Weiden in der Oberpfalz
19.11.2025 - 14:21 Uhr
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Raus aus der Komfortzone: Weidener wandert zum Mount-Everest-Basislager in Nepal

Von der Höhenangst zum Bergglück: Der Weidener Peter Schröder hat sich einen Traum erfüllt und ist zum Mount-Everest-Basislager in Nepal gewandert. Nun will er andere motivieren, ihre Komfortzone zu verlassen.

Peter Schröder ist stolz auf sich, aber er staunt auch ein bisschen über sich selbst. „Ich habe es geschafft, das ist ein wahnsinniges Gefühl. Ich werde mich immer daran erinnern“, sagt er wenige Wochen nach seiner Rückkehr aus dem Himalaya. „Ich war immer gut drauf, was mich rückblickend eigentlich wundert“, erinnert er sich. Zwölf Tage lang ist der Weidener mit einer kleinen Reisegruppe auf dem Mount-Everest-Trek durch das höchste Gebirge der Welt gewandert, auf einer Strecke von 100 Kilometern und 10.000 aufsummierten Höhenmetern. „Da ist aber keine einzige Kletterpassage dabei. Sonst hätte ich die Wanderung nicht gemacht“, sagt der 32-jährige Mitarbeiter von Witron. Ziel der Wanderung war das südliche Mount-Everest-Basislager in Nepal. Auf dem Weg dorthin meistert der gebürtige Manteler unter anderem seine leichte Höhen- und Flugangst, Sauerstoffmangel und eine problematische Anreise. Er möchte nun anderen mitgeben, dass man über sich hinauswachsen kann, wenn man an sich glaubt.

„Ich möchte die Leute motivieren, aus ihrer Komfortzone herauszukommen: Mach' doch mal etwas Abenteuerlustiges und bringe ein bisschen Pfeffer in dein Leben.“ Dafür müsse man kein Extremsportler sein. Eine mehrtägige Wanderung hatte der Weidener zuvor noch nie gemacht. Vor der Reise trainierte er im Fitnessstudio. „Vor einem Jahr habe ich noch 20 Kilogramm mehr gewogen. Aber mit ein bisschen Vorbereitung ist das für den Otto Normalverbraucher machbar.“ Die Fernwanderung auf dem Mount-Everest-Trek sei buchbar wie eine Pauschalreise. Kostenpunkt: rund 3000 Euro.

Die Luft wird dünner

Für den Weidener gerät schon die Anreise zu einem Abenteuer. Von Salzburg aus geht es am 2. Oktober über Dubai nach Kathmandu und von dort über Umwege weiter nach Lukla in Nepal. Der Flughafen dort auf knapp 3000 Metern Höhe hat eine extrem kurze Lande- und Startbahn und gilt als der gefährlichste Flugplatz der Welt. Um endlich hier landen zu können, braucht Peter Schröder vier Tage Geduld. Wetterbedingt fallen zahlreiche Flüge aus.

Peter Schröder verbringt zwei Tage vergeblich im Wartebereich des Flughafens in Kathmandu. Dann geht es in einem Kleinbus nachts auf stundenlangen Umwegen zum Ramechhap Airport. Dort schläft Peter Schröder zunächst auf dem Boden des Parkplatzes. „Ich war überaus gechillt. Ich habe mir gedacht, ich habe ein Abenteuer gebucht, da gehört es dazu, dass man ruhig bleibt.“

Hunderte Reisende warten hier auf ihre Abflüge. Für Schröder geht es deshalb erst am nächsten Tag weiter nach Lukla – vier Tage später als geplant. „Der Flug war sehr kurz, aber sehr aufregend. Die Landebahn ist richtig schön schief, und weil sie so kurz ist, geht der Pilot voll in die Eisen. Die Landung dauert nur ein paar Sekunden.“ Nach der Landung habe er sofort die dünne Luft gespürt – nur ein Vorgeschmack auf das, was noch vor ihm lag.

"Man muss sich beruhigen"

Neun Tage gehen die Wanderer bergauf Richtung Mount-Everest-Basislager. Schröder hat rund acht Kilogramm Gepäck auf dem Rücken. Auf 3400 Höhenmetern erreicht die Gruppe den Ort Namche Bazar, dessen Häuser wie bunte Sprenkel an einem Hang liegen. „Hier haben wir alle das erste Mal Kopfweh und Schwindel bekommen.“ Die Wanderer übernachten in Teehäusern, einmal bei minus 12 Grad Celsius. Eine Heizung gibt es nie, fließendes Wasser nur in manchen Häusern. W-Lan allerdings gibt es überall.

Wegen des geringen Sauerstoffgehalts in der Luft, muss sich die Gruppe akklimatisieren. „Das Motto: Steige hoch, schlafe tief“, erklärt der Weidener. Man verbringt einen Tag auf einer bestimmten Höhe, unternimmt eine kleine Wanderung in höhere Gefilde und kehrt wieder zurück. So geht es etappenweise höher, bis die Gruppe schließlich die Baum- und Schneegrenze überschritten hat. Auf gut 5100 Metern Höhe verbringt Schröder in Gorakshep die höchste Nacht der Reise. Von dort aus wandert er direkt zum Mount-Everest-Camp auf knapp 5400 Metern Höhe.

Die Luft enthält dort nur noch halb so viel Sauerstoff wie auf Meereshöhe. „Manche hatten einen Ruhepuls von 100. Wir waren alle k.o. Die Luft ist sehr trocken und kann Nasenbluten verursachen. Ein Mädchen hat Blut gehustet. Das macht was im Kopf. Man fühlt sich nicht krank, hat aber diese Symptome. Man muss sich beruhigen.“ Die Wanderer messen täglich den Sauerstoffgehalt in ihrem Blut. „Den größten Respekt hatte ich davor, dass etwas passiert, das nicht unter meiner Kontrolle ist. Du weißt nicht, wie dein Körper auf die Höhe reagiert, ob du die Höhenkrankheit bekommst.“ Zwei Wanderer brechen die Tour ab. Peter Schröder hält durch.

17 Liebesbriefe

Dank der Internetverbindung kann er mit seiner Freundin in Kontakt bleiben. „Sie war mein Anker nach Hause. Das war für meinen Kopf wichtig.“ Und seine Freundin hat vorgesorgt: Sie hatte ihm vor der Abreise 17 Liebesbriefe überreicht – für jeden Tag der Reise einen. „Ich habe sie mir extra aufgespart und gedacht: Den lese ich am Nachmittag, weil der Vormittag anstrengend wird.“

Peter Schröder schafft es bei bestem Wetter zum Basislager. „Das Basecamp ist wahnsinnig unspektakulär, eigentlich nur große Steine mit Schriftzügen. Die Sicht auf den Mount Everest war dafür bombastisch. Es war ein wahnsinnig emotionaler Moment und ein berauschendes Gefühl im Basecamp. Und fast niemand wusste, dass ich dort bin. Unbeschreiblich!“ Peter Schröder hatte vor der Reise nur seiner Freundin und seinem Bruder erzählt, was er vorhat. Er habe sich keinen Druck machen wollen, sagt er. Nach seiner Rückkehr seien alle überrascht gewesen.

Rund eineinhalb Stunden lang bleibt die Gruppe im Basislager, bevor sie den Rückweg antritt. „Man ist neun Tage lang in eine Richtung gewandert. Man muss sich kurz damit auseinandersetzen, dass man jetzt wieder zurückgehen muss.“ Weil es bergab geht und die Akklimatisierung wegfällt, schaffen die Wanderer den Rückweg in nur drei Tagen. „In Namche Bazar gibt es den höchsten Irish Pub der Welt. Ich habe dort ein Bier getrunken – das musste sein.“ Von Namche Bazar aus gönnt sich Peter Schröder einen Helikopterflug über Lukla zurück nach Kathmandu. Am 18. Oktober fliegt er zurück nach Hause, wo seine Freundin schon am Flughafen wartet.

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