Weiden in der Oberpfalz
15.12.2019 - 15:15 Uhr

Munks Mischung macht's

Früher war er Straßenmusiker, heute begeistert er das Publikum auf den Bühnen der großen Städte. Beim Konzert in der Weidener „Sünde“ glänzt Jesper Munk durch Vielseitigkeit – und seine ganz unprätentiöse Schusseligkeit.

Cool, sympathisch, ganz allein – Jesper Munk auf der Bühne in der „Sünde“ Weiden. Bild: Sebastian Reiter
Cool, sympathisch, ganz allein – Jesper Munk auf der Bühne in der „Sünde“ Weiden.

Die Häufigkeit, in welcher die "Sünde" in dieser Vorweihnachtszeit mit Konzerten aufwartet, ist beinahe schon ihren eigenen Adventskalender wert. Wobei Jesper Munk bei einem solchen dann gleich zehn Türchen auf einmal öffnen dürfte, berücksichtigt man das Überraschungspotenzial und die Vielseitigkeit des deutsch-dänischen Musikers aus München.

Versteckt man sich anfangs noch sitzend wie schüchtern hinter dem die Sicht versperrenden Publikum eines ziemlich ausverkauften Hauses und ist auf das reine Hören angewiesen, fällt es zunächst schwer zu glauben, dass vorne auf der Bühne ein erst 27-jähriger Mann steht. Er ist gesegnet mit der rauen, eindringlich wie erfahren klingenden Stimme eines Blues-Veteranen von vielen Jahrzehnten - wenn er es denn so will.

Ganz unprätentiös

Riskiert man dann doch einen Blick, so fällt dieser auf einen sympathischen, gänzlich unprätentiösen jungen Gitarrenspieler, der sich, wie er sagt, den Ticketpreisen angemessen formell in Schale geworfen hat, die Setlist selbstvergessen auf dem Klo liegen lässt und dem dann noch cool der Gitarren-Pick zu Boden fällt, wo er ihn nicht mehr wiederfindet.

Jesper Munk ist allein nach Weiden gekommen, ohne begleitende Band, und eine solche ist auch nicht nötig. Seine Zeit als Straßenmusiker in München hat ihn wohl gelehrt, den Laden allein zu schmeißen und als einsamer, charismatischer Solo-Act die Menge zu begeistern.

Dies geschieht von der ersten Note an. Als Opener hat sich Munk eines seiner Lieblingsstücke aus der langen wie reichen Geschichte des Blues herausgesucht - "Death don't have no Mercy" von Reverend Gary Davis. Er bietet eine kraftvolle, sehr ursprüngliche Version des Klassikers, mit Ecken und Kanten, so als hätten die Black Keys der Danger Mouse-Ära Letzteren durch Caspar Brötzmann ersetzt - und durch einen besseren Vokalisten sowieso.

Doch der junge Münchner Musiker kann auch ganz anders: Obwohl er bei der Erkältungsbekämpfung die üblichen Medikamente in der Zwischenzeit durch Whisky ersetzen musste, verleiht er dem damit assoziierten Tom Waits und dessen Song "All the World is Green" am Piano eine unerwartete Dimension, durch seine sanfte Interpretation mit engelsgleicher Stimme.

Experimentierfreudig

Diese bereits in den Cover-Versionen zutage getretene musikalische Meisterschaft setzt sich dann nahtlos in Jesper Munks eigenen Songs fort, darunter auch ganz neue, vielleicht noch unfertige - im "Experimentierfeld Weiden" fühlt Munk sich wohl genug, um diese am Publikum auszuprobieren.

Hart und weich, introspektiv und ungeschliffen laut - diese vielseitige Melange spiegelt auch die Entwicklung des Musikers Munk wider, der sich gerade bei seinen letzten Arbeiten vom reinen Blues-Act zu mehr melancholisch-feinen wie intimen Klängen hin orientiert hat, welche auch Anleihen aus dem Pop zulassen. Beide Seiten zusammen ergeben schließlich ein unerwartetes, unterhaltsames Ganzes, ein Zeugnis uferloser Musikalität. Die Mischung macht's eben.

 
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