Wenn man lächeln hören kann

Gemischte Doppel haben Hochkonjunktur in der Musikwelt: Die Frau singt mit glockenklarer Stimme, der Mann spielt Akustikgitarre. Fertig ist der Mix für ein gängiges Neo-Folk-Duo. Im Falle von Mara und David wäre dies aber die Untertreibung des Jahres.

Mara und David auf der Kleinkunstbühne in der Weidener Max-Reger-Halle.
von Autor otjProfil

Davids Kunstfertigkeit und Maras Stimmdynamik - das, was es für die Zuhörer auf der Kleinkunst-Bühne zu hören gibt, ist ganz großes Tennis. Um noch kurz in der Sprache des Sports zu verharren, sei das verhaltensauffällige Spiel von David Sick folgendermaßen beschrieben: körperbetont.

Wie ein reinkanierter David Byrne windet er sich um seine Gitarre, pickt, klopft den Rhythmus. Er knüpft nicht den harmonieverliebten Teppich für Mara von Ferne. Er ist gleichermaßen Rhythmus-Sektion und Dramaturg, der für die Songs eine ganz eigene Atmosphäre schafft. Für fast jeden Song stimmt er sein Instrument um. Kein Wunder, dass seine Kirschholz-Gitarre einen eigenen Namen hat: Chérie.

Duo ohne Schublade

In dieser intensiven Stimmung entfaltet Mara von Ferne - was für ein schöner Künstlername - einen schier grenzenlose Stimmumfang. Völlig mühelos wechselt sie zwischen Brust- und Kopfstimme, hält die Töne für gefühlte Minuten. Mal lässt sie die Worte leise wispernd ins Publikum knistern, ein anderes Mal füllt sie mit Hochdruck den ganzen Raum bis unter die Decke. All dies tut Mara mit einnehmendem Charme - man kann buchstäblich hören, dass sie beim singen lächelt.

Stilistische Zuweisungen sind schwierig. Immer, wenn man denkt, man könnte das Duo in eine Schublade packen, geht einen Song später eine neue auf. Da gibt es, der Kombi aus Akustikgitarre und Gesang geschuldet, durchaus Folkiges. Die Komplexität des Spiels von David Sick lässt einen aber an Jazz denken. Und schon biegen die beiden mit einem Song wie "Big Mama" in Richtung Brasil ab. Der selbstreferenziellen Nummer "1997" erinnert an College-Rock-Größen wie Pavement oder Modest Mouse. Damit nicht genug: Mit einem MacBook auf der Bühne wäre sogar Trip-Hop denkbar. Zu guter Letzt verneigt man sich mit einer Cover-Version von "The Forest" vor den New Wave-Ikonen The Cure.

Lyrisch und sentimental

Was die Texte angeht, entziehen sich Mara und David einer klaren Interpretation. "Wenn wir erklären könnten, um was es in den Songs geht, hätten wir sie ja nicht schreiben müssen", erklärt Mara, David ergänzt: "Dafür ist Musik doch da." Wahre Worte. Die Themen reichen von einer Hymne an alte Menschen, die nie das Strahlen in sich verloren haben, über das Seelenleben einer Möwe bis zu einem Blick auf einen Schwarm Libellen, der für die Menschen steht, die etwas Besonderes sein möchten. Das ist lyrisch, sentimental und einfach großartig. Ein Auftakt nach Maß also für die Reihe Klein und Kunst, die Lust auf mehr, viel mehr macht. Zum Beispiel auf Benni Benson, der am Donnerstag, 18. Oktober, die Kleinkunstbühne in der Max-Reger-Halle entert.

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