Weiden in der Oberpfalz
27.03.2024 - 11:21 Uhr
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Meteorologe Andy Neumaier: "Dieser Sommer wird es keinem recht machen"

Wie das Wetter im kommenden Sommer wird, weiß Wetterexperte Andy Neumaier so lange im Voraus nicht. Aber das Klima, das wird immer wärmer, mahnt er im Gespräch mit unserem Karrieremagazin "work:life OBERPFALZ".

Andy Neumaier ist Meteorologe und erstellt Wetterprognosen unter anderem für die Bundeswehr und Medienunternehmen, insbesondere für Oberpfalz-Medien. Bild: Andy Neumaier
Andy Neumaier ist Meteorologe und erstellt Wetterprognosen unter anderem für die Bundeswehr und Medienunternehmen, insbesondere für Oberpfalz-Medien.

ONETZ: Was gefällt Ihnen besser, ein kalter, sonniger Wintertag oder ein trüb-schwüler Juli-Abend?

Andy Neumaier: Ein kalter, sonniger Wintertag. Ich finde, Schwitzen ist das viel blödere Gefühl als Frieren. Gegen das Frieren kann ich was anziehen, gegen das Schwitzen nicht.

ONETZ: Wie wird denn das Wetter in diesem Sommer?

Andy Neumaier: Es wird mit Sicherheit wieder heiße Tage geben, und es wird mit Sicherheit wieder regnen. Und es wird mit Sicherheit so sein, dass man es keinem recht machen kann. Im Ernst: Man kann das Wettergeschehen zwar modellieren, aber das ist reine Theorie. Wetter kann man letztlich über solche Zeiträume nicht vorhersagen. Klimaprognosen dagegen lassen sich schon treffen. Und die sagen auch für uns voraus: Es wird immer wärmer.

ONETZ: Ab welcher Temperatur müssen auch jüngere Menschen aufpassen?

Andy Neumaier: Einen Richtwert dafür vorzugeben, wann’s gefährlich wird, ist schwer. Es kommt darauf an, wie man körperlich beieinander ist. Mir persönlich genügen 25 bis 28 Grad Lufttemperatur vollkommen. Was darüber ist, ist mir zu warm. Aber, das ist halt bei mir so. Manche legen sich ja selbst bei 45 Grad noch in die Sonne. Man sollte aber auf Warnzeichen achten: Steigt der Puls? Habe ich Durst? Wenn letzteres der Fall ist, sollte ich auch trinken und das nicht abtun. Vielleicht nicht unbedingt einen Wodka-Red-Bull.

ONETZ: Mountainbiken am Wochenende, ja oder nein? Mit welchen Apps lässt sich schnell klären, ob das Wetter mitspielt?

Andy Neumaier: Die handelsüblichen Handy-Apps sind für die nächsten Stunden meistens ganz tauglich. Ich nutze zum Beispiel gerne Wetteronline.de oder die App im I-Phone. Mein Favorit ist aber Kachelmann-Wetter als App oder über den Webbrowser. Für mich ist es wichtig, ein Regen-Radar zu haben. Das sagt mehr aus als die Piktogramme mit Wahrscheinlichkeitsangaben, Regentropfen oder Sonnenstrahlen. Prinzipiell muss man wissen, dass die Apps unterschiedliche Wettermodelle nutzen. Die prognostizieren das Wetter mit unterschiedlichen Parametern und unterschiedlicher Genauigkeit im Raum. Vereinfacht gesagt: Die Amerikaner treffen ihre Wetterprognosen anders als der Deutsche Wetterdienst. Kachelmann nutzt eine Vielzahl von Wettermodellen, legt die übereinander und errechnet damit einen Trend. Damit ist man dann schon nah am echten Wetter. Wetterlagen wie Hochnebel machen aber auch hier lokale Prognosen sehr schwer. Gottseidank, sonst wäre ich irgendwann mal ohne Arbeit.

ONETZ: Apropos Arbeit, die Klimaveränderungen werden Einfluss auf den Arbeitsmarkt haben. Wo denken Sie, werden sich für jüngere Menschen dadurch Chancen auftun?

Andy Neumaier: Eines vorweg: Den Klimawandel werden wir nicht verhindern. Es gibt viel zu viele Länder, die ihre Einsparungen nicht hinkriegen. Also sollte man sich anpassen, Länder anschauen wie Spanien, Italien. Die haben das Wetter, das wir kriegen werden, schon lange. Ist künftig eine Siesta vernünftig? Dann gibt es halt am Nachmittag länger frei. Anderes Extrem: Wenn es in Frankfurt drei Zentimeter schneit, dann fallen gefühlt 500 Flüge aus. Wie machen das denn die Skandinavier? Ohne ein Wirtschaftswissenschaftler zu sein, denke ich, dass sich aus solchen Anpassungsüberlegungen heraus neue berufliche Chancen ergeben werden.

ONETZ: Mit Ihrem Wissen als Wetter- und Klimabeobachter: Was würden Sie einem Menschen raten, der in den nächsten Jahren ein Haus bauen möchte?

Andy Neumaier: Die Sonnenstunden sind in der Oberpfalz mittlerweile oft über dem langjährigen Mittel. Das ist ein eindeutiger Trend in meinen Auswertungen. Daher würde ich spontan sagen: Solar aufs Dach und gut dämmen.

Meteorologe Andy Neumaier ist in Tirschenreuth geboren und in Mitterteich aufgewachsen. Er erstellt Wetterprognosen unter anderem für die Bundeswehr und Medienunternehmen. insbesondere für Oberpfalz-Medien

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