Rentenexperte: Grundrente als Dank an Corona-Helden

Peter Hofmann ist sauer, dass Corona als Vorwand genutzt wird, um die Grundrente wieder in Frage zu stellen. Diese Diskussion ist ein Schlag ins Gesicht für die Helden der Krise, findet der DGB Rentenexperte.

Die Mitarbeiter in Supermärkten leisten gerade sehr viel, bekommen aber weiterhin wenig Geld. Jetzt an der Grundrente zu rütteln wäre auch ein Schlag gegen sie.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Ganz Deutschland lobt Pflegekräfte und Supermarkt-Mitarbeiter. Dass es aber alle ernst meinen mit den Menschen, die Deutschland am Laufen halten, daran zweifelt DGB-Rentenexperte Peter Hofmann. Anders könne er sich die Diskussion um eine Verschiebung der Grundrente nicht erklären. Diese soll schließlich den wichtigen, aber schlecht bezahlten Arbeitnehmern in Handel und Dienstleistung zugute kommen.

"Mir hat der Frühstückskaffee nicht mehr geschmeckt, als ich gelesen habe, was Carsten Linnemann fordert", sagt Hofmann. Der CDU-Politiker hatte angeregt, das Projekt Grundrente wegen der Coronakrise auf Eis zu legen. "Es ist scheinheilig, den Menschen für ihren Einsatz zu danken und gleichzeitig die Anhebung der Rente für jahrzehntelange Arbeit im Niedriglohnsektor ab Januar 2021 zu streichen."

Schließlich sei die Grundrente vor allem für Teilzeitkräfte gedacht, die derzeit in Verkauf oder Pflege ihre Gesundheit riskieren. Die unnötige Ausweitung der Ladenöffnungszeiten erhöhe die Belastung zusätzlich. Dass der Vorsitzende der Mittelstandsunion Linnemann nun fordert, sich "voll auf die Bewältigung der Krise zu konzentrieren", sei eine Provokation: "Glaubt er denn, die 1,3 Millionen Menschen mit kleinen Bezügen stecken in keiner Krise?"

Tatsächlich sei der Niedriglohnsektor noch deutlich größer. Einschränkungen verhinderten, dass alle Betroffenen profitieren. Neben den 33 Jahren "Grundrentenzeit" müssen die Arbeitnehmer auch mindestens 30 Prozent des Durchschnittseinkommens verdienen. Das heißt: Wer derzeit nicht mindestens 1013,78 Euro monatlich verdient, bekommt für das Jahr 2020 keine Grundrente. 450-Euro-Kräfte sind also kategorisch ausgeschlossen. Dennoch findet Hofmann, die Grundrente sei ein akzeptabler Kompromiss. Ein Aufschieben ist dagegen nicht akzeptabel, nicht trotz, sondern gerade wegen der Krise.

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