Orgelklang im „Doppelpack“

Johannes Lamprecht beschließt Max-Reger-Wochenende in Weiden

Johannes Lamprecht spielte an der Orgel in St. Michael sein Programm virtuos zweimal hintereinander.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Die „Königin der Instrumente“ erklingt zum Abschluss des Weidener Max-Reger-Wochenendes: Die Kirche St. Michael verwandelt sich dazu am Sonntag zur Konzerthalle – und das nicht nur einmal. Flügel, Violine und Violoncello werden bei den beiden ersten Konzerten der diesjährigen Reihe gespielt. Was bislang fehlt, ist ganz klar: Max Reger ohne Orgelkonzert ist nicht vorstellbar. Deshalb gibt es auch gleich einen „Doppelpack“: Die Ticket-Nachfrage für das Konzert mit Johannes Lamprecht ist so groß, dass es am Nachmittag und am Abend angeboten wird. Der gerade einmal 22-jährige Student der Orgel und katholischen Kirchenmusik meistert seine jeweils gut einstündigen Auftritte mit Bravour. Das Programm hat es in sich, Lamprecht geht dabei keinen Klippen aus dem Weg und demonstriert sein breites Können.

Der Auftakt kommt noch recht „harmlos“ daher, widmet sich der Organist doch drei relativ bekannten Choralvorspielen aus Johann Sebastian Bachs „Orgelbüchlein“ – nämlich „Wer nur den lieben Gott lässt walten“, „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ sowie „Alle Menschen müssen sterben“. Und doch wird schon hier das Wesentliche klar: Immer wieder lässt Lamprecht seine schnellen Finger über die Tasten gleiten und verwandelt auf diese Weise den Sakral- in einen prächtigen Musikraum. Schwerpunkt des Abends ist eindeutig Max Reger: So steht dessen Zweite Sonate d-moll (op.60) auf dem Programm. Dreisätzig angelegt, ist es vor allem der 2. Satz (Invokation), der nachhallt mit virtuosen Läufen und wuchtig-voluminösen Akkordfolgen. Es stimmt praktisch alles, was Lamprecht an der Orgel vollführt, stellenweise gleicht es einem wilden Rodeo-Ritt.

Durchaus eigenwillig und zugleich faszinierend wird es stets, wenn Werke des zeitgenössischen estnischen Komponisten Arvo Pärt auf dem Programm stehen. In diesem Fall ist es „Annum per Annum – Jahr für Jahr“, das 1980 zum 900. Jubiläum des Domes zu Speyer geschrieben worden war. Der fünfteilige Zentralteil ist eingerahmt von einer Einführung und einer Coda bestehend aus Akkorden im pochenden Rhythmus, der ähnlich einer tickenden Uhr für den ewigen Ablauf der Zeit steht – „Annum per Annum“ eben. Das alles registriert Lamprecht äußerst facettenreich mit schönen Klangfarben. Gerade hier wäre auch ein kleiner Hintergrund-Extrakt im Programmblatt hilfreich, um sich das Werk als Zuhörer in seiner ganzen Dimension erschließen zu können. Abgerundet wird das Orgelkonzert mit Max Regers Phantasie über den Choral „Alle Menschen müssen sterben“. Viel Applaus gibt es abschließend für die herausragende Spieltechnik des jungen Künstlers bei den überaus reizvollen Orgelwerken.

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