Land ohne Bauern?

BDM lädt ein: Podiumsdiskussion mit prominenter Besetzung in Neustädter Stadthalle.

BDM-Vordenker Werner Reinl (von links) mobilisiert seine Milchbauern Hubert Meiler sowie Anja und Christian Beutner.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Wie sähe das Oberpfälzer Dorf ohne Landwirte aus? "Wenn die Bauern weg sind, wird's ohne Schlepper kein Johannisfeuer mehr geben", zählt Werner Reinl, Kreischef des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) auf, "ohne Bauernbuben keine Flosser Kirwa." Mitstreiter Hubert Meiler ergänzt: "Wer stellt heute noch den Maibaum auf?" In Weiden müsse das die Stadt finanzieren. "Wir kämen nicht auf die Idee, dafür Geld zu verlangen."

Das Kinder- und Jugendprogramm mache am Dorf ein Verein, ein Bauernhof sei noch Mehrgenerationen-Haus, das Verständnis zwischen Jung und Alt fördere - und Studien bestätigten: "Kinder, die mit Tieren in Berührung kommen, sind gesünder." Ganz zu schweigen von der Pflege der Landschaft: "Die wäre für die Kommunen unbezahlbar - wenn die Flächen an den Flussauen nicht gemäht werden, hätten Storch und Habicht nichts zu fressen." Kurzum: Das Schreckensbild vom Land ohne Volk würde Wirklichkeit.

Der örtliche BDM will mit der Podiumsdiskussion am kommenden Montag, 20 Uhr,in der Stadthalle von Neustadt/Waldnaab nicht nur auf seine Belange aufmerksam machen. Die Milchbauern wollen mit der Bevölkerung ins Gespräch kommen: "Früher ist man im Wirtshaus zusammengesessen", sagt Reinl, "heute hat keiner mehr Zeit oder man bleibt unter sich." Es fehle das gegenseitige Verständnis. Wegen ökonomischer Zwängen müssten Landwirte am Wochenende säen und düngen: "Das gefällt uns selbst nicht, kein Wunder, dass es andere stört", versteht Meiler, dass sich mancher Sonntagsspaziergänger belästigt fühlt.

Aber auch die großen Zusammenhänge und aktuellen Problemlagen wollen die Landwirte bei der Debatte mit den Landtagsabgeordneten (siehe Infokasten) ansprechen:

  • Strukturpolitik: Mit seinem Marktverantwortungsprogramm möchte der BDM auf europäischer Ebene die produzierten Mengen regeln.
  • Dürre: Anstatt Dürrehilfen plädiert der BDM für Hilfe zur Selbsthilfe: "Wir brauchen gesunde Betriebe, die selbst Krisen überwinden können", sagt Reinl.
  • Gemeinsame Agrarpolitik (GAP 2020):Auch eine Umverteilung nach dem Brexit werde keine Probleme lösen. "Die Verbraucher wollen eine gesunde Umwelt, mehr Tierwohl, größere Diversität ", sagt Reinl, "aber so lange der Trend zu immer größeren Betrieben geht, muss der Landwirt noch intensiver wirtschaften."

Der Schlüssel zur Lösung liegt auch im Verbraucherverhalten: "Heute ernährt ein Landwirt über 100 Menschen", stellt Meiler eine Relation her. "Würden 100 Verbraucher bei mir im Hofladen einkaufen, könnte ich ökologischer wirtschaften und mehr für die Tiere tun." Hier müsse auch die Politik helfen: "Man drangsaliert die kleinen Hofläden mit unzähligen Auflagen", kritisiert Reinl. Wohl auch auf Druck der Lobbys - Handelskonzerne und Milchwerke.

Haben Familienbetriebe eine Überlebenschance?:

◘ Martin Schöffel, CSU-Landtagsabgeordneter

◘ Annette Karl, SPD-Landtagsabgeordnete

◘ Sigi Hagl, Landesvorsitzende der Grünen

◘ Hubert Aiwanger, Landesvorsitzender der Freien Wähler

◘ Manfred Gilch, Landesvorsitzender des BDM

◘ Günther Felßner, Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbandes.

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