Dem Müll auf der Spur: Unterwegs mit einem Weidener Handreiniger

Besen, Schaufel und Müllgreifer sind sein Handwerkszeug; damit ist er Pizzakartons, Auto-Ankauf-Kärtchen und Zigarettenstummeln auf der Spur. Seit Jahren arbeitet Marcus Drechsler da, wo andere Leute ihren Müll entsorgen.

Marcus Drechsler hat den Dreikantschlüssel gezückt, der die Mülleimer in der Weidener Altstadt öffnet. Er ist wie Johann Nickl (rechts) fast jeden Tag auf der Jagd nach Müll unterwegs durch die Stadt.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Seit Jahren arbeitet er da, wo andere Leute ihren Müll entsorgen. Marcus Drechsler ist Handreiniger - und absoluter Frühaufsteher. "Um vier Uhr bin ich wach." Seine erste Runde dreht er ab 6.30 Uhr, Brotzeit ist um 9 Uhr, Mittagspause um 12. Die dritte Runde endet um 15.30 Uhr. Vorne an seinem Fahrrad ist ein Mülleimer befestigt, daran klemmen Schaufel, Besen und Müll-Zwicker, in der Hosentasche klimpert ein Schlüsselbund. Mit dem Dreikantschlüssel daran öffnet Drechsler die Mülleimer.

Handreiniger sind jeden Tag sechs an der Zahl zwischen Bahnhof und Klinikum unterwegs, jeder hat seinen Bezirk. Als Vorarbeiter ist Drechsler für das ganze Gebiet verantwortlich, er fährt es mit seinem Rad mindestens einmal am Tag ab. "Am unbeliebtesten ist das Gebiet rund ums Klinikum. Das ist das größte." Oft, erzählt der 46-Jährige, fährt er das selbst ab, damit keiner seiner Kollegen die weiten Wege laufen muss - er ist der einzige mit Rad.

Unter den Parkbänken wird gefegt. Unterwegs mit Marcus Drechsler, Weidener Handreiniger.

Laub und Schnapsflaschen

Es ist kurz vor sieben Uhr, als Drechsler mit dem Müllgreifer, "Zwicker" nennt er ihn, Laub aus dem Abfluss des Mauermann-Brunnens am Unteren Markt fischt. Er sieht auf die Uhr. "Jetzt aber schnell." Rasch greift er noch eine leere Schnapsflasche auf. Kaum hat er sie in seine Mülltonne geworfen, sprudelt eine Fontäne Wasser aus dem Brunnen. "Jeden Morgen um sieben Uhr." Er nickt zufrieden.

Wann es am meisten zu tun gäbe? "Die Montage sind am schlimmsten", sagt er. "Am Wochenende machen die Leute den meisten Dreck, besonders im Park. Manchmal sieht das wirklich bös aus." Vor allem, wenn die Leute auch noch ihren Haus- und Restmüll in den Mülleimern im Park entsorgt hätten. "Da sind manche wohl zu faul, ihren Müll zum Wertstoffhof zu bringen." Neue, größere Mülleimer mit gewölbten Deckeln sollen das verhindern.

"Mülleimer leeren steht auch samstags auf dem Plan", sagt er. "Einmal im Monat ist da jeder von uns dran." Im Sommer ist deshalb auch an Samstagen viel zu tun, im Winter wird es ruhiger. Bis auf die eine Nacht: Silvester. An Neujahr bestimmt schließlich die Temperatur, wie viel Arbeit das Aufräumen macht. "Bei weniger als minus drei, vier Grad darf die Kehrmaschine nicht mehr fahren. Ist es richtig kalt an Neujahr, ist alles Handarbeit."

Sagts und greift sich Besen und Schaufel - normalerweise kümmert sich die Kehrmaschine um die Laubhaufen, die aber wurde gerade ans NOC geordert. "Das machen wir zusammen, Hans." Hans, das ist Johann Nickl. Sein Stammbezirk ist der zweite, rund um den Unteren Markt. Seit zwölf Jahren arbeitet Nickl als Handreiniger. Gleichzeitig ist er mit 64 Jahren der Älteste im Bunde. "Ich bin der alte Knacker." Er lacht, nickt dem Chef kurz zu, schnappt sich sein Wagerl und fieselt mit dem Zwicker noch ein paar Kippen aus dem Kopfsteinpflaster. Geduld braucht man da schon.

Marcus Drechsler ist fast jeden Tag auf der Jagd nach Müll unterwegs durch die Stadt.

Hartes (Kopfstein-)Pflaster

Weibliche Kollegen hat Drechsler keine. "Vor allem die Müllabfuhr ist ein klassischer Männerberuf. Körperlich unheimlich anstrengend." Die meisten Straßenreiniger, erzählt Drechsler, haben zuvor als Müllfahrer gearbeitet - wie auch er. "Von daher sind sie das viele Laufen schon gewohnt." Er lacht. Denn laufen müsse man wirklich viel als Handreiniger. "8,5 Stunden, jeden Tag, meistens auf Kopfsteinpflaster."

Seit dreieinhalb Jahren ist Marcus Drechsler Handreiniger, bei der Stadt Weiden angestellt schon im 29. Jahr. Angefangen hat er bei der Müllabfuhr, später wechselte er zum Straßenbau und schließlich zum Wertstoffhof. Drechsler hat sich daran gewöhnt, dass die Leute viel Müll produzieren - und nicht immer sachgerecht damit umgehen. Er hat sich daran gewöhnt, dass er mittags manchmal wieder von vorne beginnen muss: Pizzakartons, Dönertüten, Zigarettenstummel. Besonders mühselige Arbeit sei es, die Auto-Ankauf-Karten vom Boden zu bekommen. "Vor allem, wenn es geregnet hat. Aber wir haben die Dinger noch immer weggebracht."

Gewöhnungssache

Wenn Drechsler redet, spürt man, wie wichtig es ihm ist, das "seine" Stadt sauber bleibt. Manchmal, da ärgere er sich schon, wenn ihm Leute Müll direkt vor die Füße werfen. "Solche gibt es eben auch. Man gewöhnt sich dran." Diesen Satz sagt er oft. Vielleicht braucht man eine Art dickes Fell, wenn man jeden Tag mit dem Müll zu tun hat, den andere Menschen achtlos zu Boden werfen. Ärgern lässt er sich davon jedenfalls nicht.

Auch den ganzen Winter über sind die Weidener Handreiniger auf den Straßen unterwegs. Hat es geschneit, tauschen sie ihre Feger-Wägen für die erste Runde gegen Streu-Wagerl ein. Auch die kleine Kehrmaschine, "Citycat" steht drauf, wird dann zum Streufahrzeug. Ruhig ist es im Winter, sagt Drechsler. Er freue sich dann immer schon auf die Frühjahrskehrung. "Wenn der Split von den Gehsteigen gekehrt wird, bedeutet das, dass es für uns bald wieder richtig losgeht." Dann hat der Müll wieder Saison.

Der Müll in Zahlen:
  • Bei der Stadt Weiden arbeiten sechs Handreiniger. Die Anforderungen laut Stadt: „Körperlich gesund und gründlich“. In Lohngruppe 3 verdient ein Handreiniger mit sechs Jahren Erfahrung rund 2537 Euro brutto. Dazu kommt eine Erschwerniszuschlagspauschale.
  • In Weiden stehen 670 Papierkörbe im Stadtgebiet, 48 Papierkörbe sind in der Fußgängerzone aufgestellt.
  • Für die „Hundetoilette“ mit Beutelspender gibt die Stadt rund 27 000 Euro aus, für Müllabfuhr (Rest - und Biomüll) rund 2 147 000 Euro, für Recyclinghöfe rund 396 000 Euro sowie für den Winterdienst auf den Weidener Straßen 570 000 Euro.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.