Lieder vom ersehnten Glück

Frauke May und Bernhard Renzikowski interpretieren utopische Wünsche

Beim Liederabend in der Max-Reger-Halle interpretieren Frauke May (rechts) und Bernhard Renzikowski die Utopie.
von Reinhold TietzProfil

Achtzehn Lieder, vier Komponisten, ein Thema: Utopie. Beim Liederabend am Dienstag in der Max-Reger-Halle beschäftigen sich Frauke May (Mezzosopran) und Bernhard Renzikowski (Klavier) musikalisch mit den utopischen Wünschen der Menschen.

Gleich zu Beginn beweist das Duo sein Können: Bei Gustav Mahlers "Es sungen drei Engel einen süßen Gesang" erfüllen beide jegliche Ansprüche des Textes. Fröhlich und bitter, in lieblicherManier, folgt "Wie Melodien zieht es" op. 105/1 von Johannes Brahms, ergreifend überzeugt das Duo mit "Der Genesene an die Hoffnung" von Hugo Wolf: In diesem Lied bittet der Genesene um Hoffnung und Beistand. Mit "Auf dem Kirchhofe" op. 105/4 von Johannes Brahms schildern die Musiker die Gefühle eines Friedhofs-Besuchers.

"Der Tambour" von Hugo Wolf dagegen ist in einem Wunschtraum gefangen und kommt nur schwer mit der Wirklichkeit klar. "Das verlassene Mägdlein" von Hugo Wolf weckt schmerzhafte Erinnerungen an den Verflossenen. Auch hier wird besonders deutlich, dass Hoffnung einer der wichtigsten Bestandteile von Utopien ist. Frauke May und Bernhard Renzikowski vermitteln in "Unbewegte laue Luft" op. 57/8 von Johannes Brahms die Ruhe der Natur, während die sprunghaften Gedanken des Erzählers von Sehnsucht nach der Angebeteten erfüllt sind. Brahms hat den Kontrast zwischen der Ruhe der Natur und der Seelenunruhe tiefsinnig dargestellt - die Vortragenden wissen dies glaubhaft an die Zuhörer weiterzugeben.

Frauke May gelingt es, die vielen Gefühle des Textes musikalisch einfühlsam in ihren Gesang einzuflechten, wobei sie Bernhard Renzikowski aufmerksam begleitet. In "Begegnung" von Hugo Wolf gleitet ein "ungebetener Sturm" vorüber, dann eilt morgens ein Mädchen vorbei, ohne den Burschen zu beachten, mit dem sie die Sturmnacht stürmisch verbracht hat. Das Thema Liebe bleibt aktuell: Auch "Vergebliches Ständchen" op. 84/4 von Johannes Brahms thematisiert eine aufwühlende Situation, Brahms "Mainacht" op. 43/2 dagegen schildert die Schönheit der Nacht im Kontrast zur Trauer des Erzählers. Entsprechend gehaltvoll und leise sind die Töne des Gesangs und der Begleitfiguren.

May und Renzikowski interpretieren auch Gustav Mahlers "Lob des hohen Verstandes", das ironisch das Singen der Nachtigall gegen den Gesang des Kuckucks wertet. Es folgt Mahlers Lied "Starke Einbildungskraft", dass das erhoffte Glück schildert, wenn "Mädchen" und "Büble" endlich eins werden. Beim Thema Sehnsucht bleibt das Duo mit Hugo Wolfs hymnischem "Gesang Weyla's". Glück in der Liebe wünscht eine Nixe in Wolfs Ballade "Die Nixe Binsefuss" und in "In der Frühe" besingt May den Morgen, der die Sorgen der Nacht vertreibt. Zum Abschluss interpretieren die beiden ein Lied von Max Reger. "An die Hoffnung" will klangvoll den Menschen dazu bringen, in allen Situationen die Hoffnung auf Besserung nie zu verlieren.

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