Weiden in der Oberpfalz
05.12.2018 - 17:25 Uhr

Jazz ganz ohne Verfallsdatum

Vibraphon, Klavier, Bass und Schlagzeug, wer denkt a nicht sofort an das "Modern Jazz Quartet"! Vier renommierte Musiker aus Bayern haben sich in diesen Sound verliebt und geben am 14. Dezember ein Konzert im Bistrot Paris.

„JPEK“ ist ein Quartett (von links Rudi Engel, Bernhard Pichl, Michael Keul, Tizian Jost), in dem alle Musiker einen ähnlichen musikalischen Background haben und sich einer natürlichen Klangästhetik verpflichtet fühlen: Am 14. Dezember gastieren sie beim Jazz-Zirkel. Bild: Michael Keul
„JPEK“ ist ein Quartett (von links Rudi Engel, Bernhard Pichl, Michael Keul, Tizian Jost), in dem alle Musiker einen ähnlichen musikalischen Background haben und sich einer natürlichen Klangästhetik verpflichtet fühlen: Am 14. Dezember gastieren sie beim Jazz-Zirkel.

Jahrzehnte lang stand das "Modern Jazz Quartet" (MJQ) für kammermusikalischen Jazz der Edelklasse. Milt Jackson, John Lewis, Percy Heath und Connie Kay öffneten die Konzertsäle für den Jazz, Grenzen zwischen Klassik und Jazz wurden überschritten, der Jazz wurde hoffähig.

JPEK, das sind die Initialen von Tizian Jost (Vibraphon), Bernhard Pichl (Klavier), Rudi Engel (Kontrabass) und Michael Keul (Schlagzeug). Jeder leitet auch eigene Gruppen und ist in den unterschiedlichsten Stilrichtungen zu Hause. Die Verbindung entstand über Michael Keul der sowohl mit Bernhard Pichl, als auch Tizian Jost im Klaviertrio spielt. Er ist langjähriger Fan der Musik des Quartetts und erzählt im Interview, wie es zu dieser ungewöhnlichen Idee kam:

Wie kam es zum Quartett JPEK?

Michael Keul: Wir kennen uns alle schon seit langem: Als der Pianist Tizian Jost sich vor Jahren ein Vibraphon zulegte und intensiv darauf spielte, kamen wir auf die Idee, die Musik des Modern Jazz Quartet zu spielen. JPEK ist ein Wortspiel aus der digitalen Welt, aber nur mit K! Es handelt sich aber dabei um die Anfangs-Buchstaben unserer Namen.

Es gibt eine CD mit dem Titel „The Long Goodbye“. Darauf findet man Klassiker des Jazz, aber auch eigene Kompositionen. Ist das Konzertprogramm identisch mit der CD?

Michael Keul: Wir haben mittlerweile ein großes Repertoire und spielen nicht nur Stücke von unserer CD. Wir spielen Kompositionen von Bernhard und Tizian, Standards, aber auch Stücke des "MJQ" oder von Bobby Hutcherson, einem weiteren berühmten Vibraphonisten. Wir haben uns dabei nicht festgelegt, aber der Schwerpunkt ist der Zusammenklang von Vibraphon und Klavier-Trio.

Tizian Jost ist uns in erster Linie als Pianist bekannt. Wie kam er zum Vibraphon?

Michael Keul: Tizian hat früher in Münchner „Allotria“ oft mit Gerry Hayes zusammengespielt und es gibt auch viele Pianisten, die das Vibraphon als Zweitinstrument spielen.

Rudi Engel ist bei dem Konzert in Weiden leider nicht dabei. Wer kommt als Bassist?

Michael Keul: Das ist Johannes Ochsenbauer. Das ist ein junger Bassist, mit dem Tizian als Pianist und ich im Trio spielen. Er hat schon öfter bei "JPEK" ausgeholfen. Im Jazz muss man ja immer flexibel sein!

Beim "MJQ" saßen zuerst Kenny Clarke, dann Connie Kay am Schlagzeug. Haben Sie als Schlagzeuger besondere Vorlieben oder Vorbilder?

Michael Keul: Ich bin ein großer Fan von Connie Kay. Seine Spielweise ist unspektakulär, aber auch unheimlich swingend.Er spielt sehr transparent, und das unterstützt die kammermusikalische Art. Dabei fasziniert mich besonders, wie ein Schlagzeuger mit wenig Mitteln unheimlich viel herausholen kann. Aber natürlich kommt man an den großen Namen wie Art Blakey, Elvin Jones, Philly Joe Jones oder Max Roch nicht vorbei. Ich spiele aber auch gerne mit einer Bigband.

Wie verlief Ihre erste Begegnung mit dem Jazz?

Michael Keul: Ich komme aus Bad Kissingen, dort war der Jazz überhaupt nicht präsent. Ich hatte aber am Gymnasium einen Zeichenlehrer, der Jazz-Fan war. Von ihm bekam ich Schallplatten, und er fuhr auch immer zu Konzerten nach Frankfurt oder Nürnberg. Ich durfte öfter mitfahren, und das war mein Einstieg in die große Welt des Jazz. Aber auch im Fernsehen gab es früher noch Jazz. Da wurde einmal ein Konzert mit der Thad Jones/Mel Lewis Bigband aus dem Münchner Domicile gesendet. Diese Musik war mir völlig fremd, aber sie hat mich total fasziniert. Später saß ich selbst in der Band von Al Porcino, der in den 70er Jahren auch im Orchester von Thad Jones mitspielte.

Wie steht es mit Auftrittsmöglichkeiten für dieses Quartett?

Michael Keul: Wir waren kürzlich in Leipzig und Frankfurt. Da wir alle mit verschiedenen anderen Gruppen unterwegs sind, ist es oft schwierig, gemeinsame Termine zu finden. Ich persönlich spiele lieber in Jazz-Clubs, als auf Festivals. Hier spürt man das direkte Feedback, wenn das Publikum ganz nahe an der Bühne ist. Auch versuchen wir immer, so akustisch wie möglich zu spielen.

Wie sehen Sie die Zukunft im Jazz? Spielstätten werden immer weniger, der CD-Verkauf sinkt, das Publikum wird immer älter.

Michael Keul: Wir bilden mittlerweile in Deutschland an 22 Musikhochschulen den Jazz-Nachwuchs aus, aber die jungen Leute haben heute einen ganz anderen Zugang zur Musik. Viele, wie die „Jazzrausch-Bigband“, spielen gar nicht mehr in traditionellen Jazzclubs. Sie spielen dort, wo auch ein DJ Platten auflegt und haben selbst Rap-Sänger dabei. Dort findet man auch ein junges Publikum.

Sie waren schon mehrmals Gast beim Jazz-Zirkel, u.a. mit Ed Kröger oder Dusko Goykovich. Haben sie dazu besondere Erinnerungen?

Michael Keul: Zum Konzert mit Dusko Goykovich und Scott Hamilton fällt mir ein, dass alles gerammelt voll war. Das ist immer sehr schön. Zum anderen fahre ich immer gerne in die Oberpfalz, da unsere Familie mütterlicherseits aus dem Sudetenland kommt. Es hat so ein bisschen was heimatliches! Wir freuen uns auch jeden Fall auf das Konzert und auf die angenehme Atmosphäre im Club. Es ist für uns noch einmal ein Highlight zum Jahresende.

Das Konzert mit dem Quartett JPEK findet am Freitag, 14. Dezember um 20 Uhr im „Bistrot Paris“ (Sebastianstraße 2) statt.

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/87290, www.nt-ticket.de und Abendkasse.

 
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