"Panzerknacker" aus Bremen gehen in Bayern hinter Gitter

Sogar ein Verteidiger nennt sie die "Panzerknackerbande". "Wie die aus den Comics." Nur nicht so dusselig. Haupttäter Arber G. habe die Bankautomaten professionell geknackt. "Handwerklich geschickt", sagt Anwalt Weitzdörfer. "Und dumm ist er auch nicht."

Die 1. Strafkammer am Landgericht Weiden unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Gerhard Heindl mit beisitzendem Richter Matthias Bauer verurteilt die drei Angeklagten zu Haftstrafen zwischen 2 Jahren bis 6 Jahre und 9 Monate.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Zweifelhafte Komplimente für einen Profi. Arber G. (40), gebürtiger Kosovo-Albaner, aufgewachsen in Schweden, wandert einmal mehr hinter schwedische Gardinen. Er war der Kopf der Bande, die im Winter 2018/19 Geldautomaten in der Oberpfalz und Oberfranken aufbrach. Die Strafkammer am Landgericht Weiden verurteilt ihn am Dienstag zu 6 Jahren und 9 Monaten Haft wegen schweren Bandendiebstahls. Für ihn nichts Neues. Er saß wegen ähnlicher Delikte schon in Finnland, Deutschland und der Schweiz im Gefängnis.Diesmal zog "Opa Knack" - um im Bild zu bleiben - seine jungen Cousins aus Bremen mit hinein: Dardan (27) und Shaban (25). Der Ältere stand Schmiere und verbaut sich damit die Zukunft. Das Gericht verhängt 4 Jahre 9 Monate. Anwalt Stefan Hoffmann rechnet mit der Abschiebung nach der Haft. Der Azubi müsste dann in den Kosovo zurück, den er als Zweijähriger 1993 mit den Eltern verlassen hat.

Nur der Jüngste kommt frei

Der jüngere Bruder kommt mit einem superblauen Auge davon. Der 25-Jährige hatte "nur" die Tatfahrzeuge besorgt. Diese Beihilfe quittiert die Strafkammer mit zwei Jahren, zur Bewährung ausgesetzt. Noch im Saal schließen die Vorführbeamten die klimpernden Fußfesseln auf. "Endlich, endlich", sagt der 25-Jährige nach zehn Monaten Untersuchungshaft. Die norddeutsche Verlobte steht schon bereit. "Sie wollen demnächst den Bund der Ehe eingehen", teilt Anwalt Günther Bogatz mit. Sie verzeiht, dass während des Prozesses ein paralleles "G'spusi" des Angeklagten aufflog.

Casino-Besuche und Partys, schnelle Autos und schöne Frauen. Der Kriminalpolizei Bad Segeberg blieb nichts verborgen. Bereits ein halbes Jahr vor den Taten in Bayern waren die Brüder aus Bremen abgehört worden. In einer Sache, die sie gar nicht tangierte: Es ging damals gegen eine andere Gruppierung und die befürchtete Bildung einer kriminellen Vereinigung. Die Telefonüberwachung der Staatsanwaltschaft Kiel erfolgte auf "fragwürdiger Grundlage", bemängelt Anwalt Hoffmann.

Verteidiger Tobias Konze stochert im zweiten wunden Punkt: Schon nach dem ersten Aufbruch in Immenreuth (Beute 93 000 Euro, Sachschaden 30 000 Euro) meldeten sich die norddeutschen Kollegen bei der Weidener Kripo mit dem Hinweis auf die Kosovo-Albaner. "Die Fahrzeuge waren GPS-überwacht. Man war der Bande auf den Fersen", so Konze.

Dennoch kam es noch zum Aufbruch in Trabitz (Beute 64 000 Euro, Sachschaden 5500 Euro), zu zwei gescheiterten Versuchen in Nagel und Gattendorf sowie zum Aufbruch in Oberkotzau (Schaden 70 000 Euro). Nach diesem Coup erfolgte die Festnahme auf dem Sportplatz Döhlau. Die 224 000 Euro Beute steckten noch im Rucksack. Konze: "Man hätte definitiv zumindest den letzten Fall vorher abbrechen können."

"Kluge Ermittlungsarbeit"

Staatsanwalt Dr. Marco Heß sieht das anders: "Das Verfahren ging ordnungsgemäß vonstatten." Es gäbe keinen Anspruch des Täters, von der Polizei frühzeitig abgefangen zu werden. Es sei wichtig, die Beweisgrundlage zu sichern. "Es nützt nichts, jemanden 100 Meter von der Bank entfernt festzunehmen, nur damit in der Bank nichts kaputt geht." Seine Forderungen liegen ein Vierteljahr über dem verhängten Strafmaß. Gleich mehrere Verteidiger loben sein "ausgewogenes Plädoyer"; Anwalt Weitzdörfer dankt gar für die "feine, kluge Ermittlungsarbeit".

Legal nur der Lehrlingslohn

Warum das Ganze? Letztlich ging es um die Sicherung des flotten Lebensstils. Das Hauptquartier der "Panzerknacker" war eine Villa in Achim bei Bremen. Allein die Miete (1150 Euro) überstieg schon die einzige legale Einnahmen: den Lehrlingslohn von Dardan (700 Euro). Bei Durchsuchungen fanden sich Gegenstände, "die wohl kaum jemand von uns daheim haben dürfte", so Vorsitzender Richter Gerhard Heindl. Geldzählmaschine, Spreizer, 35 000 Euro im Bettkasten.

Und der Rest? Vielleicht verzockt. Die Originalscheine der 157 000 Euro aus Trabitz und Immenreuth konnten nicht gefunden werden. Das Landgericht ordnet daher ersatzweise eine umfangreiche Vermögensabschöpfung an. Der gesamte Fuhrpark der Männer wird eingezogen: Audi R 8, Mitsubishi Pajero, Daimler Benz ML 320 TDI, Nissan GTR, Motorrad, Quad. Um es wie die Comic-Vorbilder zu reimen: "Wir plagen uns so wacker, wir armen Panzerknacker. Doch unser Kunst, die war umsunst."

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