Immer auf dem Sprung

Lüül spielt auf seiner "Fremdenzimmer"-Tour bei "Klein & Kunst" in der Max-Reger-Halle

Als „Lüül-Duo“ gastieren Lüül und Kerstin Kaernbach bei „Klein & Kunst“ in Weiden. Der musikalische Weltenbummler präsentiert dort sein aktuelles Programm.
von Autor MFGProfil

Es bringt immer wieder immensen Spaß und ist jedes Mal sehr anregend, sich mit dem ollen Lutz Ulbrich, den jeder nur "Lüül" nennt, zu unterhalten oder ihn auf der Bühne zu erleben. Was daran liegt, dass der 66-jährige einer betrüblicher Weise immer weiter aussterbenden Spezies angehört: Sein statt Schein, großer Geschichtenerzähler anstatt blasierter Schwätzer und humorloser Langweiler.

Diese echte Berliner Schnodderschnauze hat (mindestens!) die halbe Welt bereist, ist in jedem Land dem Leben als großes Abenteuer verpflichtet, ein "Hippie-Dandy on the road". Er war Krautrock-Pionier bei "Agitation Free", gründete die Multikulti-Kommune "17 Hippies" mit, war Lover von Düster-Diva Nico und kein einziger Schicksalsschlag konnte dem Underdog je seinen unwiderstehlichen Charme rauben.

Aktuell ist gerade das herrlich vibrierende "17 Hippies"-Album "Kirschenzeit" erschienen, ansonsten wird das letzte Lüül-Solowerk "Fremdenzimmer" beworben, in Form einer Tournee, die das Kult-Original am 11. April auch nach Weiden bringen wird. "Ich bin ja immer auf dem Sprung", bekennt Lüül lachend, "selbst wenn ich seit ein paar Jahren verheiratet bin und die Chose namens Dasein an manchen Tagen etwas ruhiger angehe. Aber einen nervösen Geist wie den meinen wirst du nie völlig zur Ruhe bringen können."

Als Schublade für "Fremdenzimmer" hält Lüül den Begriff "Deutsch-Folk" für angemessen, "obwohl das nicht ganz richtig ist", relativiert er sofort, "denn man findet auch Einflüsse von Polka, Chanson, Ethno-Sound und immer mal wieder Rock' n' Roll vor. Ich bin ein musikalischer Weltenbummler, der Einflüsse von überallher begierig in sich aufsaugt. Wenn ich von "Folk" spreche, hat das vor allem was mit "Volksnähe" zu tun."

Während sich der Berliner musikalisch für ziemlich jede Inspiration offen zeigt, sofern die Musik handgemacht ist, fühlt er sich textlich der Muttersprache verbunden: "Ich bin ein begeisterter Globetrotter", schwärmt er, "doch bei den eigenen Songs brauche ich als Kontrapunkt die deutsche Sprache, um mich in ihnen zu Hause fühlen zu können. Irgendwie muss man sich bei einem spannenden Leben wie dem meinen schließlich erden können. Außerdem gelingt mir nur auf Deutsch diese sehr merkwürdige Art, kleine Geschichten zu erzählen, irgendwo zwischen Heiterkeit und Melancholie. Diese Sprache in all ihrer Sperrigkeit ist dafür geradezu perfekt."

Auf der Bühne von "Klein & Kunst" wird am Donnerstag, 11. April (20 Uhr, Max-Reger-Halle/Untergeschoss), neben Lüül mit dem markanten Sangesorgan und an Gitarre, Banjo sowie Ukulele, die gleichfalls hinterm Mikrofon stehende Multi-Instrumentalistin Kerstin Kaernbach zu bestaunen sein, die sich um teils exotische Instrumente wie Bratsche, Theremin, Singende Säge, Geige und Flöte kümmert. Ein so besinnlicher wie ausgelassener Abend steht den Zuhörern bevor.

___Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/87290, www. nt-ticket.de und Abendkasse.

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