Reiner Zufall: "Geschichten aus Everywen"

"Woo-Fi" ruft - und die "Pröppel" kommen in Scharen. Die Lesung von Wolfgang Herzer aus seiner Comic-Reihe "Die Lückenknüllerkids - Geschichten aus Everywen" findet beim Kunstgenuss bis Mitternacht großen Anklang.

Wolfgang Herzer präsentiert seine Zeichnungen der „Lückenknüllerkids“ – Geschichten aus dem Leben einer Patchworkfamilie.
von Autor OTJProfil

Über Jahre hat der Vorsitzende des Kunstvereins sein Leben mit einer Patchwork-Familie mit spitzer Feder dokumentiert. Und so ein riesiges OEuvre erschaffen, von dem er nur einen winzigen Teil zum besten gibt. Neues Rathaus, das Gymnasium, der Flutkanal - mit den "Lückenknüllerkids" hat Herzer einen Ort erschaffen, der stark an Weiden erinnert. Reiner Zufall aber: Schließlich habe sein Planet einen direkten Zugang zur Ostsee - samt Hafen, so Herzer. Zunächst gibt es eine Führung durch "Everywen", auf der das Publikum eine Menge Orte und Protagonisten kennenlernt. Da ist zunächst der Erzähler Omar Sheriff, der sich ohne Not eine Papiertüte über den Kopf gestülpt hat. Dann gibt es die "Lückenknüllerkids" der "Ältern Vulkana" und "Woo-Fi": die Mädchen "No-Nein" und "Hier-Wohne-Ich" sowie die Jungs Melo und "Hier-Soll-Es-Schön-Sein". Diese Hauptfiguren laufen durch eine skurril skizzierte Welt, belebt von "Pröppeln", den Bürgern von "Everywen". Dann gibt es da noch die Schlange Liberty, galoppierende, weit vom Stamm gefallene Äpfel, oder die alles fest im Griff habende öffentliche Hand.

Die Geschichten, die Herzer erzählt, sind ziemlich abgefahrene Miniaturen, die vor allem erkennen lassen, mit welchen inneren Konflikten sich ein Patchwork-Vater im Lehramt herumschlagen muss. Wie viel Freiheit muss es geben, wieviel Kontrolle? Aber auch wenn er über manches Gebaren der "Lückenknüllerkids" nicht sonderlich erfreut ist, erkennt er: "Ich war ja genauso." Aber auch "Woo-Fi" hadert mit sich und seinem Leben, denn in "Everywen" wird niemand wirklich "erwaxen". Dann muss er auch einmal ausbrechen und den Mauern des örtlichen Gymnasiums entfliehen. Dabei verläuft er sich fast, findet aber dann doch wieder nach Hause. Neben dem Privaten finden sich in den Geschichten auch politische Skandale und ökologische Themen. Eben alles, was Herzer beschäftigt und bewegt. Die Lektüre der kleinen Geschichten lohnt sich in ihrer ernsthaften Komik - vor allem für Weidener. Denn wenn auch "Everywen" offensichtlich nicht in der Oberpfalz liegt (Ostsee!) - Parallelen gibt es durchaus.

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