"Oberpfälzer können granteln - aber auf sympathische Weise"

Lastwagensitze und Fahrräder, Porzellan und Straßenwalzen, Chips und Zoigl. Es gibt fast nichts, was von den Unternehmen in der Oberpfalz nicht hergestellt wird. Das lockt an. Menschen aus der ganzen Welt ziehen in die Oberpfalz - und finden eine neue Heimat. Hier erzählen Sie davon.

Dekan Wenrich Slenczka kam Anfang 2010 nach Weiden.
von Julian Trager Kontakt Profil

Diesmal mit Wenrich Slenczka (53). Er ist in Heidelberg aufgewachsen, lebt seit gut acht Jahren in Weiden und ist dort Dekan des evangelisch-lutherischen Dekanats.

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Wenrich Slenczka: Das habe ich immer gehört – vor allem von den Oberpfälzern selber. Das ist ein bisschen Understatement, ich habe sie ganz anders erlebt. Aber natürlich gibt es schon welche, die durchaus granteln – aber auf sympathische Weise. Da steckt ein gewisser Humor dahinter.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Ich habe die Oberpfalz überhaupt nicht gekannt, nicht wahrgenommen. Hier habe ich aber etwas erlebt, was man nicht so oft erlebt: Das Simultaneum. Das ist erstaunlich, seit dem 17. Jahrhundert leben Evangelische und Katholische Kirche parallel. Das ist ein sehr schönes Miteinander.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Ich habe keine richtige Heimat. Ich bin in Heidelberg aufgewachsen, von dort bin ich aber weggezogen bevor ich in die Schule kam. Ich bin eher ein Nomade.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Ich erzähle natürlich von der kirchlichen Situation, aber auch von den Leuten und der Landschaft. Die Berge hier sind wunderschön, auch das Waldnaabtal. Dass man hier von der Stadt aus sofort im Grünen ist, ist toll. Es gibt hier eine städtische Seite mit einem großen kulturellen Angebot und eine fast ein bisschen dörfliche Seite – man kennt viele Leute, wenn man auf die Straße geht.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihm nach Feierabend ein Bier trinken?

Ich habe kaum Kollegen, die Oberpfälzer sind. Bei den Leuten, die mit mir sprechen ist das so, dass sie eher verständlicher sprechen als untereinander. Wenn die Oberpfälzer untereinander sprechen, habe ich schon Probleme. Sprachlich bin ich integrationsresistent. Ich schaffe es nicht, mir einen Dialekt anzugewöhnen.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Ich weiß nicht, wie sich ein Oberpfälzer fühlt. Ich fühle mich hier wohl, kann sagen, dass ich mich zu Hause fühle.

Dekan Wenrich Slenczka kam 2010 in die Oberpfalz.

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