Hoffnung für Eltern suchtkranker Kinder

Prevent 99 und Lions "Goldene Straße" laden zum dritten Familien-Wochenende für Eltern und Angehörige suchtkranker Kinder aus Bayern und Tschechien.

Goldener Lion Norbert Wittmann (links) und Jugendtherapeut Gerhard Krones besprechen das Wellnesswochenende für Eltern drogenkranker Kinder.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Es sind die dunkelsten Stunden im Leben von Eltern: Wenn sie sich eingestehen müssen, dass sie ihrem Kind nicht helfen können. "In so einer verfahrenen Situation ist es wichtig", sagt der Kinder- und Jugendpsychotherapeut Gerhard Krones, "den Fokus zunächst einmal von der schwerwiegenden Krankheit der Kinder wegzubekommen, um zu einem Lösungsansatz zu gelangen."

Genau das ist Ziel des dritten "Wochenendes für Eltern und Angehörige drogenkonsumierender Kinder aus Bayern und Tschechien". Mut soll den Betroffenen auch ein Elternpaar machen, das bereits an solch einer Familientherapie teilnahm: "Die beiden schildern, was man nach langer Zeit der Hoffnungslosigkeit erreichen kann", freut sich Gerhard Krones. "Ihr Kind ging von selber in eine Therapie, weil Vater und Mutter ihr Verhalten änderten - und es ist jetzt schon zwei Jahre drogenfrei."

Vorwürfe nützen keinem

Drogen kommen in den besten Familien vor. Vorwürfe von Großeltern, Verwandten und Bekannten sind fehl am Platz. "Es hilft, den Eltern verständnisvoll zu begegnen", ist Krones überzeugt, "ihr habt versucht, das Beste für eure Kinder zu tun - dennoch habt ihr das Gefühl, ihr seid gescheitert." Manchmal liege der Veränderungsschlüssel eben nicht in den eigenen Händen. Diese Erkenntnis könne zu einer Gelassenheit führen, die es ermögliche, auf eine andere Art wieder liebevoll mit dem Kind umzugehen - gleichzeitig aber konsequent. "Anstatt nur rumzunörgeln, zeigt man dem Kind, ich kümmere mich jetzt um meinen eigenen Schmerz, und sage dir das." Mal sei eine Ehe gescheitert, mal habe man den Verlust durch einen Todesfall nicht überwunden. "Die Kinder können so am Beispiel der Eltern lernen, dass man mit Drogen die Ursache eines Problems nicht löst."

"Tschechische Eltern leiden genau so"

Zum ersten Mal nehmen an diesem Wochenende auch tschechische Eltern teil, weil den Veranstaltern wichtig ist, das Nachbarland nicht auf seine Crystal-Küchen zu reduzieren. "Tschechische Eltern leiden genau so, sie teilen die gleichen Erfahrungen", sagt Krones, "und meine Kollegen von Prevent haben einen ähnlichen Ansatz, um zu helfen."

Das Therapieteam (von links) mit Tomáš Brejcha (Prevent), Gerhard Krones und Katerina Vickers.

Der Therapeut würde sich wünschen, dass sich besonders auch Eltern angesprochen fühlen, die erst seit kurzem von der Sucht ihres Kindes erfahren haben: "Je früher man die richtigen Schlüsse zieht, umso besser", rät er. "Aber natürlich sind alle Betroffenen willkommen und gerade auch Väter und Mütter, die fast jede Hoffnung verloren haben."

Wellness-Auszeit:

Trainingslager für überforderte Eltern

Die südböhmische Drogenberatungsinitiative Prevent 99 aus Strakonice und der Lions-Club „Goldene Straße“ laden unterstützt von der Repräsentanz des Freistaats Bayern in der Tschechischen Republik vom Freitag, 31. August, bis Sonntag, 2. September, zu einer Wellness-Auszeit für Eltern drogenkranker Kinder im Orea Resort Horizont in Železná Ruda. „Es ist wichtig“, sagt Norbert Wittmann, der das Gratis-Wochenende für die Lions begleitet, „dass die Eltern mal raus aus ihrer gewohnten Umgebung kommen, die mit vielen negativen Erfahrungen belastet ist.“

Der technische Mitarbeiter in Weidens Stadtplanungsamt kennt die Nöte einer Co-Abhängigkeit Angehöriger, weil er selbst in seinem Umfeld mit Suchtkranken zu tun hatte: „Es ist ein schwieriger Weg aus der Suchtfalle und man braucht viel Kraft dafür.“ Kraft, die vor allem die Begegnung mit Leidensgenossen geben soll.

"Die Erfahrung, man ist nicht allein mit seiner Not, ist eine Erleichterung", sagt Wittmann. Die Lions an der Goldenen Straße – deren Namen schon grenzübergreifend ist – finanzieren rund die Hälfte der Kosten in Höhe von etwa 11.000 Euro. „Die komplette Vorstandschaft steht hinter diesem innovativen Betreuungsansatz.“ Unterstützt wird die Initiative auch vom Deutsch-tschechischen Zukunftsfonds und Sponsoren.

Anmeldung: Telefon (09646) 707 oder gerhard-krones[at]t-online[dot]de

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