieser Rückschau bis zur kontemporären Arbeit gehe der Blick auch nach vorne, schließlich habe es sich die bis heute bestehende Manufaktur zur Aufgabe gemacht, stetig die Techniken ihrer Gründerin weiterzuentwickeln.

Service:

Wo? Internationales Keramik-Museum, Luitpoldstraße 25, 92637 Weiden

Wann? Dienstag bis Sonntag (11 bis 17 Uhr); die Ausstellung „Hedwig Bollhagen und die HB-Werkstätten“ läuft bis 10. November

Weitere Infos: www.dnstdm.de/ikmw

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