Mitreißende schwebende Klänge

Diejenigen, die am Sonntag in den Sitzungssaal des Alten Rathauses gekommen sind, erleben eine gelungene Konzert-Matinee des Weber-Duos mit Ruzalia Kasimova an der Klarinette und Igor Androsov am Klavier.

Das Weber-Duo spielt im Alten Rathaus in Weiden. Die beiden Moskauer Ruzalia Kasimova (Klarinette) und Igor Androsov (Klavier) überzeugen.
von Reinhold TietzProfil

Zunächst gibt Moderatorin Susanne Popp eine kurze, aber informative Einführung in die Werke, die vorgetragen werden. Das Motto des Konzerts lautet "Schwebende Klänge", und Popp weist vor allem darauf hin, dass in der Musikgestaltung des frühen 20. Jahrhunderts die Bindung der Töne an die Anforderungen einer bestimmten Tonart wesentlich gelockert oder sogar aufgegeben wurden, sodass neue Klangbilder entstehen konnten. Das passt zu den Werken, die vorgetragen werden.

Mit der umfangreichen und viele Stimmungen gestaltenden "Sonate B-Dur für Klarinette und Klavier" op. 107 von Max Reger beginnt der Musikvortrag. Eine große, ernste Melodie prägt den beginnenden "Moderato"-Satz, welcher dem Blasinstrument viele Möglichkeiten der Tongestaltung gewährt, die Ruzalia Kasimova gekonnt nutzt. Igor Androsov unterstützt aufmerksam und einfühlend die Modulationen, die eine breite Stimmungsfülle hervorrufen. Schon hier wird deutlich, dass schwebende Klänge nicht etwa Atonalität, sondern eine Erweiterung der Tonkombinationen bedeuten.

Das beweisen wiederum das sehr rasche "Vivace" mit seinen langsamen Kontrastpassagen, ferner das wehmütige anschließende "Adagio" und das wieder bis zum "Vivace" partiell auflebende "Allegretto"-Finale, das ganz leise endet. Eine echte Entdeckung, dieses selten zu hörende Meisterwerk, noch dazu in solch gelungener Interpretation. Nach der Pause erklingt zunächst die "Sonate in einem Satz" op. posth. von Alexander Tscherepnin. Ungewohnte Klangmischungen gibt es zu hören. Sie finden im rasanten "Allegro con brio" statt. Beide Interpreten beweisen ausgesprochene Virtuosität und ausgezeichnete Musikalität in der Darstellung der musikalischen Einfälle.

Die folgende "Sonate für Klarinette und Klavier" FP 184 von Francis Poulenc benutzt noch freiere Tonkombinationen, ohne jedoch die Regeln des Zusammenklangs ganz zu vernachlässigen. Das "Allegro tristamente" ist wohl von Schmerz zerrissen, die folgende "Romanza" singt sehr traurig, das abschließende "Allegro con fuoco" rast wie ein Feuerwerk von Tönen dahin.

Den Endpunkt der Matinee bilden die "Vier Stücke für Klarinette und Klavier" op. 5 von Alban Berg. Es sind sehr knapp gehaltene Ausbrüche von emotionsreichem Schweben der Töne wie von sentimentaler Gestaltung der musikalischen Ideen. Alle vier Stücke dauern etwas mehr als sieben Minuten, sie sind zwischen neun und zwanzig Takte lang. Umso bemerkenswerter, welche diversen Stimmungen der Komponist gestaltet. Verhalten bringt das erste Stück etliche Tonkombinationen vor, das folgende Stück deutet eine Kantilene an, eine schwungvolle Tanzgeste prägt das dritte Stück.

Höhepunkt bildet das letzte Stück in seiner allmählichen Steigerung, bis das Blasinstrument in einem ruhigen Tonabstieg den Satz beendet. Nach diesem Vormittag der musikalischen Entdeckung feiert das Publikum die Klarinettistin und den Pianisten mit großem Beifall. Der führt zu zwei Zugaben, einmal dem 2. Satz "Canzona" aus der "1. Sonate für Klarinette und Klavier" op. 161 von Alexander Gretschaninow und der "Tarantella g-moll" von Max Reger. Auch damit findet das Motto des Konzerts "Schwebende Klänge" seine volle Berechtigung.

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