Richter mit richtig viel Arbeit

Dietmar Striegan hat Ulrich Uhlemann als Direktor des Arbeitsgerichts Weiden abgelöst. Dieses müsste eigentlich "Arbeitsgericht halbe Oberpfalz" heißen. Das Einzugsgebiet reicht von Waldershof bis hinunter zum Arber.

Dietmar Striegan (Dritter von links) gratulieren Ehefrau Uta, Tochter Agnes (Tochter Antonia studiert in Schweden) und Mutter Irmgard, Präsident Joachim Vetter (links), Ministerialdirigent Werner Zwick (rechts) und Vorgänger Ulrich Uhlemann, jetzt Vorsitzender Richter am Landesarbeitsgericht.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Das Arbeitsgericht Weiden ist zuständig für die Landkreise Tirschenreuth, Neustadt, Schwandorf, Amberg-Sulzbach und Cham sowie die Städte Weiden und Amberg und damit 630 000 Menschen. "Das ist eine große Fläche für ein kleines Gericht", so Striegan am Donnerstag in seiner Antrittsrede im Neuen Rathaus in Weiden vor zahlreichen Ehrengästen und vielen ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern. Die Richter fahren zur Außenkammer Schwandorf und zu Gerichtstagen nach Amberg und Cham - "ein wertvoller Dienst an den Bürgern, der uns manchmal an die Grenzen des Personaleinsatzes bringt". Seit Juli ist zudem die fünfte Spruchkammer unbesetzt.

Amtseinführung im Sitzungssaal des Neuen Rathauses in Weiden.

Fünften Richter zugesagt

Zumindest sagte Ministerialdirigent Werner Zwick ohne Zögern zu, die fünfte Richterstelle so schnell wie möglich zu besetzen. Der Vertreter des Ministeriums aus München geht davon aus, dass in den nächsten Jahren die Klagen wieder zunehmen werde: die Krise in der Automobilindustrie, dazu ein Anwachsen von Kurzarbeit. Arbeitsgerichte würden einen wichtigen Beitrag für den sozialen Frieden leisten, so Zwick, der sich als gebürtiger Vohenstrauß "outete".

Landesarbeitsgerichtspräsident Joachim Vetter sprach den enormen Aufwand an, den der "Medienbruch" bedeute. Gerade ist der elektronische Rechtsverkehr eingeführt worden. Hier hake es noch bei Anwälten, die sich verweigern, und am fehlenden Zugang für Gewerkschaften und Arbeitgeberverände. Bis 2026 steht mit der Einführung der "eAkte" der nächste Kraftakt vor der Tür. "Was sind da noch für Stolpersteine aus dem Weg zu räumen", so Vetter. Das Berliner Kammergericht sei gerade vom Netz genommen worden, weil man sich einen "Virus eingefangen hatte". Er appellierte an die Entscheidungsträger, die erforderlichen personellen und finanziellen Mittel bereitzustellen. An eine Ausweitung der Gerichtstage - wie kürzlich in Tirschenreuth erbeten - sei nicht zu denken, im Gegenteil. "Um Himmelswillen: Nein."

Richterrat Ferdinand Hagelstein freute sich namens der Belegschaft, dass ein Richter aus den eigenen Reihen den Chefposten bekommen hat. Striegan sei "schon immer geduldiger Ansprechpartner", dessen Rat die Kollegen suchten. Seit 1996 ist Striegan, der ursprünglich aus Hamburg stammt, in Weiden ansässig. Beruflich wie privat. Er sagt: "Diese Stadt wird unterschätzt." Striegan kam in den 70ern mit seinen Eltern in den Bayerischen Wald. Er machte in Grafenau Abitur und "qualifizierte sich damit für den Einsatz im gesamten bayerischen Sprachraum". Seit über zwei Jahrzehnten übernimmt er die Gerichtstage in Cham: "Ich fahre sehr gerne da raus."

Der 57-Jährige hob die Vorzüge der vielen gütlichen Einigungen an Arbeitsgerichten (60 Prozent) hervor. Es seien oft die besseren Lösungen, schufen schnell Rechtsfrieden. Voraussetzung sei, dass den Parteien genügend Raum gegeben werde. Die enorme Arbeit am Standort Weiden sei dank eines "hochqualifizierten, prima Teams" zu schultern.

Ulrich Uhlemann, wohnhaft in Burgtreswitz (Moosbach), wird künftig wieder nach Nürnberg pendeln. Ihm galt der Dank Hagelsteins als "guter Direktor", der das Güterichter-System in Weiden verankert hat. Künftig wirkt er als Vorsitzender Richter am Landesarbeitsgericht Nürnberg.

Weiden.

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