Der Pullunder lässt das Sächseln nicht

Olaf Schubert trifft mit seinem Programm „Sexy Forever!“ in der Max-Reger-Halle in Weiden auf ein dankbares Publikum

Olaf Schubert hatte am Mittwochabend in die Oberpfalz gefunden – dort, wo die Pfalz ihre ganze Pfälze entfaltet.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Die Besucher gehören definitiv eher in die Kategorie „Schubert-Fans“, entsprechend groß ist auch der Applaus für den Dresdner und seine Weisheiten des Abends. Schubert ist Schubert: Wer ihn aus dem Fernsehen kennt, der erlebt ihn auch auf der Bühne nicht anders: Das beginnt schon mit dem Optischen – also dem wohl Hässlichsten aller existierenden Pullunder und der Schubert’schen Individualfrisur. Der Pullunder ist das, was vielen anderen einfach fehlt. „Putin ohne Pullunder – einfach abartig“, stellt Schubert fest.

Für den zweifellos rhetorisch begabten und eindrucksvoll sächselnden Comedian ist der Auftritt in Weiden ein leichtes Spiel. Und das, obwohl Weiden sowie die ganze Oberpfalz immer wieder für die ein oder andere spöttische und ironische Bemerkung herhalten müssen. „Die Pfalz entfaltet ihre ganze Pfälze in der Oberpfalz“, stellt er fest. Und es sei schon gut, dass so viele Leute in die Halle gekommen seien. „Denn Weiden um 20 Uhr 30: Was willst Du hier sonst machen?“.

Schubert galoppiert zwei Stunden lang durch den Alltag und streift dabei politische, gesellschaftliche und zwischenmenschliche Themen. Er ermuntert die Anwesenden dazu, keine Angst vor Thüringen zu haben („80 Prozent sind Wald, der Rest sind Bäume“), preist die Palme als Symbol schlechthin für Sinnlichkeit und verleiht dem Begriff der Bio-Waffen einen ganz neuen Sinn („Brennnessel, Spitzwegerich und scharfer Schnittlauch – alles kompostierbar“). Auf die ihm ganz eigene Weise greift Schubert die Kinderarbeit in Bangladesch und das Dieselfahrverbot auf. Er erklärt das komplizierte Funktionieren eines Hybridmotors bestechend simpel: „Je mehr ich bremse, umso weiter komme ich!“.

Sorge bereite ihm die internationale Entwicklung mit dem Auftreten zahlreicher „starker Männer“ wie Trump, Putin und Erdogan. „Bei Tyrannen und Despoten haben wir den Anschluss an die Weltspitze verpasst – dabei waren wir da mal führend“, bedauert Schubert. Eine Faszination übe auch seine Heimatstadt Dresden aus mit ihre Gravitationskraft für „braunen Feinstaub“, der sich da immer am Montagabend in der Innenstadt bilde. Vieles, was dort gefordert werde, überrasche ihn immer wieder: „Gerade die Vollverschleierung wäre doch für viele Pegida-Anhängerinnen die ideale Lösung!“

Zwischendrin rutscht Schubert immer mal wieder etwas tiefer unter die Gürtellinie und lässt auch keine Schlüpfrigkeit aus, die so daher kommt. Andererseits: Wer lacht schon nicht gerne auch einmal unter Niveau? Neben den Wortklaubereien stellt Schubert auch sein Faible für Musik unter Beweis, begleitet von Jochen Barkas und Bert Stephan an Gitarre und Bass: Die Lieder vom Roboter, die Hymne für Toleranz und vor allem „Hey girl“ im bahnbrechenden Englisch sorgen für eine regelrechte „Schubert-Mania“ in der Halle. Viel Applaus für einen humorvollen Auftritt.

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