Medikamente durch die Klappe

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker: Wo Praxen wegen Corona überlastet sind, kommt auf Pharmazeuten viel zu. Die Käfer-Apotheke in Sulzbach-Rosenberg, die Mohren-Apotheke in Weiden und die Rosen-Apotheke in Vohenstrauß laufen auf Hochtouren.

Vor der Eingangstüre einer Apotheke hat sich eine Menschenschlange gebildet, weil nur noch jeweils ein Kunde die Apotheke betreten darf. Die Ansteckungsgefahr für Kunden und Mitarbeiter soll so gesenkt werden.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Ich bin sehr stolz auf meine Mitarbeiter", sagt Martin Wolf, stellvertretender Bezirksvorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands. "Die haben mir eine Zwangspause verordnet, nachdem ich das ganze Wochenende durchgearbeitet habe", erklärt der Chef der Rosen-Apotheke in Vohenstrauß. Gerade in dieser Zeit sei man eine wichtige Institution: "Man fühlt sich sehr stark gefordert, sind aber auch gewohnt, hart zu arbeiten."

Eingedeckt mit Dauermedikation

Was auf Lebensmittel zutrifft, gilt verschärft für Arzneimittel: "Wir sehen momentan ein deutlich erhöhtes Kundenaufkommen", sagt Charlotte Ackermann-Strobl von der Käfer-Apotheke in Sulzbach-Rosenberg, "da sich viele Patienten auch mit ihrer Dauermedikation eindecken."

Dazu kommt die ungebrochene Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Mundschutzmasken: "Als Folge der Hamsterkäufe sind Masken im medizinischen Bereich kaum noch zu beschaffen", bedauert Andreas Biebl, Sprecher des Bayerischen Apothekerverbands in Weiden. "Wir bekamen heute von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) die Empfehlung, nur noch für den individuellen Bedarf zu verkaufen."

Knappe Medikamente

Zwar mahne ABDA-Präsident Friedemann Schmidt zur Ruhe: Nach wie vor gebe es keine durch die Coronakrise verursachten Engpässe in der Arzneimittelversorgung. Gleichzeitig wird aber die Abhängigkeit von der nach Asien abgewanderten Arzneimittelproduktion beklagt. "Die Probleme haben wir seit längerer Zeit", sagt Biebl. "Nach Spahns Empfehlung einer Pneumokokken-Impfung für Risikopatienten war der Impfstoff nach zwei Tagen aufgebraucht."

Es gebe in diesem sensiblen Bereich keine Überproduktion, die Medikamente müssten vom Paul-Ehrlich-Institut freigegeben werden: "Man kann nicht schnell mal die Produktion hochfahren." Auch bei anderen Arzneimitteln, wie etwa Schilddrüsenmedikamenten, die auf der Substitutionsausschlussliste stünden, und deshalb nicht von einem Produkt mit gleichem Wirkstoff ersetzt werden dürften, könne es kurzfristig Engpässe geben.

Abstand halten

Im direkten Kundenkontakt gelten in der Apotheke natürlich die selben Naturgesetze: "Abstand halten", mahnt Wolf. "Nachdem heute die Gefährdungsstufe vom Robert-Koch-Institut hochgesetzt wurde", ergänzt Biebl, "haben wir jetzt zwei Schalter in die bestehenden Automatiktüren eingesetzt."

Damit sei der Kopfbereich geschützt, bedient werde auf Bauchhöhe. Und zwar im Rahmen der normalen Ladenöffnungszeiten. "Die Landeskammer hat eine Mindestöffnungszeit festgelegt, die uns eine Reduzierung erlaubt, der Gesetzgeber hat uns eine Ausdehnung auf Sonn- und Feiertage sowie bis 22 Uhr an Werktagen freigestellt." Die Öffnungszeiten reichten bisher aus, um die Nachfrage zu bedienen. Die Möglichkeit zur Einschränkung sei notwendig, wenn etwa Teile der ohnehin überlasteten Belegschaft ausfielen, erklärt Apotheker Wolf.

Vorsichtige Prognose

Auch Apotheker sind keine Hellseher, keiner will spekulieren: "Ich glaube aber", räumt Biebl ein, "dass sich das virulente Virus durch die Wärme nicht stoppen lässt." Erschwerend hinzu komme, dass es schnell mutiere, weshalb es schwierig sei, einen Impfstoff herzustellen. "Man muss, wie bei Grippestämmen auch, befürchten, auch nach überstandener Erkrankung nicht für alle Zeit immun zu sein."

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