Weil Angebot und Nachfrage unendlich weit auseinanderlagen, hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) die Ausschreibung für die Bahnstrecken von München nach Prag und nach Hof gestoppt. Nach der Meldung vom späten Freitagnachmittag bleibt nun bis auf Weiteres unklar, wie nach 2028 der Regionalexpress-Verkehr auf der wichtigsten Bahnlinie in der Oberpfalz aussehen wird.
Hintergrund der ungewöhnlichen Nachricht aus dem Münchener Staatsunternehmen sind wohl die Ausschreibungsmodalitäten. Laut Bayerns ProBahn-Vorsitzenden Lukas Iffländer hatte die BEG für die Regionalexpress-Strecke durch Nordostbayern ab 2028 eine Ausweitung des Angebots vorgesehen.
Mehr Sitzplätze
Neben zusätzlichen Verbindungen war auch eine Ausweitung des Sitzplatzangebots südlich von Regensburg vorgesehen. "Künftig sollen dort 800 Plätze angeboten werden, aktuell sind es etwa 500", erklärt Iffländer. Eine weitere Neuerung: Auch bei Lokomotiven und Triebwagen hatte die BEG Verbesserungen vorgegeben, forderte modernere und Schadstoff-ärmere Maschinen und Waggons.
Was gut klingt, erwies sich nun als Hindernis für die Ausschreibung. Die läuft bei Bahnstrecken in Bayern so, dass die Anbieter Preise aufrufen, die die BEG ihnen bezahlen muss, damit sie das geforderte Angebot zur Verfügung stellen. Die Kluft zwischen der BEG-Erwartung und den Angeboten summierte sich für beide Strecken und den über mehr als 12 Jahre laufenden Vertragszeitraum auf über eine Milliarde Euro, heißt es in der BEG-Mitteilung.
Für Lukas Iffländer macht sich darin zunehmend bemerkbar, dass auf der Strecke zwischen Diesel und E-Antrieb gewechselt wird. Dieser Wechsel werde immer aufwendiger, weil Fachkräfte fehlen. Für die Länderbahn dürfte die Ausschreibung zudem auch deshalb unattraktiv gewesen sein, weil ihre bisherigen Lokomotiven und Waggons nicht mehr zugelassen worden wären.
ProBahn fordert Hybridzüge
Im Ergebnis steht nun der Abbruch. Demnächst soll es eine neue Ausschreibung geben. Iffländer rechnet damit, dass es zunächst eine Verlängerung der aktuell gültigen Vertragsbedingungen als Übergang gibt, weil die Zeit für die neue Ausschreibung zu knapp wird. Schon dies sei keine gute Nachricht, weil das bedeute, dass die zu schwach motorisierten DB-Lokomotiven auf der Verbindung von Hof nach Regensburg weiter im Einsatz bleiben. Diese Zugmaschinen gelten als Hauptgrund für häufige Ausfälle und Verspätungen.
Für die neue Ausschreibung formuliert Iffländer für ProBahn dann eine klare Forderung: Die Bahnkunden-Lobby-Vereinigung erwartet, dass nicht die vorgegebenen Standards abgesenkt werden. Die BEG sollte vielmehr auf eine moderne Zugreihe setzen, die sich sowohl mit Batterie, Strom oder Wasserstoff antreiben lässt. "Das wäre für die Übergangszeit zur Elektrifizierung der Strecke die optimale Lösung", sagt Iffländer. Zudem würden diese Züge über Neigetechnik verfügen, was besonders die Fahrzeit nach Prag verkürzen würde.
Eine entsprechende Ausschreibung läuft bereits für das Zugangebot im Allgäu für die Zeit ab 2029. Iffländer fände es sinnvoll, diese auch auf die Verbindungen in Nordostbayern auszuweiten. Vermutlich würde dies nicht dazu beitragen, die Kosten für die Verbindung auf den Stecken zu senken. Angesichts der Summen, die insbesondere in das Münchener S-Bahn-Netz stecken, wäre es ein angemessenes Zeichen, dass die Oberpfalz beim Bahnverkehr eben nicht nur "Restbayern" ist.













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