Weiden in der Oberpfalz
23.10.2018 - 17:07 Uhr

Kunst beginnt im Kinderzimmer

Jahresausstellung des Arbeitskreises Kunst im Oberpfalzverein im Weidener Kulturzentrum Hans Bauer

Uwe Müller und Gisela Walbrunn (von links) haben die Ausstellung federführend vorbereitet. Rechts der ehemalige Vorsitzende des Oberpfalzvereins, Willibald Strohmenger. Daneben der stellvertretende Arbeitskreisvorsitzende Josef Karl. Bild: Helmut Kunz
Uwe Müller und Gisela Walbrunn (von links) haben die Ausstellung federführend vorbereitet. Rechts der ehemalige Vorsitzende des Oberpfalzvereins, Willibald Strohmenger. Daneben der stellvertretende Arbeitskreisvorsitzende Josef Karl.

"Unsere Zeit braucht nicht noch mehr Leistungsbezug, Perfektion und Bürokratismus, sondern viel mehr Kreativität", fordert Uwe Müller bei der Vernissage zur 40. Jahresausstellung des Arbeitskreises Kunst im Oberpfalzverein. Kunst und Kreativität bräuchten eine größere Wertigkeit in der Gesellschaft. "Ist der Lebenswert in unserer Zeit nur messbar an Zahlen, am Geldbeutel?"

Wenn man sich umsieht im Kulturzentrum Hans Bauer, wird deutlich, dass es in großen Galerien vermeintlich hochwertigere Kunst gibt, als diejenige, die hier gezeigt wird. Mehr als ein Dutzend Künstler aus der Region stellen aus: Drechslereien, Puppenhäuschen, Stillleben, Zeichnungen, Objekte, Keramiken, Kunsthandwerk. Aber diese Kunstwerke sind beachtlich. Sie sind vielseitig und offenbaren "Flugversuche" und Eigenverantwortung. Sie sind mit Liebe gemacht.

Jeder Mensch könne malen, sagt Müller. Oft scheitere die Motivation, einen Pinsel in die Hand zu nehmen, nur am ständigen Messen mit anderen. Mit "Leistung erbringen." Wie schon Armin Müller-Stahl formuliert habe, sei künstlerische Betätigung gleichzusetzen mit Loslassen, Träumen und vollkommener Freiheit. Wer seine künstlerische Betätigung aufs Rentenalter hinausschiebt - nach dem Motto: Man braucht ja eine Beschäftigung - habe den tieferen Sinn nicht erkannt. Kreativität brauche es schon im Kinderzimmer.

"Unsere Kinder aber werden mit Spielzeug zugemüllt. Kreativität kann mit den meisten angebotenen Spielsachen eigentlich nur zugeschüttet werden." Müller folgert weiter: "Und dann wundern wir uns, wenn im Erwachsenenalter Menschen in verantwortlichen Positionen nur nach dem Buchstaben der Vorgabe entscheiden. Haben diese Entscheider jemals irgendwo Kreativität geübt?" Ästhetische Erziehung sei mehr als die Auseinandersetzung mit den schönen Dingen des Lebens. Sie bedeute, kreative Verantwortung für den Erhalt der schönen Heimat zu übernehmen. "Und da gibt es viele Dinge. Es lohnt sich, darüber nachzudenken."

Schon ins Kinderzimmer gehörten Stifte, Papier, Knete, Malkasten, Bausteine und Dinge des täglichen Lebens: Schachteln, Schere, Kleber. Vor allem die Möglichkeiten, eigene Entscheidungen zu treffen. "Wir wollen, dass Menschen in ihrem täglichen Leben in jeder Funktion, egal ob als Arbeiter, Beamter, Lehrer, Politiker oder Industrieboss, durch Kreativität den Lebenswert und die Qualität ihrer Arbeit erhöhen", betont der Ausstellungsmacher.

In Japan sei man hier schon ein Schritt weiter. "Regierungen, Städte und Firmen haben das bei uns in Deutschland leider vielfach noch nicht erkannt." Der im Juli verstorbene Günter Alois Stadler, der den Arbeitskreis Kunst 43 Jahre lang geleitet hatte, habe diese Kreativität gelebt. Als Grafiker bei Bauscher, Mundartdichter, Volkstänzer und in der Kunst.

Der Oberpfalzverein ist aktuell führungslos. Der Vorsitzende ist im Mai zurückgetreten. "In der Kunstszene hatten wir ein Alleinstellungsmerkmal", unterstrich Müller, der die Ausstellung organisierte und den Verlust des Vorsitzenden bedauerte. "Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Günter fehlt uns in jeder Hinsicht." Müller: "Wir haben ein ganzes Team gebraucht, um das zu verteilen, was Günter überwiegend alleine geschultert hat."

Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt täglich von 12 bis 18 Uhr zu sehen. Bei "Kunstgenuss bis Mitternacht" am Freitag, 26. Oktober, ist bis Mitternacht geöffnet.

 
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