Ein Leben für den Applaus: Don Felder im Interview

Irgendwie eine traurige Geschichte. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Beteiligten - eigentlich - überzeugte Hippies sein wollen. Doch bei Geld hört es bei selbst ernannten Freigeistern dann doch immer wieder auf mit der Lässigkeit.

Don Felder mit seiner Gitarre. Am
von Autor MFGProfil

Don Felder stieß 1974 zur Westcoast Rock-Band Eagles. Nach einer kurzen Session wurde dem begnadeten Gitarristen aus Florida am Tag danach angeboten, festes Mitglied der Truppe aus Kalifornien zu werden. Felder willigte ein. Blieb bis 1980 bei den Megastars. Prägte den Sound maßgeblich - weniger Western-Klänge als zu Karrierebeginn der Gruppe, mehr Westcoast- und vor allem Rock-Einflüsse. Felder hat schließlich die ewige Hymne "Hotel California" mitkomponiert.

Doch mehr und mehr schlich sich bösartiger Streit ins Band-Gefüge ein. Auf der Bühne kam es regelmäßig zu fiesen Verbalduellen zwischen den einzelnen Mitgliedern. Vor allem zwischen den beiden Gitarristen Don Henley und Don Felder. Zweitgenannter reichte die Scheidung von der Formation ein, die sich gleich danach auflöste. 1994 fand man - irgendwie - erneut zusammen, Felder blieb bis Anfang 2001. Harmonisch war das alles nach wie vor nicht.

Am 6. Februar jenes Jahres wurde Don Felder im Streit um vermeintliche Vertragsverletzungen und vorenthaltene Gewinnbeteiligungen aus der gemeinsamen Vermarktungsfirma "Eagles Ltd." endgültig aus der Gruppe geworfen. Felder klagte. Man einigte sich außergerichtlich, sechs Jahre nach Prozessbeginn. Der smarte Schlaks schrieb ein Buch über sein Leben als "Eagle". Darin ist alles erzählt über diese Geschichte. Behauptet ein immer noch angesäuerter Felder. Über die "Adler" möchte er jedenfalls nicht mehr reden.

Stattdessen spricht der Sunnyboy charmant und geradezu enthusiastisch über sein aktuelles drittes Soloalbum "American Rock 'n' Roll". Eingespielt wurden die Songs zusammen mit Rock-Ikonen wie Peter Frampton, Slash von Guns n' Roses, Bob Weir von Grateful Dead, Joe Satriani, Mick Fleetwood und vielen Ausnahmekünstlern mehr. "Diese Scheibe ist ganz alte Schule", meint Felder gleich zu Beginn des Interviews. "Aber hey, ich bin 71 - unter diesen Umständen darf ich mich unbedingt im Anachronismus suhlen."

ONETZ: Warum ist Ihr neues Werk derart nostalgisch ausgefallen?

Don Felder: Weil ich mit Elvis, Buddy Holly, Little Richard und all diesen US-Rock-&-Roll-Originalen musikalisch groß geworden bin. Dann traten die US-Hippies vom „Woodstock-Festival“ in mein Leben – eine irrwitzige Veranstaltung, bei der ich mich 1969 mit Hunderttausend anderen Verrückten ekstatisch im Schlamm gewälzt habe. All diese Erfahrungen prägen meine neue Scheibe. Ich betreibe damit Ikonen-Bildung. Ganz bewusst. Auch deshalb, weil ich einige der Hippie-Pioniere wie David Crosby oder Stephen Stills persönlich kenne. Mir geht es darum, mit diesem Album etwas Einzigartiges, Freigeistiges hochzuhalten.

ONETZ: Es sind eine Menge berühmter Gäste auf Ihrer Scheibe zu finden. Sind das durch die Bank Freunde?

Ich habe niemanden gezwungen, zu mir ins Studio zu kommen. (lacht) Die Typen waren einfach da. Einer kam nach dem anderen. Viele davon kenne ich durch Benefizkonzerte, die ich absolviert habe. Ich steckte ein paar Tage in San Francisco mit Sammy Hagar fest, Ex-Sänger von Van Halen, wir waren in einem Studio eingemietet. Dort lief uns durch Zufall Joe Satriani über den Weg. Im Anschluss Bob Weir. Ich fragte all diese Leute höflich, ob sie einen kleinen Beitrag für meine Sache leisten wollten. Genau das haben sie getan. Wirklich einfach. Wie in alten Zeiten eben. Alles war unglaublich familiär, selbst wenn einige wenige Beiträge via Computer übermittelt wurden. Von Herzen kamen sie trotzdem.

ONETZ: Welches Verhältnis haben Sie zu Ihrem Instrument, der Gitarre?

Ein extrem enges. Was daran liegt, dass ich aus armen Verhältnissen stamme. Die erste Klampfe war ein billiges Ding, mein älterer Bruder hat sie mir besorgt. Ich habe mich sofort in das Teil verliebt. Unentwegt darauf gespielt. Eine Menge Leute in meiner Umgebung damit genervt. Aber letztlich hat es sich ausgezahlt, dass ich an der Sache dran geblieben bin.

ONETZ: Wenn Sie Ihre Langzeit-Karriere reflektieren – sind Sie stolz auf alles, was Sie gemacht und erreicht haben?

Natürlich nicht, wie könnte ich? Musikalisch stehe ich hinter ziemlich allem, was ich fabriziert habe. Aber menschlich, nun ja. Don Henley und ich hatten gute gemeinsame Zeiten, in denen wir viel gezecht und dabei gemeinsam Songs geschrieben haben. Aber es gab eben auch hässliche Phasen, vor allem am Schluss unserer Kooperation. Unabhängig davon bin ich ganz egoistisch stolz darauf, Eagles-Mitglied gewesen zu sein. Dadurch habe ich finanziell bis ans Ende meiner Tage ausgesorgt.

ONETZ: Sie sind aktuell einmal mehr auf Tour. Bringt dieses „On The Road“-Leben immer noch Spaß?

Ich bin Vollblut-Musiker. Deshalb ist es immer wieder spannend, im Studio neues Zeug aufzunehmen. Aber der ganz große Kick – den verleiht mir nach all der langen Zeit jener Moment, wenn ich auf die Bühne stiefle. Dann kommt der Applaus. Und gleich darauf die Ekstase. Das ist es, wofür ich lebe.

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